Buch vorgestellt

Rackete: Migranten „lassen sich nicht aufhalten“

Ausland
30.10.2019 23:47

Ihr Buch „Handeln statt hoffen - Aufruf an die letzte Generation“ hat die Ex-Sea-Watch-3-Kapitänin und jetzige Klimaaktivistin Carola Rackete am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Darin ruft die 31-Jährige unter anderem zu zivilem Ungehorsam und Massenprotesten auf. Ein Teil des Werkes beschäftigt sich auch mit der europäischen Flüchtlingspolitik, und es heißt darin, dass „Migration ein Menschenrecht“ sei. In der „ZiB 2“ sagte die ehemalige Seenotretterin auf die Frage, ob Europa denn jedem Menschen Zuflucht gewähren solle, der herkomme: „Diese Menschen haben so viele Gründe zu fliehen, sie werden sich nicht aufhalten lassen.“

In ihrem Buch schreibt Rackete, deren Namen man kennt, seit sie in Italien festgenommen wurde, weil sie ohne Genehmigung mit 53 Flüchtlingen an Bord einen Hafen angesteuert hatte, laut der deutschen Zeitung „Welt“, wie die Menschheit mit einem „eigenartigen Plan“ zu retten wäre. Ein Punkt davon: eine „neue Form der Demokratie“, in der die Menschen mehr mitentscheiden könnten, ohne von Lobbyisten abhängig zu sein - oder von Politikern, „die sich nur auf ihre Wiederwahl konzentrieren“ oder mit ihren Entscheidungen sicherstellen würden, dass sie nach ihrer politischen Karriere einen Posten in der Privatwirtschaft bekämen.

Carola Rackete (Bild: APA/dpa/Christoph Soeder)
Carola Rackete

Gewaltfreier Kampf für „radikalen Systemwandel“
Mit ihrem Plan solle es zu einem „radikalen Systemwandel“ kommen. An dessen Ende solle eine Gesellschaft stehen, die „ganz anders aussehen wird als jetzt“ und die „für die ganz normalen Leute auf der Straße das Beste wäre“, so Rackete, die sich den Aktivisten von „Extinction Rebellion“ angeschlossen hat. Diese Bewegung steht für einen gewaltfreien Klimaprotest, der aber mitunter in Handgreiflichkeiten umschlagen kann - allerdings von der Gegenseite: Wütende Pendler hatten vor Kurzem in London Protestierende, die mit einem Sitzstreik auf Zügen den Frühverkehr lahmgelegt hatten, vom Dach gezerrt.

Radikale Forderungen
Die Forderungen in dem Buch sind teilweise radikal. Wie Rackete schreibt, solle der „Ökozid“ - die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts durch Umweltverschmutzung - genauso bestraft werden wie der Genozid, der Völkermord. Zudem verlange die 31-Jährige ein Verbot von Werbung, eine 20-Stunden-Arbeitswoche, Mindest- und Höchstgehälter sowie in weiterer Folge einen ökologischen Umsturz, wie „ZiB 2“-Moderator Armin Wolf aus „Handeln statt hoffen“ exzerpierte.

Auch schreibe Rackete: „Wir brauchen Massenproteste und eine möglichst hohe Störung der öffentlichen Ordnung.“ Die jetzige sei die letzte Generation - deshalb auch der Untertitel ihres Buches -, die jetzt noch etwas tun könne, um die Katastrophe, auf die die Menschheit sehenden Auges zusteuere, zu verhindern.

Flüchtlingskrise eine „Frage der globalen Gerechtigkeit“
Was die Flüchtlingskrise angeht, so sei es keine solche, sondern eine „Frage der globalen Gerechtigkeit“. Es sei legitim, eine Umverteilung zu fordern, schreibt sie in ihrem Buch. Dass sie als Seenotretterin dazu beigetragen habe, dass die Zahl der Toten im Mittelmeer zwischenzeitlich gestiegen sei, ließ Rackete nicht auf sich sitzen: „Die Zahl der Boote, die ablegen, ist völlig unabhängig davon, wie viele Seenotrettungsschiffe sich auf See befinden“, so die 31-Jährige in der „ZiB 2“.

Carola Rackete an Bord der Sea-Watch 3 (Bild: EPA)
Carola Rackete an Bord der Sea-Watch 3

„Menschen haben keine andere Möglichkeit“
Es sei auch den Schleppern „tatsächlich vollkommen egal, ob die Menschen - lebend oder tot - irgendwo ein Ziel erreichen oder nicht. Sie machen letztlich ihr Geld damit, dass die Leute ablegen.“ Und die Menschen in Libyen hätten aufgrund der Menschenrechtsverletzungen in den Lagern - wie Folter, sexuelle Gewalt, Kidnapping - „keine andere Möglichkeit, dieses Land zu verlassen“.

Bei den Geflüchteten müsse man sich im Einzelnen die Gründe für die ursprüngliche Flucht anschauen. Meist lasse es sich auf die wirtschaftliche Lage herunterbrechen - verschuldet dadurch, dass die reichen Länder im Norden noch immer von den Machtstrukturen der Kolonialzeit profitieren würden.

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