10.12.2018 15:00 |

Richtwerte veraltet

Wiener Hausbesitzer klagen wegen niedriger Mieten

Es klingt vordergründig grotesk: Die Wiener stöhnen unter extrem steigenden Mieten. Doch ein kleiner Teil in Gründerzeithäusern mit (vererbten) Altverträgen lebt vergleichsweise sehr günstig. Hauseigentümer fühlen sich diskriminiert. Sie haben sich zusammengeschlossen und rufen jetzt die Höchstrichter an.

Weil der Bundesgesetzgeber den Wiener Richtwert festsetzt, wird der Bund vor die Richter gezerrt. „In allen anderen Bundesländern gibt es in diesem Segment marktkonforme Preise. Nur in Wien nicht“, erklärt Kaspar Erath von der Plattform stadtbilderhaltung.wien. „Das ist nicht verfassungskonform.“ Details dazu wird die Plattform am Donnerstag vorstellen. Eines ist klar: Ist die Klage erfolgreich, geht es dem „Wiener Mietadel“ an den Kragen. Wohnen wird noch teurer.

Eigentümer fehlt häufig Geld für Erhalt der Gebäude
„Wir haben ein Konzept erstellt, das Mietern, Eigentümern und dem Staat gleichermaßen hilft“, verspricht Erath. Jetzt bleibt den Eigentümern kaum was übrig, auch für den Erhalt der teils wunderschönen Gebäude. Hier setzt die Petition „Stadtbild-Erhaltung“ an, die im Rathaus behandelt wird, weil sie genügend Unterstützer hat. Die Unterzeichner fordern größere Schutzzonen in der Bauordnung sowie mehr Geld für den Altstadterhaltungsfonds.

Derzeit noch 15.000 Gründerzeithäuser in Wien
Derzeit gibt es noch 15.000 Gründerzeithäuser, also Häuser, die zwischen 1850 und 1918 errichtet wurden. Investoren arbeiten mitunter jedoch auch mit Tricks, damit sie verschwinden und durch lukrative Neubauten ersetzt werden.

Alex Schönherr, Kronen Zeitung

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