10.04.2019 13:05 |

Nach Tod von Patienten

Gegen Leiter der Herzchirurgie wird nun ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Graz hat gegen den erst am Dienstag von der steirischen Spitalsgesellschaft KAGes dienstfrei gestellten Leiter der Herzchirurgie am Grazer LKH ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Die Erhebungen beziehen sich auf einen Fall im Jänner. Bereits in der Vorwoche gab es eine Anzeige wegen des Todes eines Patienten nach einer Herztransplantation vor drei Jahren. Auch im deutschen Oldenburg laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen.

Im Jänner war ein 70-Jähriger auf der Kardiologie des LKH Graz in Behandlung gewesen, dort wurde auch ein erster Eingriff durchgeführt. Anschließend sollte sich der Patient auf der Herzchirurgie einer Operation unterziehen. Dort entdeckte man allerdings einen „beherdeten Zahn“, der bei einer Operation ein Risiko darstellen könnte.

Also wurde der Patient entlassen, damit er sich bei einem Zahnarzt in Behandlung begeben könne. Doch dazu kam es nicht mehr, denn der Mann hatte zu Hause einen Anfall und starb. Der Fall wurde von der steirischen Patientenombudsfrau Renate Skledar bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Tod nach Transplantation
Bereits in der Vorwoche wurde Strafanzeige wegen eines Falls im Jahr 2016 eingerecht: Damals starb ein Mann wenige Tage nach einer Herztransplantation, vermutlich wurde das Spenderherz bei der Entnahme beschädigt. Karin Prutsch, Anwältin der Witwe, wirft den behandelnden Ärzten ein grob fahrlässiges Verhalten vor: Laut einem Gutachten aus dem Schlichtungsverfahren sei der Todesfall auf „grob fahrlässiges Organisationsverschulden, chirurgisch-technisches Versagen sowie eine vollkommen unzureichende Kommunikation unter den Operationsteams“ zurückzuführen.

Ermittlungen in Deutschland
Und auch in Deutschland droht dem Leiter der Herzchirurgie Ungemach: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen den Mann wegen „Totschlage durch Unterlassen“. Warum? Der Krankenpfleger Niels H. verabreichte zwischen 1999 und 2005 in Oldenburg und Delmenhorst Patienten absichtlich ein Mittel, das einen Total-Zusammenbruch verursachte. Dann wollte er bei der Wiederbelebung glänzen, etliche Menschen starben allerdings.

Vor Gericht wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Grazer Abteilungsleiter war einst in der Oldenburger Klinik der Vorgesetzte von Niels H. Die Ermittlungen sind weitgehend abgeschlossen, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft Oldenburg zur „Krone“.

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