11.05.2019 06:00 |

USA vs. Iran

Der Countdown zum nächsten Krieg

Maximal gefährliches Säbelrasseln an der Erdölschlagader der Welt: Zwei US-Flugzeugträger haben den Befehl, „unverzüglich militärische Vergeltung zu üben“, falls der Iran gegen die Präsenz der USA in diesem Raum „militärische Provokationen“ setzt. Provokationen wie zuletzt ein Militärmanöver von Irans Revolutionsgarden in der Straße von Hormus (siehe Video oben) gegen ein Ziel, das einen US-Flugzeugträger darstellen sollte ...

Und so hat sich der Countdown zum nächsten Krieg aufgebaut:

Stufe 1: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump kündigt das Anti-Atom-Abkommen mit dem Iran auf, weil sie es, ebenso wie Israel, für unwirksam hält, den Iran an der Entwicklung einer Atombombe zu hindern. Ursprünglich hieß es, die USA wollen damit den Iran zu Verhandlungen über einen „besseren Vertrag“ drängen. Davon ist jetzt keine Rede mehr.

Stufe 2: Trump verhängt Würgesanktionen. Er wirft dem Regime in Teheran vor, hinter den radikalsten Bewegungen im Nahen und Mittleren Osten zu stecken.

Stufe 3: Die USA erklären die Revolutionsgarden im Iran zu einer Terrororganisation mit dem Recht zur absoluten Bekämpfung.

Stufe 4: Teheran erklärt die US-Truppen im Mittleren Osten zu einer Terrororganisation mit dem Recht zur absoluten Bekämpfung.

Stufe 5: Die USA bauen eine militärische Drohkulisse auf. Auf der Gegenseite sind die Al-Quds (Jerusalem-) Brigaden ein besonders militanter Teil des Regimes, die es auch schnell einmal reizen könnte, Schiffe der USA oder Saudi-Tanker zu attackieren.

„Versehentlicher Krieg“ durch Säbelrasseln?
Stufe 6: US-Außenminister Mike Pompeo eilt in den Irak, um das Nachbarland des Iran zur Solidarität zu verpflichten, falls schiitische Milizen US-Truppen im Irak angreifen (Regierung und Mehrheitsbevölkerung im Irak sind schiitische „Brüder“ des Iran, wenn auch arabische).

Stufe 7: Es wird krachen, wenn jetzt eine Konfliktpartei nur versehentlich auf den falschen Knopf drückt.

Die Chronik der US-Politik im Mittleren Osten lässt nichts Gutes erwarten: Die USA waren 2003 auf Basis falscher Behauptungen über eine Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak in das arabische Nachbarland Irans einmarschiert. Nach dem Sturz Saddam Husseins regierten Chaos und Gewalt, aus denen die Terrormiliz Islamischer Staat erwuchs.

Trump-Politik hat Fronten im Nahen Osten verhärtet
Die Nahost-Politik unter Donald Trump hat jetzt entscheidend dazu beigetragen, die Fronten im Nahen Osten zu verhärten, eine Region, die ohnehin von unzähligen Krisen und Konflikten geplagt ist. Sie wird überschattet von der Konfrontation zwischen rivalisierenden Regionalmächten: auf der einen Seite nun Israel und das sunnitische Saudi-Arabien, angetrieben vom ehrgeizigen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der mit Trumps Rückendeckung handelt; auf der anderen Seite deren Erzfeind, der schiitische Iran, der großen Einfluss auch in arabischen Ländern besitzt, vor allem in Syrien und im Irak.

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner pflegt enge Verbindungen zum saudischen Thronfolger. Daran änderte auch der brutale Mord am Journalisten Jamal Khashoggi nichts, dessen Spuren ins direkte Umfeld Mohammed bin Salmans führen.

Zu spüren bekommt den Konflikt der USA mit dem Iran nicht zuletzt der Irak, das Land also, das seit Jahren von Krisen geschüttelt wird. Es könnte zum ersten Schauplatz einer gewaltsamen Eskalation werden, obwohl es sich bisher noch nicht einmal vom jahrelangen Kampf gegen die Terrormiliz IS erholt hat. Noch immer verüben Zellen der Dschihadisten Anschläge.

Irak braucht nichts mehr als politische Stabilität
Der Irak bräuchte nichts mehr als politische Stabilität - ist davon jedoch weit entfernt. Fast ein Jahr nach der Parlamentswahl ist es etwa Regierungschef Adel Abdel Mahdi noch immer nicht gelungen, alle wichtigen Posten im Kabinett zu besetzen. Seit Monaten etwa gibt es weder einen Innen- noch einen Verteidigungsminister.

Dahinter steckt ein Machtkampf der größten politischen Blöcke. Eine zentrale Rolle spielen die Parteien mit engen Kontakten zum Iran. Sie beharren darauf, das Innenministerium mit einem Vertreter der ebenfalls Teheran-treuen Schiitenmilizen zu besetzen, stoßen dabei aber auf Widerstand. Abdel Mahdi selbst besitzt keine Hausmacht und ist bisher nicht in der Lage gewesen, den Konflikt zu lösen.

Umstritten ist die Zukunft der mehreren tausend US-Soldaten, die im Irak weiterhin am Kampf gegen den IS beteiligt sind und die Armee ausbilden. Die mit dem Iran verwobenen Parteien wollten deren Abzug. Die Spannung steigt auch an der Straße von Hormus. Der Iran droht mit einer Blockade. Begründung: Falls der Iran kein Öl exportieren dürfte, sollten auch die anderen Länder in der Region diese Route nicht mehr befahren können.

Kurt Seinitz, Kronen Zeitung

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