24.01.2020 15:00 |

Anton Seeber

Der „Leitwolf“ auf der Kitzbüheler Streif

Die „Krone“ traf sich im Vorfeld des heurigen Kitzbühel-Wochenendes mit Anton Seeber, dem Direktor der Leitner Gruppe. Das Südtiroler Unternehmen mit Hauptsitz in Sterzing und Niederlassung in Telfs ist einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Seilbahntechnik.

Herr Seeber, mit Ihrer Unternehmensgruppe konnten Sie im Vorjahr erstmals die 1 Milliarde-Umsatzgrenze knacken. Geht sich dieses Ergebnis auch 2020 aus?
Ja, wir werden uns weiterhin oberhalb der 1 Milliarde-Grenze bewegen, aber für uns ist Umsatz stets nur eine der vielen Facetten und Kennzahlen, die es braucht, um ein Unternehmen erfolgreich und nachhaltig zu gestalten. Mir geht es vor allem darum, das Unternehmen zukunftsorientiert zu machen, Trends zu setzen und Entwicklungen zu erkennen, oder noch besser: sie vorweg zu nehmen. Als privates Unternehmen haben wir es nicht unbedingt nötig, mit hohen Umsatzzahlen zu beeindrucken.

Wie wollen Sie dann beeindrucken?
Mit unseren Lösungen und unseren Produkten. Denn das ist das, was unsere Kunden und deren Kunden direkt betrifft.

Wie hat sich der Mitarbeiterstand in den letzten 12 Monaten entwickelt?
Wir konnten im Vorjahr insgesamt 100 Personen zusätzlich anstellen und beschäftigen derzeit weltweit mehr als 3600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Was hat sich 2019 an den zwei Standorten Sterzing und Telfs getan?
In Telfs stoßen wir immer mehr an die Grenzen, was den Raumbedarf betrifft. Wir stellen dort sämtliche Klemmen für alle unsere kuppelbaren Anlagen und alle Sessel für die Sesselbahnen her. Zudem werden dort die Direktantriebe endgefertigt und auch die Generatoren für Leitwind und die Schneeerzeuger von DemacLenko produziert. Nicht zu vergessen, dass in Telfs das weltweite Ersatzteillager von Prinoth angesiedelt ist.

In Sterzing wurde in den letzten Monaten direkt neben den Prinoth- und Leitner-Produktionshallen der neue Hauptsitz von DemacLenko, unserem Beschneiungsexperten, errichtet. Gleichzeitig wurde massiv in die Erneuerung und Modernisierung der Anlagegüter bzw. Produktionsmaschinen unserer Unternehmensgruppe investiert.

Sie bauen immer mehr Bahnen im urbanen Bereich und auch außerhalb von Europa. Ist etwa gar das Ende der klassischen, skitouristischen Seilbahnen erreicht?
Die Seilbahnwirtschaft, und da vor allem die Tiroler Seilbahnwirtschaft, ist nach wie vor ein starker sowie verlässlicher Partner und guter Auftraggeber. Auch wenn es nahezu keine Neuerschließungen mehr gibt, pusht die Seilbahn-Branche bei Ersatzinvestitionen durchaus die Limits. So wie die neue Fleckalmbahn in Kitzbühel, die mit höchster Windstabilität und 7 Meter pro Sekunde eine einzigartige Geschwindigkeit für kuppelbare Einseilumlaufbahnen erreicht – die schnellste in Österreich. Die ergonomisch geformten Einzelsitze mit Volllederbezug sind mit Sitzheizung ausgestattet und als Weltneuheit auch im Lendenbereich mit Heizelementen versehen. Diese Bahn ist sicher ein Highlight des letzten Jahres.

Darüber hinaus haben wir im Zuge der Erneuerung der Dorfbahn in Serfaus neue Wagenzüge, eine modernste Luftkissentechnik sowie Steuerung und Antrieb dieser nach mehr als 30 Jahren immer noch richtungsweisenden alpinen U-Bahn liefern können.

Das Rennwochenende auf der Kitzbüheler Streif steht an – welchen Anteil haben Leitner ropeways, Prinoth und DemacLenko?
Heuer sind wir nicht nur mit unseren Bahnen von Leitner und den Beschneiungssystemen von DemacLenko mit dabei. Erstmals wird auch Prinoth mit dem Leitwolf an der Präparierung der wohl härtesten Abfahrtsstrecke des Skiweltcups beteiligt sein. Das freut mich ganz besonders. Man sieht, dass sich die Investitionen in Innovationen und unser konsequentes Qualitätsmanagement auch bei unserem Pistengeräte-Spezialisten Prinoth bezahlt machen.

Apropos Highlights: Was steht dieses Jahr in Österreich und Tirol noch an?
Wir werden voraussichtlich schon heuer in der Zillertalarena zwei Bahnen durch eine neue 8er-Sesselbahn und eine 10er-Kabinenbahn ersetzen und damit die Verbindung der Skigebiete Zell am Ziller und Gerlos komfortabler machen. Auf der Planai wird im Sommer mit dem Bau der neuen und hochmodernen 8er-Sesselbahn Lärchkogel begonnen. Weitere neue Anlagen stehen für dieses Jahr in Österreich im Gespräch.

Und international?
Da ist und bleibt die Liste lang (lacht). Aber um einige herauszugreifen, möchte ich die urbane Dreiseilumlaufbahn in Toulouse erwähnen, diese wird die erste urbane 3S-Bahn in Europa und eine wesentliche Erleichterung im innerstädtischen Verkehr bringen. Eine urbane Anlage wird auf La Reunion, einer Insel im Indischen Ozean, errichtet. Eine weitere Herausforderung stellt auch die zweite Sektion des Alpine Crossing von Zermatt nach Cervinia über das 3850 Meter hohe Kleine Matterhorn dar, die heuer in die zweite Umsetzungsphase geht – die Fertigstellung der 3S-Bahn ist für 2021 geplant. Damit schaffen wir den einzigen E-Mobilen Alpenübergang und ein touristisches Vorzeigeprojekt im Auftrag der Zermatt Bergbahnen AG.

In Mexico-City errichten wir den „Cablebus 2“, eine elf Kilometer lange Stadtseilbahn und in Medellin kommt heuer die 6. Stadtseilbahn. Und – last but not least – kommen auch die neuen Wagen der Standseilbahn auf den Tibidabo in Barcelona und die Kabinen eines gigantischen Riesenrads in Dubai von uns.

Sie setzen stark auf Design. Warum macht man das eigentlich? Man würde doch meinen, dass eine Seilbahn vor allem nur sicher, verlässlich und schnell sein muss.
Die Ansprüche unserer Partner und Kunden steigen von Jahr zu Jahr und da gehört es auch dazu, etwas Besonderes anbieten zu können. Wir konnten dazu bereits schon vor Jahren die weltbekannte Designerschmiede „Pininfarina“ mit ins Boot holen. Unsere und auch deren Kunden schätzen das sehr. Schön alleine, und da haben Sie recht, ist allerdings zu wenig. Die Anlagen müssen eben auch sicher, verlässlich und leistungsfähig und natürlich auch optimal zu warten sein.

Ihre Steuerung „LeitControl“ hat vor vier Jahren Maßstäbe gesetzt. Ebenso der Direktantrieb LEITNER DirectDrive, mit dem Ihnen ein Meilenstein im Seilbahnbau gelungen ist. Wie gehen Sie mit einem Zeitalter der Digitalisierung und des Internets in Ihrem Betrieb um?
Wir wollen und werden unsere Position als Innovationsführer ausbauen. Das gelingt nur, wenn man in die Zukunft schaut und Trends erkennt bzw. antizipiert. Dazu haben wir bereits letztes Jahr mit SKADII ein offenes Resort-Management-System vorgestellt, mit dem ein Seilbahnbetreiber sein gesamtes Skigebiet und dessen Anlagen über eine einzige Plattform überblicken und auch steuern kann - von der Beschneiung bis hin zu den Seilbahnen und Pistengeräten. Mit unseren Produkten wie zum Beispiel dem getriebelosen Antrieb, dem Leitner DirectDrive, oder den schadstoffarmen Pistenfahrzeugen von Prinoth und nun SKADII ist es unser Ansinnen, dem Skigebietsbetreiber eine möglichst effiziente, ressourcenschonende und vor allem umweltfreundliche Gestaltung und Führung seines eigenen Skigebietes zu erlauben.

Das System können auch Nicht-Leitner-Kunden nutzen. Warum das?
Es wäre kurzsichtig, eine derartige Plattform nur auf Anlagen und Geräte unserer Unternehmensgruppe zu limitieren. Es geht uns darum, dass unsere Kunden erfolgreich sind. Erinnern wir uns an die Anfänge der PCs, in denen sich ein Hersteller fast selbst vom Markt genommen hat, weil er die Quellcodes seiner Geräte nicht freigegeben hatte.

Sie haben vergangenes Jahr eine Kooperation mit dem Deutschen Energiekonzern E.ON abgeschlossen, in der es um Windräder und deren Errichtung ging. Wie ist da der Stand und wie läuft die Sparte Leitwind? Man müsste doch meinen, dass Windenergie boomt, oder?
Sie haben recht, Windenergie ist weltweit im Kommen. Nur leider nicht in der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino, wo jene, die als Klimaschützer unterwegs sein wollen, einen Windpark am Sattelberg am Brenner verhindert haben und auch noch stolz darauf sind.

Wo, wenn nicht bei uns, werden 2020 Leitwind-Generatoren errichtet?
Wir dürfen heuer unter anderem auf Guadalupe, in Griechenland, in Frankreich, in Italien und in Deutschland im Rahmen unserer Kooperation mit E.ON Leitwind Anlagen errichten. Aber es gilt auch, unserer Verantwortung im eigenen Einzugsbereich nachzukommen. Denn es kann ja nicht sein, dass jeder von Klimakrisen und Klimanotstand redet, aber sich bei zukunftsweisenden Vorhaben sofort eine Front an Gegnern - genau aus dem Lager jener, die an sich Verfechter von grüner Energie sein sollten - bildet. Das könnte man als durchaus scheinheilig bezeichnen.

Markus Gassler
Markus Gassler
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