20.01.2020 13:23 |

Streit um Finanzierung

Nach Kritik von Johnson: BBC-Boss tritt ab

Der Generaldirektor des britischen Rundfunks BBC tritt zurück. Er wolle im Sommer den Weg frei für eine neue Person machen, die mit der Regierung über die Zukunft des Senders verhandeln werde, teilte Tony Hall am Montag mit. Premierminister Boris Johnson hatte zuletzt immer wieder scharfe Kritik an dem Finanzierungsmodell der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt geübt.

Hall verwies am Montag in einem Schreiben an die Belegschaft auf die neuen Verhandlungen des Senders über die gesetzliche Grundlage für das öffentlich-rechtliche Fernseh- und Rundfunksystem der Insel, der sogenannten Charta, die auch die Rahmenbedingungen für die Finanzierung stellt. Im Regelfall muss alle zehn Jahre über sie entschieden werden. Eine Zwischenprüfung steht 2022 an, die Charta läuft dann 2027 aus. 

„Ich liebe die BBC“
Hall, der 2012 zum BBC-Generaldirektor ernannt wurde, sollte beide Verhandlungsphasen überwachen. Beides, so der Medienmanager, soll jetzt ebenfalls von derselben Hand geführt werden. Das Interesse der Organisation müsse an erster Stelle stehen, betonte der 68-Jährige. Seine nunmehrige Entscheidung sei ihm schwergefallen: „Ich liebe die BBC. Würde ich meinem Herzen folgen, dann würde ich niemals gehen wollen.“

Vorwurf der Parteilichkeit zurückgewiesen
Die Beziehung zwischen Johnsons Konservativen und der BBC gestaltet sich schon lange schwierig, weil sich der Premier weigerte, an Debatten und Interviews des Senders teilzunehmen. Johnson warf dem Rundfunk auch eine zu Brexit-kritische Berichterstattung vor. Hall wies dies stets vehement zurück betonte immer die politische Unabhängigkeit der BBC. „In einer Ära gefälschter Nachrichten bleiben wir der Goldstandard für Unparteilichkeit und Wahrheit“, heißt es in seinem Brief an die Belegschaft.

Rundfunkgebühren als Zankapfel
Johnson hatte im Wahlkampf zudem das Finanzierungsmodell der BBC infrage gestellt. Er habe zwar keine Pläne, die Rundfunkgebühren vollständig abzuschaffen, sagte er damals - aber man müsse sich fragen, ob diese Art der Finanzierung langfristig Sinn habe. Die BBC finanziert sich zu 75 Prozent aus den Gebühreneinnahmen, was rund 3,7 Milliarden Pfund (rund 4,35 Milliarden Euro) im Jahr entspricht. Den Rest steuert der Verkauf von Fernsehproduktionen bei. Werbung, wie sie bei anderen Sendern geschaltet wird, ist streng reguliert, damit die Anstalt nicht ihre staatlich zugewiesene Neutralität riskiert. Die BBC erreicht jede Woche mehr als 420 Millionen Menschen weltweit.

Suche nach „bestqualifizierten“ Nachfolger
In den kommenden Wochen werde sich der Sender auf die Suche nach einem Nachfolger für Hall machen, sagte BBC-Präsident David Clementi am Montag. „Wir wollen den bestqualifizierten Kandidaten für die Stelle auswählen“, so der Aufsichtsratsvorsitzende. Clementi lobte Hall als „inspirierende und kreative Führungspersönlichkeit, sowohl innerhalb des Vereinigten Königreichs wie auch weltweit“. Die BBC könne sich glücklich schätzen, ihn in den vergangenen sieben Jahren als Generaldirektor gehabt zu haben.

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