Mo, 19. November 2018

Interview in Tränen

05.11.2018 09:22

Khashoggi-Verlobte: „Saudis verstecken Leichnam“

Nach der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi kämpft seine Familie mit der quälenden Ungewissheit, was wirklich im saudischen Generalkonsulat in Istanbul geschah. „Ich warte einfach darauf, dass die Fakten ans Tageslicht kommen“, sagte Khashoggis Sohn Salah. Khashoggis Verlobte, Hatice Cengiz, warf der saudischen Führung vor, den Leichnam zu verstecken. In einem emotionalen Interview (siehe Video) forderte die Türkin, dass alle „bösen Kriminellen und ihre feigen politischen Herren“ zur Rechenschaft gezogen werden. Bei der Aufklärung erwarte sie sich mehr Unterstützung seitens der USA und warnte vor einer Vertuschung des Mordes.

Cengiz erklärte im Interview mit dem türkischen Sender Habertürk TV, der Umgang mit Khashoggis Leiche sei „brutal und barbarisch“. Von Kashoggi, der unter anderem für die „Washington Post“ schrieb, fehlt jede Spur, seit er am 2. Oktober 2018 das saudi-arabische Konsulat in Istanbul aufgesucht hat.

„Hätte mich selbst dem Mordteam entgegengestellt“
Der Tod ihres Verlobten habe „eine Leere in meinem Herzen und meiner Seele“ hinterlassen, so Cengiz. Hätte sie gewusst, was passieren würde, „hätte ich mich selbst dem Mordteam entgegengestellt“. Gleichzeitig warf sie der US-Regierung unter Präsident Donald Trump vor, eine Haltung zu vertreten, die jeder „moralischen Grundlage“ entbehre: „Ich bin extrem enttäuscht von der Haltung der Führung vieler Länder, insbesondere der USA.“

„Er brauchte eine Bestätigung, dass er geschieden ist“
Die Türkin erzählte weiters, sie habe mit Khashoggi in Istanbul und den USA leben wollen. Für die Hochzeit habe er die Bestätigung gebraucht, dass er geschieden sei. Vor einem ersten Besuch des Konsulats in der Woche vor seinem Tod sei er sehr besorgt gewesen. „Das konnte man ihm ansehen“, sagte Cengiz. Aber er sei erleichtert wieder herausgekommen und habe sich über die Freundlichkeit gefreut, die ihm im Konsulat entgegengebracht worden sei. Man habe ihm gesagt, er solle am 2. Oktober wiederkommen, bis dahin wolle man seine Dokumente vorbereiten.

„Ich werde diese Angst nie vergessen“
Am 2. Oktober kam dann Khashoggi aber nicht mehr aus dem Konsulat heraus. Wie die saudische Führung mittlerweile zugegeben hat, warteten drinnen die Täter auf ihn, die ihn ermordeten. Vor seinem zweiten Besuch im Konsulat sei Khashoggi laut Cengiz nicht besorgt gewesen. Eigentlich habe er sogar alleine gehen wollen, aber ein Gefühl habe ihr gesagt, sie müsse mitgehen. Als er dann nicht mehr herausgekommen sei, habe sie Angst bekommen. „Als ich verstanden habe, was vorgeht, habe ich angefangen zu zittern. Ich hatte unglaubliche Angst. Ich fühlte mich zu schwach zu gehen. Ich werde diese Angst nie vergessen“, sagte sie.  Khashoggi war nach den Worten seiner Verlobten mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan befreundet. Erdogans Regierung übt seit Wochen schweren Druck auf Saudi-Arabien aus.

Khashoggis Leiche wohl in Säure aufgelöst
Nach seiner Ermordung ist die Leiche Khashoggis nach jüngsten türkischen Angaben in Säure aufgelöst worden. „Wir wissen jetzt, dass sie seine Leiche nicht nur zerstückelt haben“, sagte der türkische Präsidentenberater Yasin Aktay am vergangenen Freitag. Vielmehr sei sie zusätzlich mit Säure zersetzt worden, um alle Spuren zu verwischen. Aktay bestätigte damit einen Bericht der „Washington Post“, wonach die Ermittler im Garten des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul „biologische Beweise“ gefunden haben, die diese These stützten. 

Türkischen Medienberichten zufolge durften die türkischen Ermittler einen Brunnen im Garten des Konsulats nicht untersuchen, doch wurde ihnen Wasserproben genehmigt. 18 Verdächtige wurden mittlerweile in dem Fall festgenommen und ein königlicher Medienberater und der Vizegeheimdienstchef ihrer Posten enthoben. Es besteht der Verdacht, dass Kronprinz Mohammed bin Salman den prominenten Journalisten ermorden ließ. Riad betonte allerdings, die Tat sei von niemandem abgesegnet worden.

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