24.05.2004 12:17 |

Minisonnenfinsternis

Venus bietet im Juni Jahrhundert-Schauspiel

Der Juni bietet ein außergewöhnliches astronomisches Schauspiel, das kein heute lebender Mensch je selbst beobachten konnte: Unser innerer Nachbarplanet Venus zieht nach knapp 122 Jahren wieder in einer Art Mini-Sonnenfinsternis am 8. Juni als dunkler Punkt vor der Sonne vorbei.
Die Astronomen sprechen von einem Venustransitoder Venusdurchgang. Für gute Augen ist die Venus dabei von7.20 Uhr bis 13.23 Uhr als dunkler Punkt vor der Sonne erkennbar,etwa ein Dreißigstel des Sonnendurchmessers groß.Niemals darf man jedoch ohne ausreichenden Schutz wie etwa eineSpezialbrille in die Sonne sehen, und keinesfalls mit einem Fernglasoder Teleskop! Schwere Augenschäden bis zur völligenErblindung drohen.
 
Nach 122 Jahren ist es wieder soweit
Es ist das erste Mal nach knapp 122 Jahren, dasssich Venus von der Erde aus betrachtet vor die Sonne schiebt.Diesmal kann der gesamte Verlauf dieses kosmischen Schauspielsvon Mitteleuropa aus verfolgt werden. Der nächste Venustransitfindet in der Nacht vom 5. auf 6. Juni 2012 statt und ist dahervon Europa aus nicht beobachtbar. Wer diese beiden Venusdurchgängeverpasst, bekommt in seinem Leben keine weitere Chance mehr. Erstam 11. Dezember 2117 wird Venus abermals vor die Sonne treten,dieser Venustransit wird jedoch ebenfalls nicht von Europa auszu sehen sein. Am 8. Dezember 2125 können Mitteleuropäerwieder einen Venustransit erleben.
 
Exakt zwischen Sonne und Erde
Da Venus alle 7,5 Monate die Sonne umrundet, überholtsie die langsamer laufende Erde alle 19 Monate auf der Innenbahn.Doch nur sehr selten schiebt sich unser Nachbarplanet dabei exaktzwischen Sonne und Erde, so dass er als dunkler Punkt vor dergrellen Sonnenscheibe erscheint. Die Venusbahn ist nämlichzur Erdbahnebene leicht geneigt. Deshalb läuft Venus fastimmer ober- oder unterhalb der Sonne vorbei, wenn sie die Erdeüberholt. Nur wenn sie in der Überholphase die Erdbahnebenekreuzt, tritt sie von uns aus gesehen vor die Sonne.
 
In der Vergangenheit rüstete man zahlreicheExpeditionen aus, um von möglichst weit entfernten Orteneinen Venustransit zu verfolgen. Ziel war es stets, durch exakteBeobachtungen die genaue Entfernung der Erde von der Sonne zuermitteln. Denn die mittlere Distanz der Erde zur Sonne ist diegrundlegende Entfernungseinheit in der Astronomie. Sie möglichstpräzise zu ermitteln, ist Voraussetzung für die Auslotungder Tiefen des Universums. Verschiedene optische Phänomenesowie ungenaue Uhren ließen diese Bestimmung der AstronomischenEinheit jedoch längst nicht so genau ausfallen wie erhofft.
 
Heutzutage lässt sich mit der Radarechomethoderecht präzise die Länge der Astronomischen Einheit ermitteln.Dabei wird die Laufzeit eines Radarsignals von der Erde zur Venusund zurück gemessen. Die Länge der Astronomischen Einheitwurde auf diese Weise zu 149.597.870 Kilometer bestimmt. Ein Lichtstrahlbenötigt somit acht Minuten und zwanzig Sekunden, um dieDistanz von knapp 150 Millionen Kilometern von der Sonne zur Erdezurückzulegen.
 
Venus als strahlender Morgenstern
Nach ihrem Vorübergang vor der Sonne tauchtVenus im letzten Junidrittel als strahlender Morgenstern vor Sonnenaufgangam Osthimmel auf. Bei Einbruch der Dunkelheit leuchtet dagegenJupiter als auffälligstes Gestirn hoch am Südhimmel.Der Riesenplanet wandert durch das Sternbild Löwe und verschwindetbald nach Mitternacht im westlichen Horizontdunst. In der Nachtvom 23. auf den 24. Juni zieht der zunehmende Mond rund drei Gradnördlich an Jupiter vorbei. Mars und Saturn ziehen sich vomAbendhimmel zurück und werden im Laufe des Monats fürdas bloße Auge unsichtbar.
Donnerstag, 24. Juni 2021
Wetter Symbol