05.05.2010 21:20 |

Ölpest in den USA

Stahlglocke ist jetzt auf dem Weg zum Bohrloch

Der Ölkonzern BP hat am Mittwoch die Stahlglocke auf den Weg geschickt, die das Leck am Bohrloch der gesunkenen Förderplattform im Golf von Mexiko blockieren soll. Arbeiter verluden die 98 Tonnen schwere und fast 15 Meter hohe Kuppelkonstruktion im Hafen von Port Fourchon im Bundesstaat Louisiana auf ein Schiff, von wo aus sie an die Unglücksstelle gebracht wird. Die Überfahrt dorthin soll etwa zwölf Stunden dauern.

Sollten die Pläne der Ingenieure funktionieren, würde die Glocke wie ein Trichter wirken: Das auslaufende Öl würde sich unter ihr sammeln und könnte über einen Schlauch am oberen Ende der Glocke in Tankschiffe abgepumpt werden. Das Problem für die Experten besteht vor allem darin, den Stahlkoloss in mehr als 1.500 Meter Meerestiefe passgenau über das Leck zu stülpen. Bei früheren Ölkatastrophen hatte diese Technik funktioniert - allerdings immer nur in flachem Wasser, niemals in so großer Tiefe.

Am Mittwoch war es dem britischen Ölkonzern BP bereits gelungen, eines der drei Lecks zu schließen, aus denen Öl ins Wasser sprudelt. Wie der Sender CNN berichtete, handelt es sich aber um die kleinste der undichten Stellen.

Bereits am Dienstag hatte BP-Manager Doug Suttles erklärt, dass sich der Ölaustritt ins Meer durch das Abdichten dieses Lecks an einem Rohr nur wenig verändern werde. Aber die weiteren Arbeiten zur Eindämmung des Ölzuflusses würden erleichtert: Man müsse sich jetzt nur noch um zwei Problemstellen kümmern.

Hauptquelle des Ölaustritts ist das ursprüngliche Bohrloch. Bisher sind täglich schätzungsweise mindestens 700 Tonnen Rohöl ins Wasser ausgetreten, seit die Plattform "Deepwater Horizon" vor knapp zwei Wochen gesunken ist.

Besitzer sorgte sich um Sicherheit
Unterdessen wurde bekannt, dass sich der Besitzer der Plattform bereits im vergangenen Jahr um die Sicherheit auf seinen Anlagen gesorgt hatte. Wegen vier tödlichen Unfällen wurde den Top-Managern der Firma Transocean sogar der Bonus gestrichen, wie aus nun veröffentlichten amtlichen Dokumenten hervorgeht.

Transocean ist ein Spezialist für Bohrplattformen und hatte die "Deepwater Horizon" an den Ölkonzern BP verleast. Mit dem Wegfall der Boni sollte dem Management ein Anreiz gegeben werden, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Besseres Wetter als "Geschenk"
Derweil scheint die Natur den Einsatzkräften bei der Bekämpfung der Ölpest zu helfen. Dank günstiger Winde wurde das Öl auch am Dienstag noch nicht am Festland angeschwemmt. Das gibt den Einsatzkräften Zeit, Säuberungsarbeiten und Schutzmaßnahmen für die Küstenregion mit Hochdruck voranzutreiben. Berichte, nach denen am Dienstag Öl auf die unbewohnten Chandeleur Islands vor der Südspitze des US-Staates Louisiana schwappte, blieben zunächst unbestätigt. Es seien mehr als 20 Boote zu der kleinen Inselkette geschickt worden. Aber bisher habe man kein Öl entdeckt, sagt ein Sprecher der Küstenwache.

Konteradmiralin Mary Landry zeigte sich erleichtert über das vorläufige Fernbleiben des Teppichs vom Festland: Sie nannte den Zeitgewinn ein "Geschenk", das es erlaube, im Kampf gegen die Ausbreitung der Ölpest alle Register zu ziehen.

Dank des besseren Wetters arbeiteten Experten bereits am Dienstag auf vollen Touren daran, Öl von der Wasseroberfläche abzuschöpfen und durch das Versprühen von Chemikalien aufzubrechen. Das Mittel, das einer Seifenlauge ähnelt, wurde auch erneut mithilfe von Roboterfahrzeugen unter Wasser eingesetzt.

Häftlinge helfen Tierschützern
Indes sollen nun Häftlinge Tierschützern im Mississippi-Delta an der Küste Louisianas dabei helfen, Vögel vom klebrigen Öl zu befreien. Die Gefangenen werden für Zimmerer- und Installateur-Arbeiten in den Tierstationen gebraucht, wie Rebecca Dunne von der Nichtregierungsorganisation Tri-State erklärte, die auf die Rettung von Vögeln nach einer Ölpest spezialisiert ist. Das Gefieder der Tiere mit viel Wasser und Seife zu reinigen, sei aber Arbeit der "Profis". Rund 80 Insassen einer Haftanstalt nahe New Orleans brachte Dunne kürzlich mit Fotos und Statistiken ihre Arbeit näher.

Die von BP geleaste Bohrinsel "Deepwater Horizon" war am 22. April nach einer Explosion gesunken. Seitdem strömt das Rohöl ins Meer. US-Präsident Barack Obama warnte vor einer Umweltkatastrophe von noch nie dagewesenem Ausmaß. Auf BP kommen Kosten in Milliardenhöhe zu.

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