09.01.2020 14:47 |

International gesucht

Wiener „Bonnie & Clyde“ stellten sich der Polizei

Es ist eine wilde Geschichte. „Bonnie & Clyde“, nur ohne Morde. Und die Protagonisten heißen Maja und Miki. Eine Metapher freilich, doch recht passend, wie der Anwalt jenes Pärchens befindet, das zur internationalen Fahndung ausgeschrieben war. Und sich nun in Wien gestellt hat.

Es geht um Scheckbetrug in großem Stil. Ein Pärchen aus Wien wurde Teil eines Ringes, der sich auf diese Disziplin spezialisiert hatte. Maja M., 33, und ihr Ehemann Miki M., 35, seien in diese Geschichte hineingezogen worden, über Bekannte. „Die haben das schon vorher gemacht und gemeint, dass man so viel Geld verdienen kann. Man hat es uns schmackhaft gemacht“, gibt das Pärchen bei der Polizeistation im 3. Bezirk zu Protokoll.

Ein bitterer Beigeschmack für die Erste Bank, die Geschädigte in diesem verbotenen Spiel. Es geht um Zehntausende Euro. Wie das funktionierte? Es wurden nicht gedeckte Schecks ausgestellt, zum Teil unterschrieben von M&M. Eingelöst wurden sie dann von den Hintermännern, nach denen nach wie vor gefahndet wird. Möglicherweise nicht mehr lange. Denn Maja & Miki, die sich vor Monaten in die Schweiz abgesetzt haben („Geflohen sind wir nicht, es hat sich so ergeben. Außerdem haben wir nicht damit gerechnet, dass wir erwischt werden“), sind nach Wien zurück und haben umfassend ausgepackt. Auch über die Hintermänner und wo diese zu finden seien.

Internationale Fahndung
„Eine Verurteilung wird es dennoch geben. Hoffentlich nur eine bedingte Strafe. Schließlich haben sie alles dargelegt“, sagt der renommierte Strafrechtsverteidiger Florian Höllwarth, der es geschafft hat, trotz internationaler Fahndung eine U-Haft seiner Klienten zu vermeiden. „Das war nicht einfach und es hat auch viel Überzeugungsarbeit gebraucht, sie zum Geständnis zu bewegen. Es ist ein großer Erfolg, dass sie auf freiem Fuß bleiben.“ Maßgeblich beteiligt bei der Überzeugungsarbeit war vor allem Höllwarths Assistentin Ingrid Laudon. Sie spricht sechs Sprachen fließend und hat Miki und Maja und ihre Familie behutsam begleitet.

Die wahrscheinlich einzige Alternative wäre eher nicht erbaulich gewesen. Ab ins Gefängnis, zumindest vorübergehend. Schließlich geht es um den Verdacht des schweren Betrugs. Dies umso schlimmer, als das Ehepaar drei gemeinsame Kinder zu betreuen hat. Fünf, zwölf und 16 Jahre alt. Sie sind in der Schweiz. Und warten auf ihre Eltern. Sie warten nicht vergebens. „Wir fahren sofort zurück zu ihnen. Zum Glück sind wir nicht verhaftet worden. Wir sind sehr dankbar“, sagen Mario und Maja nach ihren Geständnissen.

Schaden wird beglichen
Und sie zeigen sich reuig und einsichtig. Den Schaden, den sie persönlich verursacht haben (knapp mehr als 6000 Euro), werden sie begleichen. Anwalt Höllwarth hat das Geld schon in Verwahrung. Wie geht es weiter? Miki, ein gelernter Gleisbauer, und Maja, Assistentin im medizinischen Bereich, wollen wieder ihren eigentlichen Berufen nachgehen. Ohne Bankgeheimnisse. Sie sagen: „Wir haben Blödsinn gemacht. Und werden das sicher nie wieder tun.“

Erich Vogl, Kronen Zeitung

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