28.04.2019 06:00 |

Quereinsteiger

Diese Stars schafften es von Bühne ins höchste Amt

Schauspieler oder Kabarettisten, die ins echte politische Leben wechseln, schaffen oft Großes. Nach Arnie, Reagan und Beppe Grillo will nun Wolodymyr Selenskyj als Präsident der Ukraine nur eines: aufräumen!

Gleich nach dem Wahltriumph kehrte Wolodymyr Selenskyj dorthin zurück, wo er sich zu Hause fühlt: auf die Bühne! Lässig sprang der studierte Jurist (41) auf die Politrampe im Fernsehstudio, um Fans und Wählern zuzuwinken. Mit dem Victory-Zeichen und einem vielversprechenden „Schaut auf uns! Alles ist möglich!“ bedankte sich der überlegen (73 Prozent) zum neuen ukrainischen Präsidenten gewählte TV-Star und Kabarett-Liebling beim Wahlvolk. Allerdings: Echte Politerfahrung kann der neue Politstar nicht vorweisen:

Dafür ist er schon vor seiner Kür ins höchste Amt im Staate vor der Kamera in die Rolle seines Lebens - in die des ukrainischen Präsidenten - geschlüpft! Tatsächlich mimte er in der TV-Serie „Diener des Volkes“ einen Politiker, wie ihn sich das Volk so richtig vorstellt und wünscht: einen Geschichtslehrer und Mann mit Mut, der den Korrupten im Land mächtig die Leviten liest. Nun hofft seine Wählerschaft, sprich drei von vier Ukrainern, dass Wolodymyr diese Rolle auch in der Realität als hemdsärmeliger Retter des Landes umsetzen kann. Denn nur dann, wenn dieser Traum zur Realität wird, hat sich sein Politeinsatz gelohnt. Als Vollblut-Kabarettist und Kenner der Politszene dürften ihm Schauspieltalent und publikumswirksames Auftreten helfen.

Vom „Steirerbuam“ zum „Kaiser von Kalifornien“
Vor 16 Jahren hat ein ganz anderes Schauspielkaliber diesen Schritt gewagt: Arnold Schwarzenegger, weltbekannt als „Terminator“, trat in Kalifornien an, um es von der Bühne zum Governator zu schaffen. Und tatsächlich errang der damals 56-Jährige einen Erdrutschsieg - vom „Steirerbuam“ zum „Kaiser von Kalifornien“! Mit dem Wahltriumph setzte Schwarzenegger seiner schon bisher unglaublichen Karriere vom Bodybuilder zum Hollywoodstar die Krone auf.

Damals übertraf er sogar die Popularität von US-Präsident Obama. „Gebt mir einen Besen, ich werde aufräumen“, kündigte Arnie an. Sein direkter Weg und vor allem seine enorme Erfahrung und Ausstrahlung als vielseitiger, ja charismatischer Schauspieler bescherten ihm gar eine zweite Amtszeit. Nur zum Amt des US-Präsidenten reichten selbst Arnies Polit-Auftritte nicht – denn dafür hätte er nicht im steirischen Thal, sondern in der USA geboren sein müssen.

Mit Hollywood-Rhetorik in die Herzen der Menschen
In Tampico (Illinois) 1911 als waschechter Amerikaner zur Welt gekommen, stand hingegen Hollywood-Schauspiellegende Ronald Reagan nichts im Weg auf der Karriereleiter ins höchste Amt. Ebenso wie Arnie wurde er nach seiner Hollywood-Karriere als Republikaner mit 55 Jahren zum Gouverneur von Kalifornien gewählt. Und gleich wie Arnie halfen ihm dabei sein Redetalent sowie seine Erfahrung im Filmbusiness. Vielleicht reüssierte er auch dank seines professionellen Umgangs mit Fans.

Ob es möglicherweise seine Rollen als Westernheld waren, weshalb Reagan Amerika von 1981 bis 1989 als Präsident lenken durfte, ist nicht geklärt. Fix ist: Mit seiner Hollywood-Rhetorik konnte er die Herzen von Millionen Landsleuten gewinnen. Nicht zuletzt ob so mancher kämpferischen Ansage. Etwa als er die damalige Sowjetunion als „Reich des Bösen“ bezeichnete, die es ideologisch und militärisch herauszufordern gelte.

Ein „Clown, der an die Macht kam“
Eine ideologisch-politische Herausforderung der anderen Art nahm Italiens Starkomiker Beppe Grillo an. So sorgte er für einen Politwirbel: Er ließ sich an einem Kran über Roms Circus Maximus aufhängen und beschimpfte von oben herab Politiker. Als „Clown, der an die Macht kam“, gründete er Italiens erfolgreiche Fünf-Sterne-Bewegung.

Kommentatoren sehen in ihm eine Parallelfigur zum jetzigen „Kabarett-Präsidenten“ der Ukraine. Beide verbindet diese Form neuer Politik, in der Entertainment und Politisches ineinander verschmelzen. Eine neue Politbühne, auf der sich Fiktion und Fakten immer schwerer voneinander trennen lassen.

Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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