07.10.2019 15:28 |

Umstrittener Kinostart

Geht die Gewalt in „Joker“ zu tief unter die Haut?

Wie wird aus einem jungen Möchtegern-Komiker ein kaltblütiger Killer-Clown? Die Geschichte hinter dem wohl berühmtesten Gegenspieler Batmans sorgt in den USA bereits für neue Zuschauerrekorde in den Kinos. Doch die Gewaltdarstellungen in dem Film mit Joaquin Phoenix sind wahrlich nicht jedermanns Sache, wie die gespaltenen Reaktionen auf „Joker“ (Kinostart 10. Oktober) im Internet deutlich machen. Die brisante Frage: Bringt der Film zu viel Empathie für das Böse auf?

„Joker“ zeichnet erstmals die Entwicklung des bekannten Batman-Bösewichts auf der großen Leinwand nach. Der Protagonist ist darin ein unter Depressionen leidender Mann, der sich als Stand-up-Comedian versucht, von der Gesellschaft immer wieder zurückgewiesen wird und dann zu extremer Gewalt greift. In den USA und Kanada spielte „Joker“ an seinem ersten Wochenende 93,5 Millionen Dollar (rund 85 Millionen Euro) ein - Rekord für ein Debüt im Oktober. Der Film mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle übertraf damit die Erwartungen.

Ermutigt „Joker“ andere Menschen dazu, gewalttätig zu werden?
Der Film gilt jedoch als heftig umstritten, Kritiker warnen vor der in „Joker“ gezeigten Gewalt. Hinzu kommt, dass die Figur des Jokers eine düstere Seite hat, die bis ins echte Leben hineinreicht. Viele Gewalttäter zitierten den traurigen Clown als Inspirationsquelle. Bekanntestes Beispiel: In der US-Ortschaft Aurora hatte am 20. Juli 2012 ein Angreifer bei einer Premiere des Films „Batman - The Dark Knight Rises“ wahllos ins Kinopublikum gefeuert. Vor Gericht erschien der Täter später mit orange-rot gefärbten Haaren wie der „Joker“.

Selbst Joker-Darsteller Joaquin Phoenix ist sich der möglichen Gefahr, die von dem Film ausgeht, bewusst - und möchte am liebsten nicht darüber sprechen. Von einem Journalisten der britischen Zeitung „Telegraph“ gefragt, ob „Joker“ Menschen dazu ermutigen könnte, gewalttätig zu werden, stammelte Phonix kurz verloren herum, dann stand er auf und verließ den Raum. Später kehrte er zurück und erklärte, er sei auf die Frage nicht vorbereitet gewesen und habe Panik bekommen.

„Konnte es nicht aushalten“
„Bin aus dem Film gegangen. Ich konnte es nicht durchhalten“, schrieb ein Twitter-User nach dem Kinostart in den USA. „Ich bin sprachlos und zittere“, kommentiert ein anderer. „Ich musste soeben den Film abbrechen. Er war einfach zu düster für mich - und unmöglich anzuschauen“, so ein anderer Zuschauer.

Menschen, die selbst oder durch Menschen in ihrem Umfeld Erfahrungen mit Depressionen gemacht haben, könnte „Joker“ schlichtweg zu tief unter die Haut gehen. In den USA fordern manche gar eine sogenannte Trigger-Warnung für den Thriller. Tenor: Wer nicht in guter psychischer Verfassung sei, soll den Film meiden.

krone.at konnte den mit Spannung erwarteten Film vorab sehen. Eines ist klar: Auch wenn es sich um eine Comic-Verfilmung handelt, ist „Joker“ definitiv kein Film für die ganze Familie - was eigentlich auch angesichts der Altersfreigabe ab 16 Jahren klar sein sollte. Ob Regisseur Todd Phillips („Hangover“-Trilogie) mit seiner lauthals lachenden Reise an den Abgrund der menschlichen Seele ein Meisterwerk oder eine verzichtbare Gewaltorgie abgeliefert hat, lesen sie am Mittwoch in der ausführlichen krone.at-Kinokritik.

Eine Antwort auf die Frage, ob der Film zu viel Empathie für das Böse aufbringt, können die Zuschauer hierzulande ab 10. Oktober im Kino selbst suchen ...

Harald Dragan
Harald Dragan
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