04.03.2020 11:39 |

Kampfansage vor WM

Red Bull tönt: Verstappen schneller als Hamilton

Seit 2005 ist Red Bull Racing in der Formel-1-Weltmeisterschaft dabei. Nach vier aufeinanderfolgenden WM-Doubles von 2010 bis 2013 mit Sebastian Vettel löste Mercedes die Österreicher mit Beginn der Hybrid-Ära 2014 als dominierendes Team ab. 2020 träumt Red Bull erstmals wieder vom Titel und hofft auf eine WM-Renaissance. Man sieht sich als erster Herausforderer der Silberpfeile.

Mehrere Gründe werden dafür ins Treffen geführt. Vor allem, dass die Regeln gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert blieben, stuft man als Vorteil ein. Noch nie in der ins siebente Jahr gehenden Turbo-Hybrid-Ära war Red Bull mit dem Auto so früh fertig wie diesmal. Die Fahrer-Paarung blieb mit Max Verstappen und Alex Albon gleich, zudem wird der Honda-Motor immer besser.

Keine PS-Überraschungen
Was den „Bullen“ noch in die Hände spielen sollte ist, dass der Internationale Motorsportverband FIA Ferrari nach den zwischenzeitlichen PS-Überraschungen im Vorjahr etwas an die Fuel-Flow-Kandare genommen hat. „Da waren Überholmanöver, da ist einem alles vergangen“, erinnerte sich Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko an den zunächst unerklärlichen PS-Schub bei den Italienern. Im Vorjahr habe man aber zu langsam darauf reagiert. Mittlerweile hat die FIA nach Protesten einiger Teams dem Ganzen zwar einen Riegel vorgeschoben, gegessen ist die Affäre aber nicht.

Mercedes ist für Marko trotz aller Hoffnungen WM-Favorit. „Sie haben die sechs letzten Weltmeisterschaften gewonnen, Lewis Hamilton ist in einem absoluten Hoch.“ Zudem sei Mercedes als Team „sehr, sehr stark“, auch in der Reifenauslegung. „Geholfen hat natürlich auch, dass es von vorne immer etwas einfacher ist.“

Keine klare Nummer-1
Entsprechenden Druck aufzubauen, könne aber viel ändern, ist Marko überzeugt. „Dann können wir hoffentlich mitmischen.“ Möglich sei es, „denn mit Honda haben wir erstmals eine nahezu gleichwertige Motorenleistung“. Ferrari dürfe man zwar nie abschreiben. „Sie sind immer schnell, aber nicht besonders kontinuierlich. Und wenn es regnet, ist automatisch Casino“, glaubt Marko. Dazu komme, dass es bei den Italienern keine klare Nummer-1-Regelung zwischen Sebastian Vettel und Charles Leclerc gebe.

Zusätzlich befeuert werden die Ambitionen bei Red Bull dadurch, dass Verstappen - wie Leclerc - letztmalig die Chance hat, jüngster Formel-1-Weltmeister der Geschichte zu werden. Ein erklärtes Ziel bei Red Bull seit dem Engagement des Niederländers.

Ein besonderes Jahr
2020 ist deshalb sowohl für Hamilton als auch Verstappen bzw. Leclerc ein besonderes Jahr. „Vor allem auf Lewis und Max liegt sehr viel Druck“, ist Marko bewusst. Für Hamilton spreche: „Er ist ein Naturtalent, sauschnell und hat Routine en masse. Er weiß genau, wie man eine WM gewinnt.“ Verstappen sei vermutlich der schnellste der drei Fahrer auf einer einzelnen Runde, verfüge mittlerweile auch über die nötige Routine und Reife. „Wir hoffen, das er mit dem Paket, das wir ihm hoffentlich bieten, ein ernstzunehmender Gegner werden kann.“

Leclerc hingegen habe im Vorjahr zwar „unglaublichen Speed“, aber auch Fehler gezeigt. Er glaube nicht, dass man das innerhalb einer Saison wieder ablegen könne, so Marko. Schwachstelle bei Hamilton könnte sein, „dass er, so dumm das klingt, in den letzten Jahren mehr oder weniger ohne Konkurrenz gefahren ist.“ Deshalb glaubt Marko, „dass heuer ein Zweikampf zwischen Hamilton und Verstappen stattfinden wird“.

Ähnlich sieht es auch Gerhard Berger. „Vom Talent her traue ich es Max absolut zu“, hält der Ex-Pilot große Stücke auf Verstappen. Und das, obwohl er Hamilton auf eine Stufe mit Ayrton Senna sehe, so der Tiroler Weggefährte des legendären Brasilianers. „Lewis ist eine Benchmark, die schwer zu knacken ist. Aber mit dem richtigen Motor und Auto kann Max richtig lästig werden.“

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