29.03.2020 15:01 |

Notlösung aus Italien

Ärzte beatmen Covid-19-Patienten mit Tauchermasken

Der Mangel an Beatmungsgeräten ist eine große Herausforderung in der Corona-Krise, zwingt Ärzte und Krankenpfleger zu kreativen Lösungen. Aus Italien stammt die Idee, dass Corona-Patienten in Notfällen auch mithilfe herkömmlicher Tauchermasken beatmet werden können. Inzwischen haben Krankenhäuser anderswo in Europa die Idee aufgegriffen. In Belgien sind Tests an Patienten geplant.

Wie man Tauchermasken zur behelfsmäßigen Beatmungsmaske macht, hat das römische Institute of Studies for the Integration of Systems (ISINNOVA) auf seiner Website beschrieben. Die Anleitung ist in verschiedensten Sprachen - Italienisch, Spanisch, Deutsch, Englisch, Russisch - verfügbar. Auch ein Erklär-Video zum Umbau der Masken hat man ins Netz gestellt.

In Belgien kooperiert nun das Erasme-Krankenhaus außerhalb von Brüssel mit dem Therapiegeräte-Hersteller Endo Tools Therapeutics, der einen speziellen Aufsatz für die Tauchermasken herstellt. Damit können die Masken an herkömmliche Beatmungsgeräte angeschlossen werden, die Druckluft in die Masken und in weiterer Folge in die Lunge des Patienten leiten.

Beatmung verhindert, dass Lungenbläschen kollabieren
Dieser Mechanismus verhindert, dass die Lungenbläschen kollabieren. Bei einer Lungenentzündung, wie sie bei schweren Verläufen einer Coronavirus-Infektion entstehen kann, dringt Feuchtigkeit in die Lungenbläschen. Dies kann lebensgefährlich sein.

Die Masken seien für Patienten „mit schweren Atembeschwerden“ gedacht, sagte der auf Atemwegserkrankungen spezialisierte Physiotherapeut Frederic Bonnier vom Erasme-Krankenhaus in Brüssel. Am Montag werde er mit dem Test von 50 Masken an Patienten beginnen.

Übergangslösung, bis mehr Beatmungsgeräte da sind
Bei schweren Lungenentzündungen müssen Patienten auf Intensivstationen behandelt und an Beatmungsgeräte angeschlossen werden. Da die Anzahl an Beatmungsgeräten knapp ist, könnten die Tauchermasken nach Einschätzung von Experten eine Übergangslösung sein, um Patienten zu versorgen, die eigentlich intensivmedizinisch behandelt werden müssten, für die aber keine Plätze mehr zur Verfügung stehen.

Der Nachteil an den Masken sei, dass diese nicht für medizinische Zwecke hergestellt worden seien und jeweils nur für einen Patienten verwendet werden könnten, sagte Bonnier. Dennoch hofft er, dass die kreative Lösung Ärzten und Pflegern im Kampf gegen das Coronavirus eine Hilfe sein wird.

Der französische Sportartikelhersteller Decathlon, der eine Reihe von Tauchermasken an italienische Kliniken gespendet hatte, bekundete angesichts der Berichte über den Einsatz der Masken „Interesse“, mahnte aber zugleich zur Vorsicht. „Zurzeit haben wir keine Bestätigung, dass diese Lösungen wirklich funktionieren“, betonte das Unternehmen auf Twitter.

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