03.04.2020 17:28 |

Zwischenbilanz

So verändert Corona die Arbeit der Tiroler Polizei

Die gegenwärtige Krise stellt die gesamte Gesellschaft vor völlig neue Herausforderungen - das geht natürlich auch an der Exekutive nicht spurlos vorüber. Während die Kriminalitätsrate drastisch sinkt - insbesondere Eigentumsdelikte - hat die Polizei mit der Vollziehung der gesundheitsbehördlichen Verordnung alle Hände voll zu tun. Eine Zwischenbilanz der Tiroler Beamten.

Die gute Nachricht vorweg: Der Großteil der Bevölkerung hält sich in Tirol an die Verordnungen und bleibt daheim - so auch Diebe und Co., wie es scheint. „So zeigt sich in der Kriminalitätsentwicklung, dass die Gesamtdelikte in den letzten Märzwochen massiv zurückgegangen sind“, informiert die Polizei am Freitag. Selbst in der so genannten „Cyber-Kriminalität“ seien aktuell keine besonderen Zuwächse zu verzeichnen, heißt es weiter.

Um 80% weniger Individualverkehr
Ebenfalls weniger zu tun, gibt es für die Verkehrspolizei. „Der Lkw-Verkehr läuft fließend, der Individualverkehr an den Grenzen zu Italien und der Schweiz ist sehr überschaubar“, erklärt die Exekutive. Nur auf den Autobahnen am Brenner und in Kufstein gebe es etwas mehr Frequenz, heißt es.  Insgesamt sind aber 40-50 Prozent weniger Lastkraftwagen auf den Straßen unterwegs. Der Individualverkehr ist um starke 80 Prozent zurückgegangen!

Kaum noch illegale Migration
Auch bei der illegalen Migration gebe es momentan kaum Bewegungen: „Gab es zu Beginn der Krise  - und mit Beginn der Grenzkontrollen zu Italien - noch regelmäßige Aufgriffe, halten sich die relevanten fremdenpolizeilichen Amtshandlungen in Tirol nun täglich im niedrigen einstelligen Bereich“, erklärt die Polizei. So gab es seit Mitte März lediglich 56 Aufgriffe und keinen einzigen Asylantrag.

2300 Anzeigen seit Inkrafttreten der Verordnung
Nun ist es aber nicht so, dass die Polizei aufgrund dieser Entwicklungen kaum noch Arbeit hätte. Im Gegenteil: Eine der Hauptaufgaben der Polizei betrifft gegenwärtig die Vollziehung der gesundheitsbehördlichen Verordnungen. Und hier gibt es den Zahlen nach, genug zu tun: „Seit Inkrafttreten der verschiedenen Verordnungen - bezüglich der Verkehrsbeschränkungen - hat die Tiroler Polizei 2.300 Anzeigen erstattet“, wurde am Freitag vermeldet.

In Tirol schärfere Regeln
Dass die Zahl der Anzeigen in Tirol im Verhältnis zu anderen Bundesländern höher ist, hänge zum einen damit zusammen, dass die Verkehrsbeschränkung in Tirol schon früher erlassen wurde und zum anderen an den schärferen Bestimmungen hierzulande. Die Polizei gehe aber mehrheitlich mit Ermahnungen und Aufklärung vor, hieß es einmal mehr. Manchmal seien Anzeigen aber unausweichlich - etwa wenn es um die Ausübung (alpiner) Sportaktivitäten geht.

„Bitte bleiben Sie zu Hause“
Landespolizeidirektor Edelbert Kohler erklärt dazu: „Strafen sind das eine; Solidarität und Vorbildwirkung das andere - es ist wenig rücksichtsvoll gegenüber denjenigen, die zu Hause bleiben und auch gerne in die freie Natur gehen würden. Auch wenn es schwer fällt, bitte bleiben Sie zu Hause und halten Sie sich an die Verkehrsbeschränkungen. Die Polizei steht auf Ihrer Seite!“

Im Einsatz gegen Corona
Neben der Verkehrsbeschränkung, die es zu kontrollieren gilt, leistet die Polizei auch Dienst für die Gesundheitsbehörden: Das betrifft etwa die „Umfeld-Überprüfung“ bei infizierten Personen, die Zustellung von Bescheiden, Überprüfung der Quarantänedisziplin, Kontrolle an Checkpoints im Einzugsgebiet von Sperrbereichen, Begleitung der Ausreise aus Sperrgebieten und die Grenzkontrollen. Dort gebe es zum Glück aber keine nennenswerten Probleme.

Die Zahlen zu den Grenzen im Detail:

  • Anzahl der von der Polizei besetzen Grenzkontrollstellen (zu It, D, Ch) 13
  • Anzahl der bislang kontrollierten Personen nach d. GrekoG/FPG/Passgesetz: 67.458
  • Anzahl der Zurückweisungen (weil die Einreisevoraussetzungen nicht vorliegen): 61
  • Abweisungen durch Gesundheitsbehörden (gesundheitsbehördliche Verwehrung der Einreise): 626

Keine Steigerung der häuslichen Gewalt evident
Eine gute Nachricht gibt es, was die häusliche Gewalt betrifft: „Hier sind bisher keine signifikanten Steigerungen evident“, erklärt die Polizei. Während im März 2019 insgesamt 50 Betretungsverbote in Tirol zu verzeichnen waren, waren es diesen März 51.

33 Mitarbeiter der Polizei an Corona erkrankt
Doch natürlich ist auch die Polizei selbst nicht vor dem Virus gefeit: „In unseren Reihen gibt es eine durchaus beachtliche Anzahl an positiv getesteten“, erklärt Manfred Dummer, Leiter der Polizei-Pressestelle. 33 Personen sind bisher an Corona erkrankt, 13 davon wieder gesund. Der Krankheitsverlauf sei zum Glück aber größtenteils ruhig. Zur Folge hat das dennoch, dass zahlreiche weitere Polizisten als Kontaktpersonen abgesondert und in häusliche Quarantäne geschickt werden mussten. 

Tiroler Polizei gut aufgestellt
„Die Tiroler Polizei ist mit 2.300 Einsatzkräften aber nach wie vor gut aufgestellt“, versichert Dummer. Zudem habe man noch eine Ass im Ärmel: „Im Fall des Falles verfügen wir - mit den Kolleginnen und Kollegen der Schulabteilung - über eine Reserve, auf die wir bislang nicht zurückgreifen mussten“, erklärt Dummer. Auch das Österreichische Bundesheer steht als Sicherheitspolizeiliche Assistenzkräfte zur Verfügung, wenn es notwendig sein sollte.

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