16.07.2010 18:10 |

Sohn erschossen

Angeklagter beharrt im Mordprozess: "Es war Notwehr"

Wegen Mordes steht seit Freitag ein 63-Jähriger seit Freitag in Wiener Neustadt vor Gericht. Der Mann soll Anfang Februar im Haus der Familie in Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling) seinen Sohn erschossen haben. Der Angeklagte sprach von Notwehr, er sei "zu Tode erschrocken" gewesen, als sein Sohn mit der Waffe vor ihm stand. Der Prozess ist für zwei Tage anberaumt, der nächste Termin ist am 30. Juli angesetzt.

Fest steht bislang, dass das Verhältnis zwischen Alfred S. (63) und seinem 26-jährigen Sohn Klaus nicht das beste war. Aber wie schlecht es tatsächlich war, das ist die Kernfrage im Prozess.

2007 starb die Ehefrau und Mutter und vererbte große Teile des Besitzes der Familie dem Sohn. Die großen Differenzen begannen im Herbst 2009. Dabei ging es um Mieteinnahmen, die lange Zeit an den Vater überwiesen wurden und die plötzlich der Sohn für sich beanspruchte. Unberechtigt, wie Alfred S. meinte. Deshalb verlangte er, Klaus solle aus einer Wohnung ausziehen, die ihm, dem Vater, gehört. Auch sonst war er mit der Lebensweise seines Sohnes nicht zufrieden: "Das Studium hat er abgebrochen, gearbeitet hat er nix. Zuletzt hab ich sogar noch eine Polizeistrafe für ihn bezahlt."

Kaum Kontakt mit der Schwiegertochter
Vor allem dürfte der Vater nicht damit einverstanden gewesen sein, dass Klaus S. heiraten wollte. Mit der neuen Schwiegertochter, die ein Kind vom Sohn erwartete, gab es kaum Kontakt. Trotz allem beharrt der Angeklagte darauf: "Es gab Differenzen, aber gehasst habe ich Klaus nicht."

Im Gegenzug soll dieser wilde Drohungen ausgestoßen haben, berichtet Verteidiger Thomas Kralik: "Der Sohn hat einmal erwähnt, er würde dem Vater Leute vorbeischicken." Also einen Schlägertrupp. Deshalb hatte Alfred S. ständig eine Waffe bei sich. Nachts versteckte er diese griffbereit unter dem Kopfpolster.

Eskalation bei geplanter Aussprache
Am 2. Februar war eine Aussprache geplant. Gegen 18 Uhr kam Klaus S. ins Haus des Vaters nach Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling). Sein Vater hatte wieder den Revolver im Hosenbund stecken. Dann ging alles ganz schnell. Der Angeklagte vor Richter Daniel Popelka: "Ich stand Klaus gegenüber. Plötzlich hatte er eine Waffe in der Hand. Ich dachte, das ist eine meiner Pistolen. Ich war im Schock."

Und Alfred S. feuerte zwei tödliche Schüsse ab. "In Notwehr", wie er sagt. Eine Version, die Staatsanwalt Erich Habitzl dem Techniker nicht abnimmt, denn bei der Waffe handelte es sich um eine harmlose Softgun. Er und Opferanwalt Sebastian Lesigang glauben nämlich, dass die Tat lange geplant war. Denn nach der für Mitte Februar geplanten Hochzeit und spätestens nach der Geburt des Enkelkindes wäre der Immobilienbesitz in die neue Familie des Sohnes übergegangen.

Alfred S. konterte mit seiner Version: "Vielleicht wollte mich mein Sohn mit der Softgun nur erschrecken. Ich bin herzkrank." Was der Angeklagte damit sagen will: Vielleicht hoffte der Sohn, dass der Vater tot zusammenbricht.

Verlobte von Sohn fordert 10.000 Euro von Angeklagten
Als Privatbeteiligte schloss sich die hinterbliebene Lebensgefährtin des 26-Jährigen an. Ihr Rechtsvertreter führt an, dass das Paar zwei Wochen nach dem Mord heiraten hätte wollen. Er forderte einen symbolischen Betrag von 10.000 Euro für die erlittene Trauer.

von Peter Grotter (Kronen Zeitung) und noe.krone.at

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