29.11.2019 07:23 |

Mordfall Irene

Der Schuldspruch fiel in den späten Abendstunden

Bis in die Abendstunden berieten die acht Geschworenen im Mordprozess um Irene P.: Kurz vor 22 Uhr war es soweit - Urteilsverkündung! Sowohl David (18) als auch Christian (19) wurden des Mordes schuldig gesprochen. David, der Schütze, bekam 10 Jahre Haft. Christian, der Helfer, fasste 12 Jahre aus. Die Pinzgauer müssen nach der Haft in die Anstalt. Urteile sind nicht rechtskräftig.

„David, sag bitte die Wahrheit“, schrie Christian mit tränenverschmiertem Gesicht als die Justizwachebeamten ihn abführten. Es war der letzte Moment bevor sich die Geschworenen zurückzogen – zum zweiten Mal. Eigentlich hatte die Urteilsberatung samt Rechtsbelehrung um 9 Uhr morgens begonnen. Doch um 11 Uhr erreichte das Gericht ein Anruf. Christians Verteidiger Robert Morianz brachte einen Überraschungszeugen ins Spiel. Einer, der seinen Mandanten entlasten könnte. Ein Angestellter des Jugendamtes Zell am See hatte den Advokaten von der Erzählung eines Zeugen berichtet – ein Mithäftling der Angeklagten: Demnach soll David im Auftrag eines Drogendealers Irene getötet haben. Daraufhin hat das Geschworenengericht zur Zeugeneinvernahme gebeten. Richterin Bettina Maxones-Kurkowski eröffnete gegen 14 Uhr wieder das Beweisverfahren. Der Überraschungszeuge überraschte dann gleich ein zweites Mal: „David hat erzählt, dass Christian ihn dazu gedrängt hat.“

Zweite Plädoyer-Runde für Staatsanwalt und Anwälte

Also doch keine Rede von einem Drogen-Mord: Statt Christian zu entlasten, belastete ihn der Zeuge. Die Juristen durften ein zweites Mal plädieren: Staatsanwalt Marcus Neher zerpflückte die Motiv-Theorie von Morianz, sprach belastende Indizien gegen Christian an. „Noch nie habe ich das erlebt“, sprach Opfer-Anwalt Stefan Rieder den beispiellosen Vorgang zuvor an. „Es war der letzte verzweifelte Versuch, noch hier rauszukommen“, machte Rieder sogar Vorwürfe gegen Christians Eltern laut.

Ein emotionaler Ausbruch

Ab da kochten die Emotionen über: Lautstark beschwerten sich die Eltern, handelten sich deswegen einen Ordnungsruf ein. „Ich verstehe, dass man nach jedem Strohhalm greift“, meinte Davids Verteidiger Michael Ringl pointiert.Christians Verteidiger dagegen versuchte es mit der Brechstange - laut und angriffig: „Draußen läuft der wahre Auftragskiller herum“, ortete Morianz einen Suchtgift-Hintergrund. Es bleiben „massive Zweifel“, forderte er einen Freispruch.

David verzichtete auf Schlussworte. Anders als Christian, der über den ganzen Prozess hin gelassen und ruhig, fast abgeklärt wirkte. Doch am Ende gab er sich den Emotionen hin.

Zitat Icon

Es ist eine Frechheit. Ich hucke seit Jänner in diesem Scheißhäfn. Ich darf Tabletten essen und der da hinten lügt. Es geht um mein Leben, verflucht.

Die emotionalen Schlusworte von Christian (19)

Zitternd nahmen beide die Urteile auf. „Ich verstehe nichts mehr“, meinte noch Christian.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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