12.01.2020 10:38 |

Aus Flachs wird Leinen

Volkskultur: Nach dem Feiern surrt s‘Spinnradl

Bevor Baumwolle und Kunstfasern den Markt überschwemmten, wurde das ganze Jahr über mit Flachs gearbeitet. Das Landesmuseum macht damit weiter. Nach dem Brecheln und Hecheln ist nun Zeit zum Spinnen.

In Leinen oder Wolle kleideten sich die Menschen bis zum Import von Baumwolle. Um Leinen zu haben, mussten die Bauern Flachs anbauen. Das Spinnen der Pflanzenfasern war eine typische Winterarbeit. Nach den Feiertagen holten die Frauen die Spinnräder wieder hervor - vor allem zu Weihnachten hatte ja keines umherstehen dürfen. Peter Rosegger lässt in seinen Büchern an solchen Erinnerungen teilhaben, erzählt von Knechten, die Leuchtspäne schnitzten, und von Frauen, die Wolle und Flachs spannen, von alten Märchen, die erzählt wurden, und von geistlichen Liedern, die an solchen Abenden erklangen, während er als Bub auf dem Schemel am Ofen saß.

Das Landesmuseum für Kärnten lässt Flachsanbau und -verarbeitung nicht in Vergessenheit geraten: In Gablern bei Eberndorf bauen die Abteilungen Kulturvermittlung unter Roland Bäck und Volkskunde unter Heimo Schinnerl Flachs an.

Lein blüht himmelblau
Im März, April wird die Leinsaat ausgebracht. „Lein blüht himmelblau und ist heute schon ein seltener Anblick auf den Feldern geworden“, bedauert Bäck. Im späten August oder frühen September wird der Flachs händisch und samt Wurzel „ausgerauft“ und zum Trocknen zu Garben gebunden. Später werden die Samenkapseln mit einem „Riffel“, einem eisernen Kamm, der auf einer Arbeitsbank befestigt ist, abgetrennt.

Im Winter wird mit der „Brechel“ gebrochen
Das Flachsstroh wird der Witterung ausgesetzt, denn erst dadurch zersetzen sich die Pflanzenleimschichten. Danach kommt das Stroh zum Trocknen unters Dach. Erst im Winter wird es mit einer „Brechel“ gebrochen. Die Arbeit war anstrengend, bot aber Gelegenheit zum Tratschen, worüber sogar Lieder gereimt wurden: „Was das ganze Jahr verschwiegen bleibt, kimmt auf zur heiligen Brechlzeit“, hieß es im Metnitztal.

Klopfen, bürsten, kochen
Die Eisennadeln der „Hechel“, trennen den Bast von der Pflanzenfaser. „Kurze Fasern wurden als ,Werg‘ aussortiert, lange der Größe nach sortiert und in Ballen gebunden“, beschreibt Bäck in Rudolfinum 2018, der Zeitschrift des Landesmuseums: „Reiner Flachs, im Volksmund auch ,Haar‘ genannt, ist weich, glänzend und sehr feinsträhnig. Für das Verspinnen zu Garn muss dieser allerdings noch geklopft, gebürstet und mit Pottasche in heißem Wasser gekocht werden, um fette und Öle abzuscheiden. Die fertige ,Leinwand‘ war ein hochgeschätztes Textilgewebe, aus dem Hemden, Bettzeug, Tischwäsche, Kleider, Waffenröcke, Satteldecken, Hutbezüge und mehr gefertigt wurden.“

In Kärnten bauten die Bauern Flachs für den Eigenbedarf an, seit Maria Theresia wurde aber über die Umstellung auf eine Manufaktur diskutiert. Doch die Idee setzte sich nur mancherorts durch, wie in Friesach, wo in „Flachsröste und Leinenweberei“ bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein produziert wurde. Andernorts mussten die Bauern das Rohmaterial günstig an Händler abgeben.

Die Baumwolle hat zwar die Kleiderschränke erobert, doch die Flachsverarbeitung bleibt durch das Landesmuseum auch in Workshops im Freilichtmuseum in Maria Saal ein spannendes Thema.

Christina Natascha Kogler
Christina Natascha Kogler
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