08.08.2019 06:00 |

Riskanter „Blindflug“

Ablenkung am Steuer: Braucht es härtere Strafen?

Noch immer gelten abgelenkte Fahrer als größte Risikogruppe bei Verkehrsunfällen. Wer etwa mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert gleich schlecht wie alkoholisierte Lenker mit 0,8 Promille. Braucht es noch härtere Strafen in Österreich?

Stellen Sie sich vor: Sie sind mit 130 km/h auf der Autobahn unterwegs in den Urlaub. Sie wollen sich ein wenig „einstimmen“ – und suchen auf Ihrem Handy nach einem guten Lied. Der ganze Vorgang dauert lediglich ein paar Sekunden. Ein Mini-Zeitfenster an Unachtsamkeit. Allerdings: Während des „Blindflugs“ – also jener Zeit, in der Ihr Blick nicht auf der Straße ruht – legen Sie pro Sekunde 36 (!) Meter zurück. In drei Sekunden überqueren Sie also ein ganzes Fußballfeld, ohne es zu merken.

Unfallrisiko steigt auf das 23-Fache
Fakt ist: Abgelenkte Autofahrer verursachen 40 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden in Österreich. Wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) berechnet hat, verlängert sich die Reaktionszeit beim Telefonieren am Steuer im Schnitt um 0,5 Sekunden, beim SMS-Schreiben oder Navi-Bedienen sind es sogar bis zu zwei Sekunden. Damit reagieren Lenker mit dem Handy am Ohr gleich schlecht wie alkoholisierte Fahrer mit 0,8 Promille. Das Unfallrisiko steigt auf das 23-Fache.

Eine Umfrage des Ifes-Instituts im Auftrag der Asfinag kam zu dem Ergebnis, dass ein Drittel aller Österreicher verbotenerweise mit dem Smartphone am Steuer hantiert. Vor allem Junge dürften anfällig sein. „Sie führen im Schnitt doppelt so viele ablenkende Tätigkeiten aus wie Ältere“, weiß Karin Zipperer, Vorstandsdirektorin der Asfinag.

Viermal so hohe Strafen in anderen Ländern
Sonnenaufgang, Fahrer-Selfie oder Tacho-Foto vom neuen Speed-Rekord? Mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen gaben an, während der Autofahrt bereits Videos oder Fotos aufgenommen zu haben. Beliebteste Motive: Sonnenauf- und Untergänge, Regenbögen, Wetterverhältnisse wie Schneefall, Landschaften und Tiere.

Rund 300 Autofahrer werden täglich mit dem Handy am Steuer erwischt. Ein Vergehen, das einen (kleinen) Geldpreis hat - im Gegensatz zu dem Schaden, den es anrichten kann. Zum Vergleich: In Italien beträgt die Mindeststrafe 165 Euro, in Spanien und Dänemark liegt sie bei 200 Euro und in den Niederlanden sogar bei 240 Euro.

„Handy, Navi oder Radio bedienen, Brille aufsetzen oder Trinkflasche öffnen - all diese Tätigkeiten, die nahe dem Lenkrad oder Sitzbereich stattfinden, kosten Reaktionszeit zur Unfallvermeidung“, so ÖAMTC-Psychologin Marion Seidenberger.

Auto und Handy - was ist erlaubt?
Hand aufs Herz - wer hat noch nie das Handy verbotenerweise beim Autofahren benützt? Wann man das Smartphone benützen darf und wann nicht, darüber klären die ÖAMTC-Experten auf.

Darf ich während der Fahrt telefonieren?
Nur mit einer Freisprecheinrichtung oder Kopfhörern. Beide Hände des Telefonierenden müssen dabei frei bleiben.

Ist Telefonieren mit Lautsprecherfunktion zulässig, auch wenn das Handy nicht befestigt ist?
Ja, sofern das Gerät wirklich nur zum Telefonieren verwendet wird.

Mit welcher Strafe muss ich rechnen, wenn ich während der Autofahrt mit dem Handy am Ohr telefoniere?
Die Organstrafe beträgt 50 Euro. Wer die Bezahlung verweigert, bekommt eine Anzeige: bis 72 Euro oder 24 Stunden Ersatzfreiheitsstrafe.

Darf ich das Smartphone als Navi verwenden?
Ja, aber es muss im Wageninneren befestigt sein. Die Adresse sollte vor der Fahrt eingegeben werden, da man sonst durch die Blickabwendung auf das Display abgelenkt ist.

Ist es erlaubt, während der Fahrt das Mobiltelefon in der Hand zu halten?
Ja, aber es darf dabei nicht „bedient“ werden.

Darf ich das Handy ohne Freisprechanlage bei einer roten Ampel verwenden?
Ja. Solange die Ampel auf Rot geschaltet ist.

Bei Stopptafeln?
Nein. Man befindet sich auch im Stillstand im „fließenden Verkehr“.

Und im Stau?
Nur wenn Weiterfahren nicht möglich ist. Im Stop-and-go-Verkehr ist die Benützung ohne Freisprechanlage verboten.

Darf ich Musik mit dem Handy hören?
Ja. Es dürfen jedoch während des Fahrens keine einzelnen Musiktitel ausgewählt werden.

Alexandra Halouska und Patrick Warger, Kronen Zeitung

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