03.07.2010 15:01 |

Anrainer besorgt

Kraftwerk Tumpen: 'Wir haben Angst um unsere Existenz'

Ein Kraftwerksprojekt mit einem Stausee im Siedlungsgebiet treibt im Ötztal die Anrainer auf die Barrikaden: Sie haben Angst, bei einem Hochwasser davonzuschwimmen, aber auch vor Kratern in der Erde, wenn bei Bauarbeiten das sensible geologische Gleichgewicht gestört wird: "Wir haben Angst um unsere Existenz!"

Gleich zwei Kraftwerksprojekte sind an der Ötztaler Ache im Umhausener Weiler Tumpen geplant: Die ÖBB wollen oberhalb der Achstürze das Wasser abzweigen und in einem Stollen zum Inn bei Stams leiten, wo das Krafthaus steht. "Momentan werden die wesentlichen Anlagenteile des Kraftwerkes geplant", sagt ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel. Das Investitionsvolumen: 200 Millionen Euro. Nur ein Viertel davon, nämlich 50 Millionen Euro, kostet das Gemeinschaftsprojekt von Umhausen und Oetz gemeinsam mit Tiwag und der "Auer-Wasserkraft", ebenfalls in Tumpen. "Wir stecken mitten im wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren", berichtet der Umhausener Bürgermeister Jakob Wolf (ÖVP).

Anrainer fühlen sich von Projekt bedroht
In dieser Phase beginnen nun die Anrainer, gegen das Projekt mobil zu machen: Denn sie fühlen sich durch den Staubereich in Sichtweite ihrer Häuser massiv bedroht: "Wir sind nicht gegen Wasserkraft, aber es muss eine Alternative geben ohne Stau. Der ist das Problem", berichtet Alfred Kuen bei einem Lokalaugenschein.

"Gibt's noch einen Ort mit einem Staubecken mitten im Ort? Und noch dazu im flachsten Teil des Ötztales in einer geologisch äußerst sensiblen Zone", ergänzt Engelhard Klotz. "Wenn bei Hochwasser die Klappen (Anm.: Ca. 4 Meter hohe umklappbare Staumauer) versagen, schwimmt ganz Tumpen und wir sind die ersten, die betroffen sind. Ich bin oft genug abgesoffen, ich will das nicht noch einmal erleben. Wir haben Sorge um die Anwesen unserer Kinder und Enkelkinder!"

Region ist geologisch schwierig
Eine weitere Unwägbarkeit sei der stark schwankende Grundwasserspiegel und die sporadisch auftretenden "Erdfälle": Diese Krater in der Erde entstehen durch unterirdische Luft- bzw. Eisblasen, die nach oben wandern und die schon etliche Häuser schwer beschädigt haben. "Der Großteil dieser Ereignisse ist auf Flussbaumaßnahmen zurückzuführen", schreibt Univ.-Prof. Patzelt in einem Gutachten.

"Wir bauen ganz sicher kein Kraftwerk, bei dem Ortsteile gefährdet werden", versucht Bürgermeister Jakob Wolf zu beruhigen.

von Philipp Neuner, Tiroler Krone

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