26.03.2019 07:00 |

EP „Aurora“ und live

Soul-Stimme Lylit: Ein Neubeginn in allen Formen

Drei Jahre lang war die oberösterreichische Sängerin und Musikern Lylit gezwungen, mit ihren musikalischen Ideen hauszuhalten - jetzt explodiert sie gleich in mehrfacher Weise. Einerseits mit der 4-Track-EP „Aurora“ und einem kommenden Album, andererseits mit einer spannenden Kooperation mit Conchita Wurst. Im Interview rekapituliert Lylit noch einmal die Ups and Downs der letzten Jahre.

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Leib und Seele Künstler, sprudeln über vor Kreativität und Ideen und es ist Ihnen verboten, diese zu veröffentlichen. So erging es bis vor kurzem der Innviertlerin Eva Klampfer alias Lylit, der es aufgrund von Vertragsangelegenheiten drei Jahre lang verboten war, Musik zu veröffentlichen. Dabei hat ursprünglich alles wie im Märchen begonnen. Mit Zwölf schrieb sie die ersten Songs selbst, gewann in der Jugend den „Yamaha-Bandcontest“ und hat als Kind eine Ausbildung am klassischen Klavier an der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz genossen. Ausschlaggebend dafür war mitunter Whoopi Goldbergs Kultkomödie „Sister Act“, wie Lylit der „Krone“ im Interview erzählt. „Als ich den Film sah, war es um mich geschehen. Ich habe dann Lauryn Hill entdeckt und im örtlichen Saturn nach CDs mit Gospel Roots gegraben. Auch wenn meine Eltern keine Musikausbildung hatten, haben sie mich immer unterstützt.“

Maßgeschneidert für den Markt
Als sie mit einem Salzburger Produzenten ihre erste Platte aufnimmt, verschickt Lylit gebrannte Exemplare davon mit handgeschriebenen Zetteln und einem Foto an unterschiedliche Plattenfirmen und Vertriebe. Ganz naiv und unschuldig wie früher, in der Prä-Internet-Ära. „Ein paar Wochen später läutete mitten in der Nacht mein Telefon und Kedar Massenburg aus Amerika war dran. Er wollte, dass ich nach New York komme, um dort ein Album aufzunehmen. Wir haben uns dann in einem Riesengebäude am Times Square getroffen und die Chemie hat sofort gepasst.“ Massenburg war der ehemalige CEO des prestigeträchtigen Motown-Labels und hatte mit Künstlerinnen wie Erykah Badu oder India.Arie zusammengearbeitet, allesamt Idole von Lylit. Mit ihrer galanten Mischung aus Soul, Gospel und R&B war Lylit maßgeschneidert für den US-Markt. Die Nummer „The Plan“ wurde zur „iTunes Single Of The Week“ und die dazu veröffentlichte EP „Unexpected“ landete in den Top-10 der R&B-Charts.

„Es ging so schnell, dass ich nur noch unterwegs war. Ich hatte in New York eine Wohnung, bin aber zwischen dort und Österreich immer hin- und zurückgefahren. Die Musik war wie für den amerikanischen Markt gemacht, die haben den Soul dort in ihrer Geschichte und in den Adern. Bei uns ist das nur ein Minigenre, mit dem man sich niemals breit durchsetzen kann.“ Für die passionierte Bühnenliebhaberin folgten Livekonzerte breit über den Globus verstreut. Gigs beim „Living Colours Festival“ in Paris, beim „Vietnam intern. Jazz Festival“, Auftritte in Sofia, Istanbul, New York City und als Highlight ein Auftritt beim „Bayimba Music Festival“ in Uganda. „Ich war dort die einzige Weiße und außerdem die einzige, die nicht Afrobeat, Dancehall oder Reggae spielte. Dort sind die Stämme vom Nil getrennt und eigentlich total verfeindet, aber ein Mädel von der anderen Seite des Flusses schrieb einen Song über mich und sie. Sie kombinierte zwei Tribe-Grooves, die in der Form verpönt waren. Da ging mir das Herz über und ich habe wieder gemerkt, wie universal Musik eigentlich ist.“

Endlich Neubeginn
Als dann die Sache mit dem Vertrag in ihre Karriere pfuschte, durfte Lylit zwar auftreten, aber nicht schreiben. Drei Jahre lange musste sie die Zeit totschlagen, ehe die Kreativität überschwappte. Das Ergebnis hört auf den Namen „Aurora“ ist eine 4-Song-EP und erschien letzten Freitag. „Endlich wieder etwas veröffentlichen zu können ist das beste Gefühl der Welt. Was ist die Musik denn schon wert, wenn sie nicht raus darf? Es war eine Pein, dass ich daran gehindert wurde, aber jetzt starte ich ein ganz neues Kapitel in meinem Leben.“ Dieses klingt musikalisch runderneuert. Zum klassischen R&B kommt auch etwas Hip-Hop und sehr viel Elektronik dazu. „Aurora“ ist quasi eine modifizierte, zeitgemäße Version von Lylit. „Aktuell zu klingen ist mir schon wichtig. Das ist ein bisschen wie bei der Mode. Beim ersten Mal bist du skeptisch, aber je öfter du etwas siehst oder es versuchst, umso besser fühlt es sich an. Im Endeffekt mache ich Popmusik und die darf ruhig dem Zeitgeist angepasst sein. ,Aurora‘ bedeutet Morgenröte und steht für einen Neubeginn. Für mich ist diese EP eine Reinwaschung von all dem Wahnsinn, den ich zuletzt erlebte.“

Lylit war aber auch an einer zweiten Front beschäftigt. Nachdem sie 2017 mit Conchita Wurst ein Duett mit den Symphonikern bei den Wiener Festwochen sang, startete eine echte Freundschaft, die in einem gemeinsamen Arbeitsprozess mündete. Lylit hat das gesamte, noch nicht erschienene Album von Wurst mitgeschrieben, was auch insofern beeindruckend ist, als dass die Glam-Ikone sich darauf einem radikalen Stilwechsel unterzieht. „Ich wollte anfangs nur an drei, vier Nummern basteln, aber es lief so gut, dass wir das ganze Album schrieben. Dass Tom seine Neuerfindung visuell so genial und klar umsetzt, wusste ich nicht, aber aus unseren Gesprächen ging natürlich hervor, dass es eine klare Abkehr vom Conchita-Sound werden sollte.“

Live-Gigs
Eventuelle gemeinsame Live-Auftritte oder weitere Kooperationen stehen noch in den Sternen, denn derzeit ist Lylit hauptsächlich für sich selbst da - und hat mit der EP noch lange nicht genug. „Ein Album wird bald folgen. Das war mir einfach ein besonderes Anliegen, denn der Bogen, den man darauf spannen kann, ist einfach wundervoll. Wenn man wirklich zehn bis zwölf Songs zusammenstellt, die etwas erzählen und als Zeitdokument des Lebens dienen, dann sollte man diese Chance auch ergreifen.“ Vorerst geht es mit der EP noch durch einige österreichische Städte. Am 28. März spielt sie im Innsbrucker Treibhaus, am 2. April im Porgy & Bess in Wien, am 5. April im Dornbirner Spielboden, am 6. April im alten Kino Landeck, am 12. April beim „JazzIt“ in Salzburg und am 25. Mai beim „C’est La Mü Festival“ im burgenländischen Oslip. Tickets, Termine und weitere Infos gibt es auf www.lylit.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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