20.04.2019 18:28 |

UNO-Mission im Libanon

Wo Österreichs Soldaten den Osterfrieden sichern

Sechs Kilometer von der israelischen Grenze und eine halbe Autostunde von Kana - wo Jesus sein erstes Wunder gewirkt und Wasser in Wein verwandelt hat - stehen 185 Österreicher als Blauhelme im Einsatz. Ein „Krone“-Lokalaugenschein im Nahen Osten.

„Jetzt in der Osterwoche ist die Lage im Libanon ruhig, aber instabil“, bringt Kontingentskommandant Gernot Gierlinger die Situation auf den Punkt. Der Salzburger kennt das Land im Nahen Osten, seine „Hotspots“ und neuralgischen Punkte wie seine Westentasche. Und der Oberstleutnant weiß auch, wie hochbrisant das Pulverfass an der Grenze zu Israel und Syrien ist. Ein Funke genügt und die instabile Lage kann sich in einen Hexenkessel verwandeln. Und um genau das zu verhindern, stehen mehr als 10.500 Soldaten aus 40 Nationen seit 1978 im Zedernstaat Gewehr bei Fuß.

Wie schnell die Situation außer Kontrolle geraten kann zeigte sich vor allem 2006 im zweiten Libanonkrieg. Die Hisbollah und Israel bekämpften einander 33 Tage lang: blutig, brutal, zerstörerisch.

Knistern an der Grenze
Seither herrscht zumindest Waffenstillstand. Doch an der Grenze knistert es nach wie vor. Wie unter Todfeinden. Das bekommen auch die rot-weiß-roten Friedenssoldaten zu spüren. Schließlich liegt deren Camp in Naqura nur knappe sechs Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. „Zuletzt wurde der Konflikt durch die Entdeckung mehrerer Tunnels befeuert“, so Unteroffizier H. aus dem Burgenland. Denn unterhalb der „Blue Line“, also der Demarkationslinie der beiden Länder, entdeckten die Israelis sechs Grabungen. Die Aufregung war dementsprechend enorm. Derzeit stellt Israel eine bis zu sieben Meter hohe Grenzmauer auf. „So sollen Scharfschützen-Attacken oder die Infiltration durch die Hisbollah-Miliz verhindert werden“, erklärt Major Axel A.

Gleichzeitig sorgen die von Österreich bis 2013 - also knapp 40 Jahre lang - bewachten Golanhöhen erneut für Dissonanzen im Nahen Osten: Konkret geht es darum, dass in den Bergen offenbar Hisbollah-Krieger ausgebildet und Kämpfer rekrutiert werden. Wobei die launische Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die israelische Souveränität der seit 1967 besetzten Golanhöhen anzuerkennen, im arabischen Raum zu einem Sturm der Entrüstung geführt hat.

Im Norden, an der Grenze zu Syrien, der nächste Krisenherd: versteckte Raketenfabriken. Dort werden in geheimen Waffenschmieden explosive Flugkörper mit Infrarot-Lenksystemen versehen, um Ziele in Israel treffen zu können - punktgenau!

Wirtschaftskrieg um Öl und Gas im Mittelmeer
Zu hoher See wiederum tut sich ein Wirtschaftskrieg auf. Denn seit vor der Mittelmeerküste Erdöl und Gas entdeckt wurden, rittern Libanesen und Israelis um die Rechte für die Gewinnung der Bodenschätze.

So gefährlich die Lage in komprimierter Sicht wirkt, so professionell versehen unsere Blauhelme ihren Job. „UNIFIL-Soldaten führen Patrouillen durch, betreiben Checkpoints und unterstützen die libanesischen Sicherheitskräfte“, bringt Presseoffizier Robert Rauter den Auftrag der gesamten Truppe auf den Punkt.

Kaiser-Enkel besucht Österreicher-Camp
Und dass die signifikante UN-Präsenz den Konflikt beruhigt und die Sicherheit für die Bevölkerung gewährleistet, stellte auch Karl von Habsburg (58) bei einem vorösterlichen Besuch im Österreicher-Camp fest. Der Enkel des letzten Kaisers sorgt auf seine Art, nämlich als Kulturgüterschutz-Offizier, für österlichen Frieden im Libanon.

Libanon:

  • Mit 10.542 Quadratkilometern ist das Land im Nahen Osten etwas kleiner als Tirol.
  • Rund sechs Millionen Einwohner, 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien und 450.000 Palästinenser.
  • Die Hisbollah (Partei Gottes) ist eine paramilitärische Organisation, die auch in der Nationalversammlung vertreten ist.
  • Hauptstadt: Beirut (1,3 Millionen Einwohner).
  • Hauptreligionen: 59 Prozent Muslime und 39 Prozent Christen.

UNIFIL:

  • Seit 2011 beteiligt sich Österreich mit einer Transport- und Logistik-Einheit an der 10.500 Mann starken UNIFIL-Truppe (United Nations Interim Force in Lebanon).
  • Aufgabe: das Aufflackern des Konfliktes zwischen Israel und dem Libanon zu verhindern.
  • Terror-Schutz von Transporten mit Anti-Bomben-Störsendern.
  • Sold: Ein Soldat verdient rund 4000 Euro netto im Monat.

Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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