05.02.2020 11:55 |

krone.at-Kolumne

Wer braucht heute noch ein Kreuz im Krankenzimmer?

Und täglich grüßt die Religionsdiskussion: Dass das Wiener Krankenhaus Nord die traditionellen Kreuze aus den Krankenzimmern verbannt, sorgt bei bekannter Klientel für vorhersehbare Schnappatmung. Dabei geht es bei dem Thema vielmehr um die verbundene Symbolik als um tatsächlich religiöse Werte. So viel Ehrlichkeit muss sein.

Gewiss, das Kreuz hat abgesehen seiner religiösen Bedeutung eine altehrwürdige Tradition. Ob im Gerichtssaal, in der Schulklasse oder im Krankenzimmer: Es steht nicht nur für die christlichen Werte unseres Landes, sondern auch für Hoffnung, Glauben und Heilung. Das Kreuz ist Teil Österreichs.

Dennoch ist die Aufregung um sein Fehlen in den Patientenzimmern im Krankenhaus Nord scheinheilig - während die Anzahl derer, die aus der Kirche austreten, kontinuierlich steigt, und die Kirchenbänke zunehmen verwaisen, mutet die tränenschwangere Diskussion über den bevorstehenden Untergang des Abendlandes in diesem Zusammenhang wenig glaubwürdig an. Religion lässt sich nämlich wohl kaum an einem Kreuz an der Wand festnageln.

Konsequenter wäre es, einfach alle religiösen Symbole zu verbannen
Was dennoch richtig ist, ist die Tatsache, dass die Debatte rund um offen zur Schau gestellte religiöse Symbole im Ungleichgewicht ist. Wer sich nämlich eine religionsneutrale Umgebung an öffentlichen Orten wünscht, muss selbigen Nüchternheitsanspruch auch für alle anderen Religionen fordern. Eine ehrliche Diskussion müsste also wenn schon dahin gehend geführt werden, ob nicht alle religiösen Symbole aus öffentlichen Einrichtungen verbannt werden sollen. Alles andere ist heuchlerisch.

Wenn der zuständige Krankenanstaltenverbund argumentiert, dass man mit dem Entschluss der kreuzfreien Patientenzimmer niemanden diskriminieren wolle, mag das zwar vielleicht auf den ersten Blick einleuchtend sein. Auf den zweiten stellt sich allerdings die Frage: Müsste dann in Krankenhäusern nicht auch ein rigoroses Kopftuchverbot gelten?

… dennoch ist es nicht diskriminierend, in Österreich ein Kreuz aufzuhängen
Wer nun einwendet, dass in einem christlich-jüdisch geprägten Land wie Österreich Kreuze schon alleine aus Traditionsgründen sehr wohl ihren Platz finden dürfen, hat auch einen Punkt. Für ein Land ist es keine Schande, zu seinen religiösen Wurzeln zu stehen und christliche Symbole in der Öffentlichkeit gegenüber anderen zu bevorzugen. Eine selbstbewusste Gesellschaft muss das aushalten, ohne an einer Diskriminierungsdebatte zu zerbrechen.

Sinnstiftender wäre es, eine Grundsatzdebatte darüber zu führen, ob und inwieweit Staat und Religion tatsächlich miteinander verwoben sein sollen. Das würde uns die immer wiederkehrenden Klein-Klein-Streitigkeiten rund um Kreuz, Kopftuch & Co. ein für alle Mal ersparen. Aber was wäre denn die Politik ohne ihre regelmäßige Symboldiskussion? Weit weniger emotionalisierend.

Katia Wagner, krone.at

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