24.11.2019 06:00 |

Legendäres Foto-Archiv

Die „Krone“ zu Gast bei „National Geographic“

Im Jahr 1888 gründete eine 33-köpfige Herrenrunde eine Gesellschaft, die sich ganz der Verbreitung geografischen Wissens verschrieben hat. Das Magazin der National Geographic Society ist legendär - allen voran die Fotografien, die das Schöne auf unserem Planeten in den Mittelpunkt rücken. Nun durfte die „Krone“ einen Blick in das umfassende Foto-Archiv werfen.

Ein mächtiger Gebäudekomplex an der 17. Straße in Washington, D.C. Beton, Glas, architektonisch außen wie innen recht unscheinbar. Und doch strahlt die Umgebung Pioniergeist aus. Als ob das Schöne unseres Planeten genau hier seinen Ursprung hätte. Es liegt vermutlich an den Bildern im Kopf - von tanzenden Eisbären, Elefantenherden im Sonnenuntergang, farbenprächtigen Korallenriffen. Es sind Bilder wie diese, die das Magazin mit dem markanten gelben Rand auf dem Cover seit mehr als einem Jahrhundert prägen.

Fotos wie jenes des afghanischen Mädchens mit den stechend grünen Augen, Sharbat Gula, das 1985 um die Welt ging. Oder das sterbende Nördliche Breitmaulnashorn „Sudan“ - das letzte Männchen seiner Art - aus der jüngsten Oktoberausgabe. Es sind in Zeiten von Klimakrise und dem drohenden Aussterben unzähliger Spezies mahnende Zeitdokumente - kritisch, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger. Aber: „Die Menschheit steht an einem Scheideweg“, mahnt auch „National Geographic“-Umweltredakteur Robert Kunzig (siehe Interview unten).

Gut gehüteter Foto-Schatz
Vor 131 Jahren hat es sich eine illustre Herrenrunde zum Auftrag gemacht, geografisches Wissen zunächst in die USA und später in die Welt zu tragen. Veranschaulicht durch Landkarten und Illustrationen, später durch Fotografien. Die Geschichten von abenteuerlichen Expeditionen in die entlegensten Winkel des Planeten zogen die Leser in ihren Bann. Bis heute: „Die Qualität des Bildes spielt natürlich eine große Rolle. Wir suchen unsere Fotografen sehr sorgfältig aus“, erklärt Foto-Redakteurin Julie Hau.

Der „Krone“ gewährte „National Geographic“ nun Einblicke in sein legendäres Foto-Archiv. In meterhohen Regalen und gut gekühlt lagern allein hier zwölf Millionen Dias, Negative und Papierfotos. Kartenmaterial, Zeichnungen und Schriften erzählen von Forschungsarbeit, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Dieser Schatz, der vermutlich das Herz jeden (Hobby-)Lichtbildners höherschlagen ließe, wird von Archivarin Sara Manco gehütet. Stolz und zielsicher führt sie durch ihr Reich, weiß genau, wo sie auf Bestellung aus der Redaktion zugreifen muss. Dass der allergrößte Teil der Bilder noch nie veröffentlicht wurde, liegt bei dieser Menge auf der Hand. Und es kommen (digital) immer neue dazu. In der Hoffnung, dass die Schönheit des Planeten noch lange nicht vergeht.

„Dem Planeten geht es nicht sehr gut“
Seit einem Jahrzehnt ist er als Umweltredakteur für „National Geographic“ tätig. Die Menschheit ist von Klimawandel und Artensterben bedroht, erklärt Robert Kunzig im „Krone“-Interview.

„Krone“: Herr Kunzig, seit 131 Jahren widmet sich dieses Magazin unserem Planeten. In welchem Zustand befindet sich die Erde heute?
Robert Kunzig: Dem Planeten geht es heute nicht sehr gut. Wir sind bedroht vom Klimawandel, wir sind bedroht vom Artensterben. Aber ich bleibe optimistisch. Ich glaube, die Menschheit steht an einem Scheideweg. Wir sind jedoch noch imstande, eine bessere Zukunft zu strukturieren. Aber wir müssen ziemlich fest umgestalten, wie wir unsere Industrie und unseren Konsum strukturieren - wie wir eben leben. Und dann könnte es besser gehen.

Was macht die Faszination von „National Geographic“ aus?“
Der Leitspruch war immer „Die Welt und alles was drinsteckt“. Wir wurden gegründet zu einer Zeit, in der es Fernsehen nicht gab, in der es Internet nicht gab und in der wir unseren Lesern in Amerika die ganze Welt dargestellt haben. Es ging ursprünglich um die Schönheit der Welt, um die Entdeckung der Welt. Das ist noch immer ein Teil dieser Faszination. Vor allem dank unserer unglaublich guten Bilder.

Das Magazin ist bekannt für seine umfangreichen, penibel recherchierten Geschichten. Wie lange dauert es von der Idee bis zur Veröffentlichung?
Mindestens sechs Monate, würde ich sagen, oft auch bis zu zwei Jahre. Da kann jemand schon einmal ein paar Monate unterwegs sein, vor allem der Fotograf. „National Geographic“ ist eben ein Fotografie-Magazin. Meine Aufgabe als Redakteur ist der Text, der die Fotos zusammenführt und zu einem Gesamten macht.

Hintergrund
Am 13. Jänner 1888 wurde in Washington die National Geographic Society aus der Taufe gehoben. Ihr Zweck war es, geografisches Wissen für die Allgemeinheit bereitzustellen. Noch im selben Jahr kam die erste Ausgabe des gleichnamigen Magazins heraus. Zu den Gründungsmitgliedern zählten unter anderem Kartografen, Geologen, Natur- und Polarforscher sowie Offiziere oder Mathematiker.

Der erste Präsident war der Anwalt Gardiner Greene Hubbard. Ihm folgte dessen Schwiegersohn, der Telefonie-Pionier Alexander Graham Bell, nach. Das Magazin erscheint monatlich in einer Auflage von aktuell rund sechs Millionen Stück in fast 40 Sprachen, die deutsche Ausgabe ist seit dem Jahr 1999 auf dem Markt. Seit 2014 ist die Journalistin Susan Goldberg Chefredakteurin von „National Geographic“ - die erste Frau in dieser Funktion. Vor Kurzem stieg der Disney-Konzern mehrheitlich in „National Geographic“ ein.

Oliver Papacek, Kronen Zeitung

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