23.07.2019 06:00 |

Über 8600 Gefangene

Justizwache in Not: Lauter Ruf nach Personal!

Mehr als 8600 Häftlinge befinden sich in den 28 österreichischen Justizanstalten. Zu viele bei zu wenig Personal, sagen Justizwache-Vertreter. Der enorme Personalmangel verhärte die Fronten zunehmend, die psychische Belastung sei groß, zeichnet Gewerkschafter Mario Raudner ein düsteres Bild von den Zuständen in den heimischen Gefängnissen.

Die Aufgaben der Wachebeamten in einem Gefängnis sind vielfältig - sie beaufsichtigen die Insassen in den Betrieben, leiten sie bei der Arbeit an, führen sie zu diversen Terminen (z.B. zum Arzt) aus, geleiten sie zu Verhandlungen und sind zudem administrativ tätig. Oft sind die Anstalten überbelegt, zusätzlich führt der Personalmangel immer wieder zu gefährlichen Situationen.

In der Justizanstalt Graz-Jakomini etwa achten 165 Beamte auf 571 Insassen, es ergibt sich ein Verhältnis von eins zu 3,4. In der JA Wiener Neustadt dasselbe Bild: 240 Häftlinge, 69 Wachebeamte, eins zu 3,4. Besonders düster erscheint das Verhältnis in der JA Asten: Hier kommen auf einen Bediensteten gleich 4,5 Gefangene.

Österreich auf einem Level mit Staaten des ehemaligen Ostblocks
Ein Alarmzeichen für Martin Schöpf, Vorsitzender des Zentralausschusses der Justizwache: „Österreich liegt im überdurchschnittlich hohen Bereich, was die Zahl der Insassen in Relation zur Anzahl der Bediensteten betrifft. Wir befinden uns hier auf einem Level mit Staaten des ehemaligen Ostblocks!“ 
In den Nachtstunden sei die Situation noch drastischer: „Es ist Praxis, dass zwei, drei Justizwachebeamte 100 bis 120 Insassen beaufsichtigen.“ Es herrsche dringender Handlungsbedarf. „Vor allem im besonders sensiblen Jugendbereich sollte der Schlüssel bei 1:1 liegen!“

Beim Justizministerium zeigt man sich einsichtig: „Die Generaldirektion ist laufend bemüht, die personelle Situation zu verbessern.“ Durch die Aufnahmeoffensive sei es bereits gelungen, die Anzahl der unbesetzten Planstellen zu senken. Vehement weist man allerdings die Nachtdienst-Situation zurück: „In keiner Justizanstalt beaufsichtigen lediglich zwei bis drei 120 Insassen und mehr!“

Zu wenig Zeit für zu viele Häftlinge
Was ein „Überbelag“ für alle Beteiligten im Häfen tatsächlich bedeutet, weiß Gewerkschaftsvertreterin und Psychologin Sandra Gaupmann.

„Krone“: Welche Auswirkungen hat ein Überbelag?
Sandra Gaupmann: Mit dem Thema müssen wir uns schon seit Jahren beschäftigen. Vorweg: Die Sicherheit ist immer gegeben, da muss sich keiner Sorgen machen. Aber ein Überbelag sorgt natürlich für Stress bei Insassen, Beamten, Mitarbeitern. Die Arbeit ist schwieriger, weil es deswegen ja bisher nicht mehr Personal gibt. Man hat weniger Zeit, sich mit den Problemen der Insassen zu beschäftigen. Zugleich haben Häftlinge mehr Gesprächsbedarf, weniger Rückzugsmöglichkeiten, können nicht adäquat beschäftigt werden. Und wegsperren allein macht sie nicht ungefährlicher: Sperre ich z.B. einen bissigen Hund nur in ein Zimmer, ist er deshalb dann nicht weniger bissig. Beschäftigung mit und für Insassen ist das Um und Auf, damit es gerade bei Überbelag nicht zu Vorfällen kommt.

Welche Lösungsansätze würden Sie hier sehen?
Ich wünsche mir bei minderschweren Delikten mehr alternative Haftformen wie die Fußfessel. Nicht alle unsere Häftlinge sind quasi furchtbare Massenmörder. Slowenien etwa hat eine Wochenend-Haft: Diese Leute gehen wochentags arbeiten und sitzen ihre Haftstrafe am Wochenende ab.

Monika Krisper, Silvia Schober, Sandra Ramsauer, Kronen Zeitung

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