23.03.2010 18:34 |

Missbrauchsskandal

Viele Anrufe bei neu eingerichteter Opfer-Hotline

Die Telefon-Hotline der Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt" hat gleich am ersten Tag reges Interesse entfacht. Insgesamt 50 Anrufe wurden am Dienstagvormittag verzeichnet, zusätzlich trudelten sieben Mails ein. Viele der angesprochenen Fälle liegen über 20 Jahre zurück. Allerdings dürfte es auch Vorfälle geben, die sich innerhalb der Verjährungsfrist ereignet haben, erklärte ein Sprecher der Plattform. Unterdessen wurden nach Missbrauchs-Verdachtsfällen in der Steiermark drei Geistliche vom Dienst freigestellt.

Anrufe bei der Telefon-Hotline kamen aus ganz Österreich, viele der Opfer haben sich überhaupt erstmals an eine Stelle gewendet. Berichtet wurde von Übergriffen unter anderem in Klosterschulen, bei Ministranten sowie bei der Jungschar. Nach Angaben des Sprechers werden diese Vorkommnisse zunächst einmal notiert und weiter angesehen. Viele der Anrufer hätten auch Interesse an anwaltlicher Hilfe gezeigt. Zusätzlich habe großes Interesse an einer Vernetzung der Opfer untereinander bestanden.

Die Opfer-Hotline soll noch mindestens zwei Monate (von 9 bis 12 Uhr) unter der Nummer 0699/10369369 erreichbar sein. Die Plattform baut bei ihrer Hotline laut eigenen Angaben auf fachliche Unterstützung von langjährigen Mitarbeitern des Wiener Kinderschutzzentrums. Die Einrichtung richtet sich an Menschen, die Opfer sexueller, seelischer oder physischer Gewalt durch die katholische Kirche waren.

Drei Geistliche in der Steiermark vom Dienst freigestellt
Unterdessen sind nach Missbrauchs-Verdachtsfällen in der Steiermark drei Geistliche vom Dienst freigestellt worden. Georg Plank, Sprecher der Diözese Graz-Seckau, erklärte am Dienstag, dass es sich um eine "reine Vorsichtsmaßnahme" handle, denn in allen drei Fällen würden die mutmaßlichen Missbräuche schon 15 bis 25 Jahre zurückliegen.

Während einer der drei Pfarrer - er predigte in Graz - schon zuvor von sich aus sein Amt niedergelegt hatte, wurde die Bevölkerung in einer obersteirischen sowie einer weststeirischen Pfarre am Sonntag informiert, dass andere Priester für ihre vom Dienst freigestellten Geistlichen einspringen werden, bis die Aufzeichnungen aus der Vergangenheit noch einmal geprüft sind. Die beiden Männer waren vor Jahren für ihre Vergehen verurteilt worden, einer wegen Exhibitionismus, der andere wegen einer - damals noch strafrechtlich relevanten - homosexuellen Handlung mit einem 17-Jährigen, so Plank.

Alle drei Priester seien nach den Jahre zurückliegenden Missbräuchen nicht mehr auffällig geworden und standen laut Plank unter verschärfter Beobachtung. Trotzdem wolle man nun alles noch einmal prüfen, um sicher zu gehen.

Vorarlberg: Klarstellung von Bischof Fischers Aussagen
Die Diözese Feldkirch in Vorarlberg sah sich am Dienstag zu einer Klarstellung der Aussagen ihres Bischofs Elmar Fischer veranlasst, der am Montag das Ohrfeigen eines Jugendlichen als heilsame Erfahrung für den Heranwachsenden geschildert hatte. Der Bischof habe sich immer gegen Gewalt in der Erziehung ausgesprochen, betonte Pastoralamtsleiter Walter Schmolly. Zuvor hatte es Kritik am Bischof - unter anderem von Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch - gehagelt.

Der mit einem Gewaltvorwurf konfrontierte Fischer hatte am Wochenende zugegeben, vor vielen Jahren einen Jugendlichen geohrfeigt zu haben. Es könne geschehen, dass einem die Hand ausrutsche, ergänzte der Bischof dazu am Montag und vertrat den Standpunkt: "Solche Aktionen können für junge Menschen hilfreich sein."

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