21.03.2020 08:42 |

Erste „Corona-Woche“

Nur mehr 64 Schüler und 14.700 neue Arbeitslose

Nichts ist mehr, wie es war. Das Coronavirus und die Maßnahmen der Regierung haben unser Land verändert. Am Ende der ersten Woche im Ausnahmezustand hat die „Steirerkrone“ wichtige Institutionen um eine erste „Corona-Bilanz“ gebeten.

Supermärkte: Die Hamsterkäufe sind vorbei, die Kundenfrequenz hat sich wieder eingependelt, „viel ist vor allem noch am Vormittag und am frühen Nachmittag los“, sagt Marketingleiter Richard Kaufmann von Spar. Im Lager in Graz-Puntigam wurden 40 zusätzliche Mitarbeiter aufgenommen, weiters helfen 18 Soldaten. Gearbeitet wird rund um die Uhr in drei (statt bisher zwei) Schichten.

Grundsätzlich seien alle Produkte verfügbar, bei manchen, etwa Nudeln, ist das Sortiment allerdings kleiner. Was kurzfristig ausgefallen ist, seien allerdings Hefe und Haltbarmilch, „die Steirer backen offenbar vermehrt zu Hause selbst Brot“. Man versuche verstärkt, so viele Produkte wie möglich aus Österreich zu bekommen,. Ab nächster Woche sollen übrigens alle Kassiererinnen mittels Plexiglasabdeckung geschützt werden.

AMS: 14.700 neue Arbeitslose in einer Woche, ein Plus von 39 Prozent! Diese Bilanz zog Freitagabend der steirische AMS-Chef Karl-Heinz Snobe. Und das, obwohl die Arbeitslosenzahlen normalerweise im März sinken. Dazu kommt ein großes Problem: „Wir können fast nichts mehr vermitteln, ausgenommen sind nur der Lebensmittelhandel, die Post und Frächter.“

Der Ansturm auf das AMS war enorm. Am Montag gab es 45.000 Telefonanrufversuche in der Steiermark, bis Freitag sank die Zahl auf 8200. Die maximale Kapazität beträgt 6000 Anrufe am Tag. Was in der Steiermark besonders gut funktioniert hat: Verhältnismäßig wenig Kunden kamen direkt in die (mit Sicherheitspersonal gesicherten) Geschäftsstellen, am Donnerstag waren es gerade einmal 400.

Arbeiterkammer: In der Arbeiterkammer glühen die Telefone praktisch rund um die Uhr. 10.000 Anrufe wurden in dieser Woche von den steirischen Experten abgewickelt, 5000 E-Mails beantwortet. „Wir sind auch am Wochenende für alle Steirer erreichbar“, beontont Sprecher Marcel Pollauf. Am Freitag wurde erstmals eine Frau gekündigt, weil sie vor dem Virus Angst hatte und sich nicht arbeiten getraut hatte. Alle Infos rund um die Arbeitsstelle finden Sie übrigens unter jobundcorona.at.

Kreditschützer: Noch verzeichnen die steirischen Kreditschützer keinen Anstieg bei den Insolvenzanträgen. Allerdings wird mit einem massiven Plus in nächster Zeit gerechnet. Welche Branchen oder Firmengrößen besonders betroffen sein werden, lässt sich nicht abschätzen. Als besonders gefährdet gelten aber naturgemäß der Textilhandel, die Tourismuswirtschaft, die Gastronomie und alle Produktionsbetriebe, deren Produktionskette nun unterbrochen ist.

Jonke: „Wer die Krise übertauchen kann, hängt letztendlich von vielen Faktoren ab. Einer der wichtigsten: Wie war das Unternehmen bis zur Krise aufgestellt? Hat es genügend Rücklagen gebildet?“ Dass am Donnerstag von der Regierung beschlossen wurde, dass die Insolvenz-Antragspflicht von 60 auf 120 Tage erhöht wird, hält der Experte für äußerst sinnvoll.

Schulen: Es dominieren die leeren Klassenzimmer. Da der 18. März als Josefitag schulfrei war, erklärten 404 Schulen den Freitag zum schulautonomen freien Tag. Nur noch 64 Kinder wurden betreut - am Mittwoch waren es 186 Kinder (994 Lehrer waren im Dienst). Die meisten Lehrer versorgen die Schüler mittels digitaler Plattformen und Telefonkonferenzen.

Kindergärten: Laut Landesrätin Juliane Bogner-Strauß sind alle steirischen Kindergärten geöffnet, die Anzahl der betreuten Kinder ist aber gering, oft sind es nur ein bis zwei Kinder. „Wir bitten die Eltern um weitere Bezahlung der Elternbeiträge. Diese werden im Nachhinein für die Dauer der Schließtage vom Land refundiert“, so Bogner-Strauß.

Universitäten: Die Unis sind verwaist, Studenten und Personal arbeiten und lernen zuhause. An der Montanuniversität Leoben wurde von Rektor Wilfried Eichlseder eine „Task Force Lehre“ eingerichtet: Lehrveranstaltungen finden in einem virtuellen Raum statt, dort können unter anderem Fragen mittels Chat-Funktion gestellt werden, Lehrende können ihren Bildschirm „teilen“, Folien werden präsentiert und Rechnungen auf so genannten virtuellen White Boards aufgeschrieben. „Sowohl von den Lehrenden als auch von den Studierenden wird diese Möglichkeit der Fortsetzung des Lehrbetriebes erfreulicherweise sehr gut angenommen“, sagt Studiendekan Oskar Paris.

Ähnliches ist von der TU Graz zu hören. Ein Großteil der 200 Pflichtveranstaltungen wird elektronisch angeboten. Bei den durchgeführten Livestreams schauen im Durchschnitt 200 bis 400 Studenten zu, es werden täglich etwa 400 WebEx-Meetings abgehalten, und seit letzter Woche wurden über 500 Aufzeichnungen von Lehrenden umgesetzt.

Jegliche Arten von Prüfungen können an der TU Graz in digitaler Form stattfinden, wenn alle Beteiligten mit dieser Form der Prüfung einverstanden sind. Übungs- und Projektarbeitsabgaben werden auch digital durchführt, ebenso Rückmeldung und Bewertung der Abgaben. Der Präsenz-Prüfungsbetrieb wurde bis auf Weiteres eingestellt, unabhängig von der Zahl der Teilnehmenden und der Raumsituation.

Weitgehend eingestellt ist auch der Forschungsbetrieb. An den Standorten der TU Graz laufen zwar noch einige kritische Laborinfrastrukturen im Minimalbetrieb, die meisten Labore haben ihre Tätigkeit aber stillgelegt.

Und an der größten Universität der Steiermark, der Uni Graz? Auch hier laufe der digitale Lehrbetrieb zufriedenstellend. Stark genutzt werde die Austauschplattform Moodle, hier gibt es noch Kapazitäten. Es werden auch Video- und Audio-Dateien zur Verfügung gestellt, Live-Streams gibt es hingegen nicht. Auch der Prüfungsbetrieb bleibt digital so weit wie möglich aufrecht, das inkludiert auch Masterprüfungen und Rigorosen.

Energieversorgung: „In den Haushalten ist der Stromverbrauch durch Home Office etc. leicht gestiegen, durch die Einstellung einiger Industriebetriebe aber um zehn Prozent gesunken“, sagt Urs Harnik von der Energie Steiermark.

80 Prozent der dortigen Beschäftigten machen inzwischen Home Office, nur die Außendienstmitarbeiter sind weiterhin unterwegs: „Wir haben 30.000 Kilometer Strom- und 4000 Kilometer Gasleitungen. Die müssen gewartet und repariert werden. Dazu gibt’s Neuanschlüsse in allen Regionen.“ Zudem bereitet man Fachkräfte auf Einsätze in Bereichen vor, wo es Infizierte geben könnte.

Banken: Vor einer Woche wurden die Bankomaten gestürmt, die Situation hat sich laut Martin Schaller, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank, bereits Anfang der Woche „deutlich entspannt. Die Kunden haben gesehen, dass alle Bankservices funktionieren, sowohl die Bargeldversorgung als auch der Bankstellenbetrieb“.

Derzeit zeigt sich „ganz klar der Trend in Richtung Internetbanking und bargeldfreien Zahlungen“. Es gab zehntausende telefonische Kundengespräche in dieser Woche. Dabei geht es etwa um Überbrückungsfinanzierungen, Stundungen und wie die angekündigten Unterstützungen der Bundesregierung am besten genutzt werden können.

Auch Gerhard Fabisch, Vorstandsdirektor der Steiermärkischen Sparkasse, meint, dass sich die Situation in dieser Woche „wieder beruhigt“ hat, „die Behebungen bei unseren Bankomaten haben sich normalisiert. Auch die Verunsicherung in der Bevölkerung hat sich mittlerweile wieder gelegt.“

Die Steiermärkische empfiehlt aus „hygienischen Gründen auf Bargeld zu verzichten“, bargeldlose Zahlungsmethoden würden beim Eindämmen der Verbreitung des Coronavirus helfen. Alle Filialen sind geöffnet - aber: „Zum Schutz der Gesundheit unserer Kunden und unserer Mitarbeiter nutzen wir zur Zeit hauptsächlich digitale Kanäle zur Kommunikation mit unseren Kunden.“

Jakob Traby, Gerald Schwaiger, Christa Blümel,
Barbara Winkler, Michael Jakl, Burghard Enzinger

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