06.07.2019 06:00

Dilemma Ärztemangel

Sturm auf Medizin-Uni, Abflug nach dem Studium

Jedes Jahr das gleiche Bild: Die Messe Innsbruck wird gestürmt von jungen Menschen, die den Aufnahmetest für die 460 Studienplätze an der Medizin-Uni Innsbruck absolvieren. Knapp 3000 Teilnehmer waren es am Freitag. So viele wollen Arzt werden - und trotzdem herrscht Ärztemangel. Wie geht das? Der Testtag lieferte Antworten.

Genau 2998 Personen (63 Prozent Frauen) haben am Freitag in Innsbruck den Aufnahmetest absolviert. Und das, obwohl es nur 460 Studienplätze an der Medizin-Uni Innsbruck gibt (davon 360 in Humanmedizin). Viele Deutsche wollen in Tirol studieren. 1950 haben sich heuer angemeldet. Um nicht von den Nachbarn überrannt zu werden, gibt es bei den Studienplätzen eine Österreicher-Quote von 75 Prozent für Humanmedizin. Doch diese Quote gilt nicht mehr für die Zahnmedizin!

„Zahnärztemangel ist vorprogrammiert“
Da sieht Vize-Rektor Peter Loidl das erste Problem: „Zwei Drittel der Bewerber für Zahnmedizin sind Deutsche. Viele von ihnen werden wohl nach der Ausbildung zurück in ihre Heimat gehen.“ Damit sei ein akuter Zahnärztemangel in einigen Jahren in Österreich vorprogrammiert, prophezeit der Vize-Rektor.

Abwanderung nimmt wieder deutlich zu
Doch auch in anderen Fächern werden Jungärzte von Deutschland und anderen Ländern heftig umworben. Loidl verweist auf eine Befragung der Medizin-Uni, wonach zuletzt rund 65 Prozent der Absolventen ihr berufliches Glück im Ausland suchen – Tendenz steigend. Jahre zuvor sah es noch anders aus: Das neue Arbeitszeitgesetz mit weniger Stunden und kräftigen Gehaltserhöhungen an öffentlichen Spitälern hielten mehr Ärzte in Österreich. Doch andere Länder besserten nach.

„Basisausbildung könnten wir streichen“
Sie rollen Jungmedizinern den roten Teppich aus. „Anderswo kommen Uniabsolventen schneller ins Berufsleben“, konstatiert Loidl. In Österreich würde die Ausbildung vergleichsweise lang dauern. Und Stehzeiten durch zu wenig Plätze in der Basisausbildung an Spitälern entstehen. Laut Loidl fehlen in Österreich 300 Plätze. Sein Plan B: „Die neunmonatige Basisausbildung könnte man ganz streichen, weil die Inhalte bereits im Studium vermittelt werden. Dann kämen Jungärzte rascher ins Berufsleben.“

Letztlich ein Problem der Verteilung
Ein wesentlicher Grund für die Verknappung: Es studieren mittlerweile deutlich mehr Frauen, die nach der langen Ausbildung nicht nur einen Job, sondern auch Kinder wollen – sie fehlen immer wieder im System.

Dennoch: Auf dem Papier hat Österreich genug Ärzte. Sie sind laut Fachleuten nur falsch verteilt. Die „Krone“ hat bei den Teilnehmern des Aufnahmetests nachgefragt und einen zentralen Grund dafür erfahren. Die Antwort fast aller Befragten: „Ich will in ein großes Krankenhaus und nicht in eine Landpraxis.“

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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