09.10.2019 17:02 |

8 Uhr ist zu früh

Experten: Späterer Schulbeginn besser für Jugend

Vielen Eltern kennen das Problem wohl nur zu gut: Der Sprössling ist morgens kaum aus dem Bett zu bekommen. Der tägliche Schulstart um Punkt 8 Uhr wird so nicht nur für den Nachwuchs selbst zur Qual, sondern auch für die Erziehungsberechtigten zur Nervenprobe. Umso spannender ist daher die Ansicht von Experten: Laut aktuellen Studien wäre ein späterer Schulbeginn - vor allem - für Jugendliche nämlich tatsächlich besser.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass viele dann fitter, lernfähiger und insgesamt ausgeglichener sind, wenn sie etwas später in die Schule gehen“, sagte der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums Nürnberg, Joachim Ficker, der Deutschen Presseagentur in München.

Ähnlich sieht dies auch der Kinder- und Jugendarzt Alfred Wiater von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). „Frühtypen wird das frühe Aufstehen eher keine Probleme machen.“ Allerdings verändere sich bei vielen Menschen in der Pubertät die innere Uhr - in Richtung Spättyp. „Sie werden abends erst später müde, können demzufolge erst später einschlafen und brauchen morgens länger Schlaf, um ihren physiologischen Schlafbedarf zu decken“, erklärt Wiater. „Schlafmangel schränkt die Leistungsfähigkeit ein, führt zu Konzentrations- und Ausdauerstörungen und macht schlechte Laune.“

Besser Leistung durch späteren Schulbeginn
Im US-amerikanischen Seattle war man diese Diskussionen leid und verschob den Unterricht an mehreren Schulen um gut eine halbe Stunde auf 8.45 Uhr nach hinten. Forscher der dortigen University of Washington begleiteten den Versuch. Ihre Erkenntnis: Die Schüler schliefen durchschnittlich 34 Minuten länger, ihre Leistungen verbesserten sich und die Fehlzeiten waren geringer.

Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kennt als Rektor des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf das Leid mit unausgeschlafenen Schülern. Gleichzeitig sieht er die Probleme eines späteren Starts. Ein Punkt sind die Schulbusse, vor allem auf dem Land, die Schüler in einem großen Umkreis einsammeln und oft mehrere Schulen anfahren. Wenn die alle zu unterschiedlichen Zeiten beginnen, sei das problematisch. Zudem bedeute ein späterer Schulbeginn auch, dass man in die Mittagszeit hineinkomme. „Sie müssten eine Mittagsversorgung anbieten und nach der Mittagspause noch mal Unterricht machen. Das findet wenig Akzeptanz“, ist sich Meidinger sicher.

„Freier Nachmittag ist noch wichtiger“
Doch was sagen die Schüler selbst? Erst im September hatte der Kindersender Kika eine Studie unter 1300 Erst- bis Sechstklässlern veröffentlicht. Im Schnitt wünschten diese sich einen Schulstart um 8.40 Uhr. Wer privat herumfragt, bekommt erst große Zustimmung. Ein späterer Schulbeginn, vielleicht sogar erst um 9 Uhr - traumhaft. Doch gleich darauf der entsetzte Rückzieher: „Aber dann würde die Schule ja bis 14 Uhr dauern!“ Das hat auch Meidinger beobachtet: „Die Jugendlichen stehen schon schwer auf in der Früh. Der freie Nachmittag ist ihnen aber noch wichtiger, als das späte Aufstehen“.

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