07.11.2019 12:20 |

Gericht zieht Bilanz

Auf Kärnten rollt ein Drogen-Tsunami zu!

Gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln sich auch in der Bilanz des Landesgerichtes wider: Heuer etwa sind die Haftzahlen massiv gestiegen - schon 289 Menschen wurden bisher eingesperrt. Grund dafür ist ein Drogen-Tsunami mit immer jüngeren Süchtigen und immer weniger Unrechtsbewusstsein.

„Wir haben bei den Haftfällen eine Steigerung von zehn Prozent“, sagt Vizepräsident Manfred Herrnhofer. „Verantwortlich dafür ist der Suchtgiftbereich. Die Polizei hat einen erhöhten Fahndungsdruck, der sich auch über den Jahreswechsel fortsetzen wird.“ Wie berichtet, wird mehr ermittelt - keine Woche vergeht, in der nicht ein Schlag gegen Dealer in Kärnten gelingt.

Erschreckend ist auch das Alter vieler Konsumenten. Sie werden immer jünger - an jeder zweiten Schule, befürchten Insider, gebe es Probleme damit. „Die Justiz trifft dieser Tsunami in einem personell besonders ausgedünnten Zustand“, warnt Herrnhofer vor weiteren Sparplänen.

„Noch funktioniert alles gut“, sagt auch Präsident Bernd Lutschounig. Noch. Denn die Arbeit wächst, wie eine aktuelle Bilanz zeigt: Bis Ende September wurden heuer von 44 Richtern gezählte 857 Arbeitsprozesse, 1752 sozialrechtliche Verfahren, 951 Zivilverfahren und 1106 Strafverfahren, darunter 16 Geschworenenprozesse, geführt. Um so viel leisten zu können, brauchen die Richter Unterstützung - und da wird’s eng. Nur noch fünf Schreibkräfte sind in Klagenfurt beschäftigt.

Lutschounig: „Protokolle und Urteile dauern länger, es kommt zu Verzögerungen, was vor allem im Arbeits- und Sozialbereich sehr schwierig ist.“ Dort hakt es auch an etwas anderem. „Wir finden kaum Gutachter“, so Vizepräsidentin Ulrike Svetina. Vor allem Ärzte fehlen - kein einziger Urologe etwa arbeitet für das Gericht. Svetina: „Unser Appell an die besten Köpfe Kärntens: Stellen Sie sich in den Dienst der Allgemeinheit!“

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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