29.08.2019 14:16 |

Aussehen rekonstruiert

Forscher verleihen Ur-Urahn des Menschen Gesicht

„Lucy“, ein 1974 in Äthiopien gefundenes rund 3,2 Millionen Jahre altes Teilskelett eines weiblichen Vormenschen namens Australopithecus afarensis, ist das wohl bekannteste Fossil eines Vorfahren des Menschen. Es steht für den wichtigen Moment des Übergangs vom Affen zum menschenähnlicheren, aufrecht laufenden Hominini. Jetzt haben Forscher rekonstruiert, wie ein noch älterer Vormensch ausgesehen haben dürfte - der Australopithecus anamensis, ein Ur-Urahn des modernen Menschen.

Möglich machte die Gesichtsrekonstruktion der Fund eines fast vollständig erhaltenen, 3,8 Millionen Jahre alten Schädels eines Australopithecus anamensis, der im Jänner 2016 in Woranso-Mille in der Afar-Region Äthiopiens gefunden worden ist und lange vor „Lucy“ - vor etwa 4,2 bis vor 3,8 Millionen Jahren - gelebt haben dürfte. Diese Gattung gilt als Vorfahre des Australopithecus afarensis - und damit jener Art, der die berühmte (nach einem Beatles-Song getaufte) „Lucy“ angehörte.

Forscher rekonstruierten Gesichtszüge
Ein Team um Yohannes Haile-Selassie vom Cleveland Museum of Natural History und Stephanie Melillo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben den ersten Schädel (Katalogname MRD-VP-1/1, kurz „MRD“) dieses Australopithecus anamensis detailiert untersucht und wissenschaftlich beschrieben. Dies ermöglichte es ihnen, die Gesichtszüge des menschlichen Urahnen zu rekonstruieren.

Bisher war man davon ausgegangen, dass die Gattung A. anamensis mit der Zeit allmählich zur Gattung A. afarensis wurde. Doch die Merkmale des „MRD“-Schädels würden gegen dieses Szenario sprechen, so die Forscher. Die anatomischen Unterschiede würden vielmehr nahelegen, dass „Lucy“ und ihre Artgenossen auf mehr als nur eine Vorläuferart zurückgehen.

Gattungen haben lange Zeit nebeneinander gelebt
Die Datierung belegt zudem, dass A. anamensis und A. afarensis mindestens 100.000 Jahre lang nebeneinander gelebt haben müssen. „Das verändert unser Verständnis der menschlichen Evolution während des Pliozäns grundlegend“, konstatiert der Anthropologe Haile-Selassie.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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