Vor EM-Quali-Match

Die „Happel-Posse“ geht jetzt in die nächste Runde

Im Vorfeld des am Freitag in Salzburg steigenden EM-Qualifikationsspiels gegen Lettland wird gehörig über das vom österreichischen Fußball-Bund vorangetriebene Projekt National-Stadion gestritten. Nachdem sich Wien für eine neuerliche Sanierung des Ernst-Happel-Ovals entschieden hat und gegen einen Neubau, meldete sich nun Claus Binz zu Wort. Der Experte verriet der "Krone", dass die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie dem von der Stadt eingeschlagenen Weg deutlich widersprechen. Die Posse geht in die nächste Runde.

Claus Binz vom Institut für Sportstätten-Beratung in Euskirchen hat im Jahr 2017 die von Stadt und Bund in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie erstellt und diese für den ÖFB 2019 mit einem Finanzierungs- und Nutzungskonzept ergänzt. Und diese ergab keineswegs den jetzt von der Stadt eingeschlagenen Weg.

Schmale Gänge, steile Treppen, schlechte Sicht
„Die Frage, ob sich das Ernst-Happel-Stadion zu vertretbaren Kosten in eine moderne Fußball-Arena umbauen lässt, ergab ein klares Nein“, so der Deutsche, „dafür gibt es viele Gründe: Der Hauptmangel ist die nicht mehr zeitgemäße Funktionalität mit viel zu vielen Eingängen, schlechter Sichtqualität und fehlendem Komfort. Aber auch die Sicherheit ist ein Problem.“

So seien einige Gänge zu schmal, die Treppen zu steil: „Das Stadion hat Bestandschutz. Im Falle eines Neubaus wäre die jetzige Situation nicht mehr genehmigungsfähig. Zumal die Anforderungen an die bauliche Sicherheit heutzutage deutlich höher sind“, ist sich Binz sicher.

Auch entspreche das Oval längst nicht mehr den Anforderungen von FIFA und UEFA, weshalb eine Bewerbung für Großevents, etwa für ein Euro-League-Finale, chancenlos sei. Die Machbarkeitsstudie ergab zwei Präferenzen:

  •  Variante eins: Abriss und Neubau - der Haken dabei ist der Denkmalschutz!
  •  Variante zwei: Die Dachkonstruktion bleibt erhalten, darunter entstehen Wohn- und Gewerbe-Immobilien (ähnlich dem Gasometer). Parallel dazu wird ein neues Stadion, ebenfalls im Wiener Prater, errichtet.

„Für die Umnutzung des Happel-Stadions ist ein Erlös von bis zu 100 Millionen Euro drin, damit hätte man die neue Arena zu einem guten Teil finanziert“, sagt Binz, der die von Sportstadtrat Peter Hacker prognostizierten Kosten von 300 bis 400 Millionen Euro nicht nachvollziehen kann.

National-Stadion für 150 Millionen realisierbar
„Ein Zwei-Ränge-Stadion ist für 150 Millionen netto realisierbar, da es die Infrastruktur im Sport-Prater schon gibt.“ Bleibt die Frage der Finanzierung der jährlichen Betriebskosten einer derartigen Mega-Arena. Da sei der ÖFB laut Hacker detaillierte Zahlen und Konzepte bislang schuldig geblieben. Was man im ÖFB freilich bestreitet und auf ein von Dr. Binz übermitteltes Konzept verweist. Ein Stadion-Hickhack ohne Ende.

Anja Richter, Kronen Zeitung

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