03.08.2019 08:00 |

Gewässer immer wärmer:

Klimawandel bedroht steirische Fisch-Welt

Die Anzahl der Fische in den steirischen Gewässern ist in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch gesunken. Grund dafür sind nicht nur neue natürliche Feinde, sondern vor allem auch der Klimawandel. Der Altausseer See etwa ist mittlerweile so warm, dass fraglich ist, wie lange sich der Saibling hier noch wohlfühlen wird.

Noch vor wenigen Jahren stieg die Temperatur im Altausseer See nie über 20 Grad. „Mittlerweile gibt es Tage, da werden auf der Seewiese bis zu 27 Grad gemessen“, weiß Otto Kalß von der Fischereivereinigung vor Ort. Für den Saibling, der hier heimisch ist und von dessen Fang der Berufsfischer lebt, bedeutet das eine Bedrohung: „Er braucht klares, kaltes und sauerstoffreiches Wasser - auf Dauer kann der Saibling bei so hohen Wassertemperaturen nicht überleben.“

Schon jetzt ziehe sich der Saibling immer früher in tiefere und kühlere Seeschichten zurück: „Früher haben wir bis in den September gefischt, jetzt ist die Saison schon Anfang August vorbei“, erklärt Kalß. Und auch in der Fischzucht, die er im See betreibt, werden die Ausfälle immer größer. „Ich bin mir nicht sicher, wie lange es bei den Bedingungen die Fischerei am Altausseer See noch geben wird“, sagt er.

Viele Fischarten stehen unter Stress
Und die Situation ist nicht nur in den Seen im Ausseerland dramatisch. So erzählt etwa der Werndorfer Fischzüchter Helfried Reimoser, dass auch er mit einem sinkenden Grundwasserspiegel zu kämpfen hat: „Unsere Zuchtteiche müssen wir ohnehin schon längst mit Sauerstoff versorgen. Durch den Klimawandel wird die Fischzucht immer aufwändiger und riskanter.“

Auch Friedrich Ebensperger, Obmann des Landesfischereiverbands Steiermark, stimmt zu: „Der Klimawandel bereitet den wassergebundenen Lebewesen bei uns großen Stress. Problematisch sind etwa die Veränderungen beim Niederschlag.“ Es regnet seltener, dafür heftiger: „Das bedeutet die Trockenphasen werden länger, der Pegel sinkt, die Gewässer erhitzen noch leichter.“

Fischbestand geht rasant zurück
Der Fischbestand geht rasant zurück: Kamen in den 1990ern auf einen Hektar Fließgewässer in der Steiermark etwa noch 200 Kilogramm Fisch-Biomasse (Gewicht aller Fische, die man in diesem Bereich fangen hätte können), so sind es heute nur noch 30 Kilogramm - in der Enns sogar nur noch gut 15 Kilo. Bachforelle und Äsche sind jetzt schon aus einigen Gewässern verschwunden - andere Arten könnten bald folgen.

Prädatoren als großes Problem
Doch nicht nur die Erwärmung stellt sich für die Fische als Bedrohung dar, sondern auch die Vermehrung so genannter Prädatoren, also natürlicher Feinde: „Ende der 1990er gab es an der Enns etwa den Zuzug des Kormorans, der vieles leergefressen hat. Der Fluss hat sich bis heute nicht davon erholt“, sagt Ebensperger.

Vielerorts ist der Fischotter das größte Problem, wie Züchter Helfried Reimoser berichtet: „Wir haben jährlich bis zu eine Tonne Verlust. Der Fischotter ist ein verspieltes Tier, das heißt, den Großteil davon frisst er nicht einmal.“ Reimoser kennt auch Statistiken, wonach der Otter täglich bis zu zwei Tonnen Fisch in der Steiermark „vernichtet“, und fordert ein professionelles Fischotter-Management.

Kritisch zeigt sich diesbezüglich auch Ebensperger: „Wir freuen uns ja, dass der Fischotter bei uns wieder heimisch ist, aber wir verstehen nicht, warum der Naturschutz oft an der Wasseroberfläche endet und so wenig an den Fischbestand gedacht wird.“

Die junge Generation als Hoffnung
Und so hoffen die Fischer nicht nur, was die eigene Zunft anbelangt, auf Nachwuchs, sondern setzten auch in Punkto Umweltschutz auf die Jugend: „Was mir Hoffnung gibt, sind die Jugendlichen von Fridays for Future, die uns einen neuen Weg aufzeigen“, sagt Kalß. Und so lange es noch geht, wird er auch weiterhin viermal die Woche auf den Altausseer See hinausfahren und seine Netze auswerfen.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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