09.11.2019 07:00 |

Im Umkleide-Streit:

Spitalsärzte pochen auf faire Lösung

Im Streit um die Umkleidezeiten der Mediziner flatterte der Klinikleitung jetzt ein Brief der Ärztekammer ins Haus: Wie berichtet, wurden zuvor rigorose Zeitkontrollen angekündigt. Gültige Rechtssprechung und die Praxis in den SALK seien offenbar zwei Welten, so der Tenor. Man sei aber zu Gesprächen bereit.

Ein Rechenbeispiel zeigt, dass es nicht nur um ein paar vernachlässigbare Minuten geht: „Wenn an 200 Tagen im Jahr zweimal fünf Minuten anfallen, sind wir bei 2000 Minuten. Das sind vier Arbeitstage“, so Jörg Hutter, Chirurg und Spitalsärzte-Vertreter in der Kammer.

Wer das Klinikgelände kennt, weiß, dass Mediziner oft weite Wege zurücklegen. Besonders betroffen unter den mehr als 800 Ärzten im Landesspital: Die Anästhesie, wo Arztkittel und OP-Gewand oft mehrmals täglich gewechselt werden müssen. Dabei gelten strenge Hygienevorschriften.

Zeitaufzeichnung der Ärzte umständlich
Das Wechseln von Privat- auf weiße Kleidung ist ganz klar Dienstzeit, das haben Gerichte längst festgestellt. Reguläre Zeit oder Überstunden? Eine Streitfrage.

Bisher gibt es keine zufriedenstellende Möglichkeit, Zeiten zu dokumentieren. Jede Überstunde muss in ein EDV-System eingetragen werden. Bisher war nur ein Halbstunden-Rhythmus möglich, da wurde nachgebessert. Terminals an Eingängen gibt es nur für andere Berufsgruppen. Ärzte-Chef Jürgen Koehler bleibt dabei: Die Vorstände der Abteilungen sollen ihre Ärzte genau prüfen. „Wir sind dazu laufend im Gespräch. Es muss individuelle Lösungen geben.“ Überstunden sollen Mitte des Monats verspätet ausbezahlt werden.

„Es entsteht jetzt der Eindruck, dass Ärzte Überstunden zu Unrecht leisten“, ärgern sich die Standesvertreter. Im Gegenteil: Die umständliche Lösung führe dazu, dass viele Ärzte sich in der Freizeit umziehen, um schon um punkt 7 Uhr in der Besprechung oder im OP zu stehen.

Sabine Salzmann
Sabine Salzmann
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