BP-Chef unter Druck
Hayward pfeift auf Rücktritt: “Nicht in Sinn gekommen”
Er verstehe aber die weit verbreitete Enttäuschung darüber, dass das Öl-Leck am Meeresgrund mehr als sechs Wochen nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" noch immer nicht geschlossen werden konnte. Er selbst sei darüber auch wütend und enttäuscht. Hayward hatte vergangene Woche eingeräumt, dass BP nicht ausreichend auf die Gefahr einer Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vorbereitet gewesen sei. Die nötige Technik habe nicht zur Verfügung gestanden.
Angehörige über Äußerung empört
Noch eine Woche zuvor hatte Hayward erklärt, BP habe die Technologie, um die Folgen des Unfalls zu beherrschen. Empörung zog er zudem vor allem bei Angehörigen der elf Arbeiter, die bei der Explosion der Öl-Plattform umgekommen waren, mit der Äußerung auf sich, er wolle sein altes Leben zurück. Später entschuldigte er sich dafür.
Scharfe Kritik von US-Präsident Barack Obama erntete Hayward, als er kürzlich trotz der Milliardenkosten für die Säuberungen und Entschädigungen den Aktionären eine Dividende ankündigte. BP vertagte daraufhin die Entscheidung zur nächsten Ausschüttung.
Kampf gegen Ölpest dauert noch Monate
Indes wird sich der Kampf gegen die Ölpest nach Einschätzung der US-Küstenwache wahrscheinlich noch Monate hinziehen. Die Katastrophe könne erst ein Ende finden, wenn das Ölbohrloch auf dem Meeresgrund mit Schlamm und Zement abgedichtet sei, sagte Küstenwachenchef Thad Allen, der die Hilfsmaßnahmen der Regierung leitet. "Das wird noch bis weit in den Herbst hinein dauern." Die ganze Golf-Region befinde sich seit dem Untergang der "Deepwater Horizon" am 20. April in einem Belagerungszustand. Die Menschen hier seien wirtschaftlich und körperlich regelrecht Geiseln dieser Ölverschmutzung.
BP macht beim Kampf gegen die Ölpest nach eigener Darstellung aber Fortschritte: Nach der Installation einer Absaugglocke hofft der britische Energiekonzern, schon bald einen Großteil des austretenden Öls aufzufangen. Nach Schätzungen der US-Regierung strömen täglich 12.000 bis 19.000 Barrel ins Meer, bisher schätzungsweise 75 Millionen Liter.
Zur Bekämpfung der Ölpest hat Kanada den USA unterdessen schwimmende Barrieren mit einer Länge von drei Kilometern zur Verfügung gestellt. Wie die kanadische Regierung mitteilte, wurden die ersten Lieferungen am Sonntag auf den Weg gebracht. Die Barrieren entsprechen der Hälfte der in Kanada gelagerten Bestände und ergänzen bereits geleistete technische Unterstützung, insbesondere den Einsatz eines kanadischen Aufklärungsflugzeuges, das die Ausdehnung des Ölteppichs überwacht. Nach Angaben der US-Behörden wurden bisher rund 660 Kilometer Ölbarrieren eingesetzt.
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