10.01.2020 12:03 |

Beginn am Montag

Prozess gegen mutmaßliche Mörderinnen beginnt

Eine ermordete Frau, abgebrannte Häuser und viele abgezockte Betrugsopfer: Montag startet endlich der Prozess gegen okkulte Villacher Bande. Margit T. und Barbara H. stehen als mutmaßliche Mörderinnen vor Gericht.

Nur selten nehmen am Klagenfurter Landesgericht Frauen als mutmaßliche Mörderinnen auf der Anklagebank Platz. Diesmal sind es sogar zwei, denen ab Montag wegen Mordes der Prozess gemacht wird, eine dritte Komplizin soll nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Wer sind diese Frauen, denen lebenslange Haft sowie aufgrund ihrer Gefährlichkeit überdies auch die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher droht?

Margit T. steht knapp vor ihrem 49. Geburtstag, ist verheiratet und Mutter. Sie war jahrelang als Energetikerin tätig, ehe es 2011 Vorwürfe wegen schweren Betruges gab. Sie wurde letztlich auch zu 33 Monaten teilbedingter Haft verurteilt, weil sie mehreren Bekannten durch Vortäuschung von hellseherischen Fähigkeiten sowie schwerwiegenden Erkrankungen hohe Geldbeträge herausgelockt hatte.

Auch die Zeit hinter Gittern dürfte T. nicht geläutert haben - sie blieb bei ihrer Masche, bot gutgläubigen Kunden, großteils Frauen, spirituellen Beistand an und kassierte dafür Hunderttausende Euro: „Sie hatte einen starren Blick, sprach mit ganz anderer Stimme und sagte, sie würde Botschaften von oben bekommen“, schilderte eine Zeugin. „Von oben“ kamen vermeintlich sogar SMS, die dann in Versalien geschrieben wurden. Der Inhalt war meist negativ: Der Weltuntergang stünde in diversen Formen bevor - nur Auserwählte könnten sich quasi freikaufen, mit hohen Geldbeträgen, die in Kuverts übergeben werden müssten.

Auch in Barbara H., einer arbeitslosen Mutter, die zum Prozessstart ihren 45. Geburtstag in der Zelle begeht, fand T. mit ihrem okkulten Treiben eine begeisterte Jüngerin - H. soll ihr hörig gewesen sein, heißt es. Diese Abhängigkeit geht so weit, dass H. im Auftrag von T. eine Villacher Pensionistin ermordet haben soll. Gertraud P. (72) hätte eine besonders schlechte Energie - diese könne nur durch den Tod gereinigt werden. H. gehorchte und, so schildert Staatsanwältin Bettina Dumpelnik in ihrer Anklage, erwürgte die 72-Jährige, um ihr Schmuck und Bargeld zu stehlen.

„Schlechte Energien“ hätte es auch rund um Wernberg zu beseitigen gegolten: T., H. sowie eine Komplizin hätten Häuser abgefackelt - erneut „zur Reinigung“, ehe die Drau über die Ufer treten würde. Die Ermittlungen ergaben ein profanes Motiv: T. war verschuldet und soll eine Brandstiftung in ihrem Haus geplant haben, um die hohe Versicherungssumme zu kassieren. Ein inszenierter Feuerteufel sollte davon wohl ablenken.

Wie die Angeklagten den Geschworenen und Richter Dietmar Wassertheurer ihre Taten erklären werden, wird spannend. Denn T. streitet eine Beteiligung am Mordkomplott bisher ab, während H. behauptet, „in Trance“ gehandelt zu haben und damit just nur zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig gewesen zu sein.

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Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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