22.07.2019 06:00 |

Schuhwerk ade

Hier stapft der Präsident bloßfüßig durch das Moor

Steht die Eröffnung der Bregenzer Festspiele an, ist der Bundespräsident nicht weit: Ein Fixpunkt im Terminkalender des Staatsoberhaupts. Was aber treibt Alexander Van der Bellen abseits des Festspielhauses? Die „Krone“ hat „VdB“ begleitet.

Bahnhof Dornbirn, Dienstag, 10.29 Uhr: Bahnsteig 2 ist hoffnungslos überfüllt: zahlreiche ÖBB-Chefitäten, dutzende Pressemenschen und hunderte Schaulustige: Bundespräsident Van der Bellen sollte eigentlich schon angekommen sein – natürlich mit dem Zug, doch dieser hat – ganz untypisch – Verspätung. Als der Zug dann endlich einrollt, wird das eigens eingerichtete Spalier, durch das VdB den Waggon verlassen soll, vom Lokführer beinhart ignoriert. Mit Volldampf zieht der Zug vorüber. Es bleibt nichts Anderes übrig, als sich durch die Menschenmassen zu kämpfen. So sieht es aus, wenn der Bundespräsident als Ehrengast zum Mobilitätstag in Vorarlberg geladen wird. Eine Gruppe, die man aufgrund der identischen Jacken für eine verloren gegangene Gymnaestrada-Truppe halten könnte, entpuppt sich als Abordnung der ÖBB-Lehrlinge: „Und wer ist da jetzt wichtig?“ hört man aus den hinteren Reihen. „Der da!“ „Ah, da Waldheim...“

Was sich am Papier recht entspannt anhört („Besichtigung der neuen Züge in Dornbirn, Eröffnung der Festspiele, kleine Wanderung durchs Krumbacher Moor) ist in Wirklichkeit eine dreitägige Tour de Force: Belagert werden VdB und seine Frau Doris Schmidauer dabei nicht nur von Journalisten, Fotografen und echten Fans, sondern auch von jeder Menge Lokal-Politikern. Jeder reißt sich um den Präsidenten, jeder will ihm was erzählen, jeder will ein Bild mit ihm. Stressig? „An die Presse haben wird uns schon längst gewöhnt,“ erzählt Schmidauer. Einzig die Selfies kommen manchmal ein wenig ungelegen. „Man steht im Supermarkt, jemand bittet um ein Selfie und man hat gerade einen Brokkoli in der Hand“, schmunzelt Schmidauer.

Da hilft nur eines: Gelassenheit. Und die strahlt VdB auch aus: keine ungeduldige Geste, kein genervter Blick, nichts. Wer übrigens davon ausging, den Aufenthaltsort des Bundespräsidenten immer an einer umherwabernden blaudunstigen Rauchwolke zu erkennen, der irrt. Mit einer Zigarette sieht man den bekennenden Raucher in der Öffentlichkeit nie. Nikotin, so scheint es, ist für einen Bundespräsidenten Privatsache.

Präsident muss sich im Moor die Schuhe ausziehen
Krumbach, 14.30 Uhr: Van der Bellen bringt nicht nur staatsmännisches Flair ins Ländle, sondern auch Sicherheit. Bevor VdB irgendwo auftaucht, sind erstmal die Männer des Verfassungsschutzes am Werk. So wird auch die von Architekten aus Oslo entworfene Bushaltestelle, die man VdB zeigen will, auf Bomben und chemische und biologische Substanzen untersucht. Mit einem „Wir sind immer und überall“ rauschen die Beamten zum nächsten Treffpunkt. Kaum im Moor angekommen, wird VdB dazu genötigt, sich seines Schuhwerks zu entledigen und barfuß durch die Wiese zu laufen. Dort wird er auch darüber aufgeklärt, warum Moorleichen nicht verrotten. Eine wertvolle Information. Kurz darauf drückt man ihm Grünzeug in die Hand. „Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze!“

Weiter geht es, nun wieder beschuht, durch den Wald, wo VdB mit einer Weißtanne verglichen wird („Sie hatten ja sehr viel Geduld mit der letzten Regierung, haha!“). Die Krumbacher Landschaft machte auf VdB aber tatsächlich Eindruck: „Schon nach zehn Metern in diesem Wald ist man verzaubert!“ Das würde auch alles aufwiegen, was an den Bundesländer-Touren vielleicht nicht immer so toll sei. Aber immerhin: Am wenigsten liebt es VdB, reine Routine-Aufgaben wie Titelernennungen zu erledigen. Davor ist er hier, weit weg vom Schreibtisch in der Wiener Hofburg, jedenfalls sicher.

Angelika Drnek, Kronen Zeitung

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