28.09.2018 19:32 |

„Nicht zuständig“

Keine Vatikan-Flagge für NGO-Schiff Lifeline

Das Schiff der deutschen Flüchtlingshilfsorganisation „Lifeline“ muss weiterhin im Hafen der maltesischen Hauptstadt Valletta bleiben. Der Vatikan hatte es nach einer entsprechenden Bitte abgelehnt, dem Schiff seine Flagge für weitere Fahrten auf dem Mittelmeer zur Verfügung zu stellen. Begründung: Das Schiff habe „keine tatsächliche Beziehung zum Vatikanstaat“, heißt es in einem Schreiben vom 10. August, das über die Nuntiatur in Berlin an den Kapitän der Lifeline, Claus-Peter Reisch, ging.

Zuletzt war die Lifeline unter niederländischer Flagge gefahren, diese wurde aber entzogen, nachdem die maltesischen Behörden Ermittlungen gegen den Kapitän aufgenommen hatten. Claus-Peter Reisch steht derzeit in Malta vor Gericht. Neben der - laut den Behörden unzulässigen - Registrierung des Schiffes geht es auch um den Vorwurf, er habe sich Anweisungen der Behörden widersetzt. Reisch weist die Vorwürfe zurück.

Vom Vatikan heißt es zu der Causa, man könne „die eigene Zuständigkeit über das Schiff nicht ausüben“ sowie „die Immunität von Besatzung und Passagieren nicht gewährleisten“. Laut dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen muss jeder Staat „seine Hoheitsgewalt und Kontrolle in verwaltungsmäßigen, technischen und sozialen Angelegenheiten über die seine Flagge führenden Schiffe wirksam ausüben“.

„Das, was wir tun, ist nicht gewollt“
Der Vorsitzende des Dresdner Seenotrettungsvereins „Mission Lifeline“, Axel Steier, hatten den Mittelmeerstaaten Anfang August vorgeworfen, die Rettung von Flüchtlingen durch private Hilfsorganisationen bewusst zu behindern. „Schon seit unserem ersten Einsatz gibt es Anzeichen, dass das, was wir tun, nicht gewollt ist“, sagte Steier. So hatten sich etwa Italien und Malta geweigert, Schiffe von Hilfsorganisationen anlegen zu lassen.

Auch seien die Helfer bei Seenot gar nicht mehr gerufen worden, warf Steier den zuständigen Behörden vor. „Das heißt im Klartext, die Leute lieber sterben zu lassen.“ Der Vereinsvorsitzende wies darauf hin, dass seine Organisation mit ihrem derzeit auf Malta festgesetzten Rettungsschiff Lifeline bisher 1019 Menschen gerettet habe. Von diesen hätten etwa 70 Prozent Asyl erhalten.

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