10.01.2010 15:08 |

Kreativer Plan

Island: Mit Hilfe von Seegurken aus der Wirtschaftskrise

Bei der Suche nach neuen Einnahmequellen zur Bewältigung der milliardenschweren Schuldenlast ihres Landes sind die Isländer offenbar sehr kreativ. Nach Plänen, Island in einen globalen Standort für die Kühlung riesiger Computerzentren zu verwandeln, verstärkte Suche nach Bodenschätzen zu betreiben sowie die Wiedereinführung des kommerziellen Walfangs will Island nun auch verstärkt auf den Fang und den Export von Seegurken setzen.

Aus diesem Grund erweiterte das Fischereiministerium Islands vergangene Woche die bisher auf ein einziges Boot beschränkte Genehmigung zum Fang der Meeresbodenbewohner auf neun Lizenzen.

Die getrockneten und oft mehrere Monate lang geräucherten, äußerlich an Nacktschnecken erinnernden Tiere ("Trepang") sowie deren eingelegte Innereien gelten vor allem in China und Südostasien als kulinarischer Leckerbissen. Bei unsachgemäßer Zubereitung kann der Verzehr allerdings gesundheitsschädlich sein, da die Seegurken-Haut Gift enthält, das die Tiere auch gegen Feinde verspritzen. 

Der Betreiber der bisher einzigen isländischen Trepang-Exportfirma Reykkofinn, Kari Petur Olafsson, zeigte sich gegenüber der Zeitung "Morgunbladid" besorgt. Die Ausweitung des Seegurken-Fangs könne zu einer Überfischung führen und den Betrieb seines Unternehmens gefährden, so der Unternehmer. Künftig sollen in drei verschiedenen Fischerei-Zonen jeweils drei Schiffe Seegurken fangen dürfen.

Besonders hart von Finanzkrise betroffen
Island wurde besonders hart von der Finanzkrise getroffen. Die privaten Haushalte haben in den Boom-Jahren immense Schulden angehäuft, Arbeitslosigkeit und Inflation sind seit dem Zusammenbruch der isländischen Bankenbranche stark gestiegen. Die Verbindlichkeiten des Staates belaufen sich auf rund 50% des Bruttoinlandsproduktes. Der Internationale Währungsfonds hat das nordische Land mit Milliarden gestützt, die Island in den nächsten Jahren aber wahrscheinlich zurückzahlen muss. Nach den Turbulenzen der Finanzkrise will Island nun binnen zwei Jahren der Europäischen Union beitreten und den Euro bis 2014 einführen.

Derzeit macht Island aber mit einem innenpolitischen Streit um Entschädigungszahlungen für ausländische Kunden der kollabierten Icebank Schlagzeilen. Präsidenten Olafur Ragnar Grimsson stoppte ein Gesetz der Regierung über die Zahlung von fast vier Milliarden Euro an Großbritannien und die Niederlande. Mit dem Geld sollten die beiden Länder dafür kompensiert werden, dass sie Entschädigungszahlungen an britische und niederländische Kunden vorgestreckt haben. Den isländischen Kunden brachte der Kollaps der Icebank im Oktober 2008 keine Nachteile, weil der Staat einheimische Spareinlagen in unbegrenzter Höhe garantiert. Über das gestoppte Gesetz soll es jetzt eine Volksabstimmung geben. 

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