22.12.2019 16:20 |

Cirque Noël in Graz:

Diese Bahnreise endet im Schwebezustand

Für viele steirische Familien gehört der Besuch bei Cirque Noël zu Weihnachten wie Christbaum und Kekse. Heuer stehen bis 5. Januar insgesamt drei Produktionen auf dem Programm - mit der poetischen Zugreise „Passagers“ der franko-kanadischen Truppe The 7 Fingers ist man erstmals in der Grazer Stadthalle zu Gast.

Durch einen Christbaumwald mit einer Selfie-würdigen Bushaltestelle führt der Weg den Besucher ins neue Theater in der Grazer Stadthalle. Doch wenn man dort Platz genommen hat - die Tribünenkonstruktion bietet sehr gute Sicht von allen Plätzen -, fängt die Reise eigentlich erst richtig an.

Einatmen, ausatmen, aufbrechen
Es ist ein melancholischer Trip auf den das Publikum in „Passagers“ mitgenommen wird. Nicht nur das Zugabteil, in dem die acht Darsteller aufeinander treffen, erinnert an gute alte Zeiten, die es in der Form wohl nur in der Fantasie gegeben hat. Auch die Musik, die das Stück durchzieht (großteils vom Band, zwei Nummern singen Akrobatinnen live) ist ein fantastischer Mix aus Gestrigem (jazziger Retro-R’n’B) und Heutigem (Indie-Elektro-Pop).

Während die Welt also am Zugfenster vorbeizieht, ziehen darin die Reisenden aneinander vorbei. Für kurze Momente berühren sich ihre Leben, überschneiden sich ihre Sehnsüchte - all das in Form von atemberaubender Zirkuskunst: Seiltanz und Jonglage, Hula Hoop und Vertikaltuchakrobatik (Aerial Silk), Stangenakrobatik und Trapezkunst verschmelzen mit der Musik und gesprochenen Einwürfen zu einem poetischen Ganzen.

Tolles Gesamtkonzept
The 7 Fingers suchen in „Passagers“ nicht die offensichtlich spektakulären Momente, sondern versuchen mit der Zirkuskunst kreativ umzugehen und sie bestmöglich in ein Gesamtkonzept zu verflechten, das einen Schwebezustand zwischen Abreisen und Ankommen beschreibt. Sogar die Umbaupausen werden dabei zu kunstvollen Momenten, die bis ins kleinste Detail durchchoreografiert und an das Sounddesign angepasst sind.

Denn alles fließt, alles ist in Bewegung in der magischen Welt, die heraufbeschworen wird. Sogar die Zeit dehnt sich dabei wie die Körperteile einer Verrenkungskünstlerin. Und am Ende ist man sich nicht sicher, ob diese Produktion nun 90 Minuten gedauert hat, oder nur einen Atemzug: einatmen, ausatmen, ankommen.

Bei der Premiere gab es Standing Ovations.

Zu sehen bis 2. Jänner - alle Infos hier.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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