Lasche Aufarbeitung?

Kritik an FPÖ: „Historikerbericht ist peinlich“

Österreich
06.08.2019 09:55

Nach der SPÖ hat nun auch SOS Mitmensch den FPÖ-Historikerbericht (siehe Video oben) scharf kritisiert. „Er verheimlicht mehr als er offenbart“, sagt Sprecher Alexander Pollak. Kritisiert wird etwa, dass im Bericht Verbindungen der FPÖ-Parteiführung zu antisemitischen und mit Neonazis sympathisierenden Kreisen nicht eingearbeitet wurden. Eine echte Aufarbeitung sehe laut Pollak anders aus. Der Polit-Berater Thomas Hofer bewertete den Bericht als „Pflichtübung“, „getrieben vom Marketinggedanken“. 

Selbst dort, wo sich im Bericht kritische Sätze fänden, wie etwa das Eingeständnis der Berührungspunkte des Dritten Lagers mit dem Nationalsozialismus und das völkische und antisemitische Gedankengut von Burschenschaften, würden laut Pollak auf den Fuß Beschwichtigungen folgen.

Diese Beschwichtigungen würden darin gipfeln, dass im 32-Seiten-Bericht weinerlich das „Aufblasen“ von antisemitischen, rassistischen und rechtsextremen FPÖ-„Einzelfällen“ durch die Medien beklagt werde, kritisierte Pollak.

V.l.n.r.: Thomas Grischany, Andreas Mölzer, Christian Hafenecker und Wilhelm Brauneder bei der Präsentation des Berichts der FPÖ-Historikerkommission (Bild: APA/Hans Punz)
V.l.n.r.: Thomas Grischany, Andreas Mölzer, Christian Hafenecker und Wilhelm Brauneder bei der Präsentation des Berichts der FPÖ-Historikerkommission
(Bild: tvthek.orf.at, APA, krone.at-Grafik)

„FPÖ stellt sich als das eigentliche Opfer dar“
„Die durchschaubare Strategie der FPÖ-Parteiführung lautet, sich am Ende einmal mehr als das eigentliche Opfer darzustellen, selbst dort, wo es um die eigenen vergangenen und aktuellen Berührungspunkte mit dem Nationalsozialismus und völkischer Ideologie gehe. Das ist dann doch eher erbärmlich“, resümierte Pollak.

Polit-Berater Hofer ortet „parteipolitischen Spin“
Für Polit-Berater Thomas Hofer weise die Zusammenfassung einen „parteipolitischen Spin“ auf, etwa wenn von „aufgeblasenen“ Einzelfällen gesprochen wird. „Das ist nicht etwas, das man sich von einer Historikerkommission erwarten würde.“ „Man konzediert in manchen Bereichen des vorläufigen Berichtes das allzu Offensichtliche“, ergänzte Hofer.

Politikberater Thomas Hofer (Bild: krone.tv)
Politikberater Thomas Hofer

So räume der Bericht etwa ein, dass im Vergleich mit SPÖ und ÖVP viele FPÖ-Parteimitglieder zuvor in führenden Funktionen bei der NSDAP tätig waren, „versieht das aber mit einem parteipolitischen Spin“: Im Resümee der Zusammenfassung wird etwa darauf hingewiesen, dass die Aufnahme von „Ehemaligen“ zur Integration dieser in das politische System sowie in die Zivilgesellschaft der Zweiten Republik beigetragen habe.

„Kein mit der Parteigeschichte hart ins Gericht gehender Bericht“ 
Hofer sagte, es habe freilich schon im Vorfeld kaum jemand erwartet, dass der Bericht „die Selbstkritik in Reinkultur“ werde. Alleine die Tatsache, „dass man bei den Burschenschaften nicht rein konnte, zeigt die Richtung“, sagte er mit Blick darauf, dass die Archive der Korporationen für die Historikerkommission verschlossen blieben. „Es ist sicherlich kein schonungsloser und mit der Parteigeschichte hart ins Gericht gehender Bericht“, betonte Hofer.

SPÖ kritisiert „peinlichen Eiertanz“
Die SPÖ bezeichnete die Veröffentlichung der FPÖ-Historikerkommission als „peinlichen Eiertanz“. Der Bericht sei von den Freiheitlichen „nahestehenden Personen ohne Anbindung an eine Universität verfasst“ worden, lautete etwa die Kritik der SPÖ-Abgeordneten Sabine Schatz.

Zeithistoriker: „Das hat nichts mit Wissenschaft zu tun“
Der Zeithistoriker Oliver Rathkolb ortete bei der FPÖ den Versuch einer Reinwaschung. „Das hat nichts mit Wissenschaft zu tun.“ So bemängelter er das Fehlen wissenschaftlicher Standards und die Mit-Autorenschaft von aktiven FPÖ-Funktionären. Es sei bei zeithistorischen wissenschaftlichen Studien unüblich, eine Vermischung von Wissenschaftern und aktiven Parteimitarbeitern oder Funktionären vorzunehmen, erklärte er mit Verweis auf die Mit-Autorenschaft von FPÖ-Klubdirektor Norbert Nemeth und FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker. 

Zeithistoriker Oliver Rathkolb (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
Zeithistoriker Oliver Rathkolb

Äußerst kritisch sieht Rathkolb die Forschungsfrage, ob die FPÖ eine Nachfolgepartei der NSDAP sei, diese sei „völlig daneben“. Denn derartiges habe noch nie ein professioneller Historiker behauptet. Es sei logisch, dass die FPÖ keine Nachfolgepartei der NSDAP ist, denn dann wäre sie aufgrund des Verbotsgesetzes und auch einiger Bestimmungen im Staatsvertrag verboten worden.

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