11.01.2020 12:40 |

Kurt Bracharz (†)

Abschied vom Unbeugsamen

Der Vorarlberger Autor Kurt Bracharz verstarb am 6. Jänner, er hatte schon seit längerem gesundheitliche Probleme. Bracharz war nicht einfach nur Schriftsteller, er war Kult. Bekannt war er - unter anderem - für seine Krimis und seine kulinarischen Empfehlungen oder auch Verteufelungen. Seine Stimme wird fehlen.

Kurt Bracharz’ Laufbahn begann durchaus konventionell: Er arbeite erst bei einer Bank, dann beim Bezirksgericht Bregenz und schließlich als Lehrer in der Berufsschule Dornbirn. Bei der täglichen Zugfahrt traf er auch auf den späteren Künstler Paul Renner. Aus den gemeinsamen Interessen entwickelte sich rasch eine Freundschaft, die lebenslang halten sollte. Später wurde Bracharz Journalist und arbeitete sowohl für den ORF als auch für die Kronenzeitung.

Seine eigentliche Profession war aber die Literatur. Mit seinen Krimis wie „Höllenengel“ oder „Pappkameraden“ fand er eine begeisterte Leserschaft. Auch die Kritik war von seinen Büchern angetan. Im Jahre 1991 erhielt er den Deutschen Krimipreis. Bracharz war aber nicht nur für seine Kriminalliteratur bekannt, er verfasste ebenso Kinderbücher und gastrosophische Artikel. 1998 nahm er am renommierten „Ingeborg Bachmann Wettbewerb“ in Klagenfurt teil.

In den Genuss von Bracharz-Texten kamen aber auch Zeitungsleser. Seine Restaurantkritiken waren legendär. Wer von ihm gelobt wurde, hatte damit schon eine Auszeichnung in der Tasche. Wer allerdings enttäuschte, den ließ Bracharz das ebenso spüren.

Paul Renner nennt den 68-er seinen „Mentor“. Er sei ein Unbeugsamer gewesen, der mit Ironie und Zynismus arbeitete - was der Vorarlberger Gesellschaft überaus gut getan hätte.

Der Nabokov-Verehrer lebte nicht allein. Neben seiner Frau Ingrid teilte er sich die Wohnung mit Tonnen von Büchern. Ein immer kritischer Mann, dem man nichts vormachen konnte und der schon vor dem Zeitalter des Internets einfach alles wusste. Auch, in welchem Laden in Shanghai man die besten Lebensmittel bekam. „Er war der scharfsinnigste Denker der letzten 45 Jahre in Vorarlberg“, sagt Renner. Kurt Bracharz wird fehlen.

Angelika Drnek

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