01.01.2020 06:00 |

„Freue mich auf 2020“

Bäcker saß monatelang unschuldig in U-Haft

2019 war für einen 36-jährigen Bäcker ein „Horror-Jahr“. Monatelang saß William R. unter dem Verdacht des zweifachen Mordversuchs in Wien in der Justizanstalt Josefstadt in U-Haft. Schuldlos - wie letztlich in einem Gerichtsprozess festgestellt wurde. „2020“, sagt der Mann jetzt im „Krone“-Interview, „kann nur besser werden.“

Es war am 17. November 2018. In einer Veranstaltungshalle in Wien-Liesing fand die Weihnachtsfeier der Firma, für die William R. arbeitete, statt.

„Die Stimmung“, erinnert sich der gebürtige Philippino, „war gut. Und irgendwann begleitete ich Kollegen nach draußen, weil sie rauchen wollten.“ Gäste von einem Tauffest in einem Nachbargebäude standen ebenfalls im Freien. „Und dann kam es, ich weiß nicht warum, zu einem Streit.“

„Wollte weg von diesem Ort des Schreckens“
Letztlich lagen zwei Männer mit Stichwunden am Boden. „Ich wollte nur noch weg von diesem Ort des Schreckens, deshalb bin ich davongelaufen.“

William R. geriet dadurch unter Tatverdacht. Es folgten Verhöre mit einem Dolmetscher, der - wie mittlerweile klar ist - schwere Übersetzungsfehler machte. Fazit: Der vierfache Familienvater kam in U-Haft.

„Glaube an Gott half mir, Gefängnis zu überstehen“
„Mein tiefer Glaube an Gott“, sagt er, „half mir, die Zeit im Gefängnis zu überstehen.“ Seine Frau, die Kinder, „sie hielten immer zu mir. Genauso wie mein Chef. Denn sie alle wussten, dass ich kein Verbrecher bin.“

Im Mai übernahm Astrid Wagner die Verteidigung des Bäckers, sie erwirkte eine neuerliche Einvernahme mit ihm. Dabei entstanden erste Zweifel an seiner Schuld.

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Mein Klient wäre beinahe Opfer eines fürchterlichen Justizirrtums geworden. Im schlimmsten Fall hätte er zu lebenslanger Haft verurteilt werden können.

Anwältin Astrid Wagner

Bei seinem Prozess im September bekam er einen Freispruch. Sein Jetzt? „Ich führe wieder mein altes Leben. Und bin glücklich.“ Die Anwältin: „Mein Klient wäre beinahe Opfer eines fürchterlichen Justizirrtums geworden. Im schlimmsten Fall hätte er zu lebenslanger Haft verurteilt werden können.“

Der wahre Täter konnte übrigens bis dato nicht ausgeforscht werden.

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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