26.02.2020 07:26 |

Coronavirus in Tirol

Zwölf Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt

Nach der bestätigten Coronavirus-Erkrankung eines jungen Paares aus Italien sind die ersten Notfallmaßnahmen in Tirol angelaufen. Insgesamt 62 Personen in jenem Hotel, in dem die infizierte Italienerin arbeitet, wurden mittlerweile getestet. Neun von ihnen - allesamt Hotelmitarbeiter - wurden unter Quarantäne gestellt, so das Land am Mittwoch, ebenso drei weitere Personen aus dem engen sozialen Umfeld der Frau.

Umgehend nach dem Bekanntwerden wurden am Dienstag das Innsbrucker Luxushotel und die Wohnstätte des Paares vorübergehend abgeriegelt. Ebenso versuchten die Behörden, mögliche Kontaktpersonen der beiden 24-jährigen Italiener ausfindig zu machen und zu untersuchen. „Wir haben bei allen 62 getesteten Personen Untersuchungen und zur Sicherheit auch Abstrichproben vorgenommen. Zudem wurden alle Personen registriert und befragt sowie über die notwendigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen informiert“, erklärte Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber.

Alle 62 Getesteten wiesen einen guten Gesundheitszustand auf, hieß es. Jene neun, die unter Quarantäne gestellt wurden, hatten engen Kontakt zu der erkrankten Italienerin. Auch drei weitere Personen aus dem nahen sozialen Umfeld der Frau wurden unter Quarantäne gestellt.

Die neun Mitarbeiter befinden sich entweder in häuslicher Quarantäne oder in Einzelzimmern im Hotel. Jene Betroffenen, die alleine leben - bei denen eine Übertragung auf andere Personen in der Wohnung ausgeschlossen werden kann - dürfen zu Hause in Quarantäne bleiben. Jene, die nicht alleine leben, sind in Einzelzimmern im Hotel untergebracht, hieß es.

Isolierung polizeilich überwacht
„Für die zwölf Personen wurde eine Isolierung angeordnet, die zwei Wochen andauern muss und polizeilich überwacht wird. Zudem müssen die Personen für diesen Zeitraum laufend ihren Gesundheitszustand überprüfen“, so Landeshauptmann Günther Platter und Innenminister Karl Nehammer (beide ÖVP). Alle Personen seien von den Behörden umfassend über das weitere Prozedere informiert worden. Das Paar aus Italien befinde sich unterdessen weiter in einem guten Zustand, hieß es. „Sie sind beide nach wie vor fieberfrei und stabil“, so eine Sprecherin der Klinik. 

„Lange vorbereitete Maßnahmen in Kraft“
Noch am Dienstagabend war - wie berichtet - der Einsatzstab aller zuständigen Akteure im Innenministerium zusammengetreten. Laut Innenminister Nehammer besteht weiterhin kein Grund zur Panik. „Nun treten die lange vorbereiteten Maßnahmen in Kraft und werden sorgfältig abgearbeitet, um weiterhin die Sicherheit der Österreicher zu gewährleisten“, betonte der Minister. Das Hotel war am Dienstag in den späten Abendstunden wieder frei gegeben worden.

Einsatzstab tagt weiter
Mittwochfrüh tagte der Einsatzstab der Regierung erneut. Besprochen wurde das Vorgehen bei weiteren möglichen Abriegelungen, wie dies gerade in Tirol der Fall ist. Denn es sei davon auszugehen, dass weitere Abriegelungen nötig sein könnten, heißt es aus dem Kanzleramt. Es würden daher Vorkehrungen zu treffen sein für den Fall, dass es weitere positiv getestete Fälle in Österreich gebe.

„Macht Sinn, Kontaktpersonen zu isolieren“
„Wir können nur die Hoffnung haben, dass Europa mit einem blauen Auge davonkommt“, erklärte am Dienstag der ehemalige Sektionschef im Gesundheitsministerium, Hubert Hrabcik, vor der „Schweinegrippe“-Pandemie Leiter der Planungsarbeiten für den Notfall 2009/2010, zur aktuellen Situation rund um das neue Coronavirus. „Verglichen mit damals haben sich die Ablaufszenarien nicht wesentlich geändert“, erklärte er. Allerdings mache etwa die Lage schwierig, dass es gegen das neue Coronavirus keinen Impfstoff gibt.

Ein weiteres Problem: „Die Symptomatik einer Coronavirus-Erkrankung ist ,überdeckend‘ mit jener der saisonalen Grippe.“ Dadurch könnten Erkrankungen eben auch leicht übersehen werden, so Hrabcik. „Es macht aber Sinn - wie es jetzt in Österreich geschieht -, bei noch wenigen Fällen die Kontaktpersonen von Patienten zu finden und ebenfalls zu isolieren.“

„Ich spreche von einer Pandemie“
Grenzkontrollen etc. könnten das Virus nicht bremsen: „Am ehesten gelingt das mit Ausgangskontrollen. Da sind die Chinesen aber sehr dahinter. Grenzkontrollen (Eingangskontrollen; Anm.) bei uns können nur der Beruhigung der Bevölkerung dienen, dass ,etwas‘ geschieht“, meinte Hrabcik, der in Covid-19 eine neue Pandemie sieht. Bei Reisebeschränkungen müsse man, wenn man irgendeinen Effekt haben wolle, entschieden vorgehen: „Wenn man Reisebeschränkungen macht, muss man den Reiseverkehr stoppen.“ Das hätte dann natürlich die entsprechenden Auswirkungen.

Beim internationalen Reiseverkehr ergebe sich derzeit eine skurrile Situation, wie der Arzt erklärte: „Die westlichen Fluggesellschaften haben die Flüge nach China eingestellt. Aber die Air China fliegt weiterhin nach Europa.“

„Kann sich leicht bis in Sommer hinein ziehen“
Schnell werde die Welle an Coronavirus-Erkrankungen jedenfalls nicht vorüber sein, erklärte der Experte: „Analysen von Pandemien der letzten hundert Jahre haben gezeigt, dass da zumeist zwei ,Peaks‘ hintereinander auftreten. Hier kann man die Entwicklung wahrscheinlich ganz mit jener bei einer Influenza-Pandemie vergleichen. Das kann sich leicht bis in den Sommer hinein ziehen.“

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