Sa, 20. Oktober 2018

Medientage 2018

27.09.2018 15:33

Aufgewerteter Journalismus gegen das anonyme Web

„Tageszeitungen im Transfer“ - das war das Motto eines Panels bei den Medientagen, das die Zukunft von Printmedien im Visier hatte. Die dazu eingeladenen Zeitungsmacher zeigten sich optimistisch, trotz sinkender Auflagen und teils auch schrumpfender Redaktionen. Die Experten aus den unterschiedlichsten Medienhäusern fanden auch viele positive Aspekte dieser Entwicklung im Zeitalter des digitalen Wandels.

Steigende Auflagen sind schon lange kein Ziel mehr für Printmedien: „Das Maximalergebnis kann sein, dass man Auflagen hält“, erklärte Markus Mair (Styria Media Group). Sollten Redaktionen oder Medienhäuser sich verkleinern, müsse man allerdings darauf achten, dass es sich um Gesund- und nicht um Krankschrumpfen handelt. „Bei jeder Medienmarke muss dabei der journalistische Kern erhalten bleiben“, erklärt Mair, andernfalls könne man seine Leser nicht halten.

Maximilian Dasch: Kampf um Abonnenten wird härter
Als positiv wird vor allem der hohe Anteil an Abonnenten bei Tageszeitungen in Österreich gewertet - da habe man einen klaren Vorteil gegenüber Printmedien in anderen Ländern. Auch wenn man heutzutage um seine „Stammkunden“ härter kämpfen müsse. „Heute braucht es mehrere Anläufe, um ein neues Abo abzuschließen, hier steigt der Aufwand klar“, berichtete der Herausgeber der „Salzburger Nachrichten“, Maximilian Dasch. Sinkende Auflagen seien ein Teil des Gesundschrumpfungs-Prozesses - es würde immer öfter auf Gratisausgaben verzichtet. Dasch spricht hier von einer „Optimierung der Verlagshäuser“.

Siebert: Leser wollen „Schnelligkeit, Tiefe und Ausgewogenheit“
Das sieht Nana Siebert vom „Standard“ ähnlich: „Um Print ist es gut bestellt“, stellte die stellvertretende Chefredakteurin fest. Deshalb konzentriere man sich „auf das, was wirklich wichtig ist, die Abonnenten“. „Selbstentnahmetaschen und Großverkäufe“ würde man dagegen wie die „Salzburger Nachrichten“ eindämmen. Der Fokus liege bei „Schwerpunktsetzung und Gewichtung von Themen“, erklärte sie. Um herauszufinden, was die Leser wollen, habe man sich mit ihnen getroffen. Sieberts Resümee darüber, was Zeitungskonsumenten schätzen: „Das eine ist die Schnelligkeit, das andere die Tiefe und Ausgewogenheit.“

Gudula Walterskirchen von den „Niederösterreichischen Nachrichten“ machte darauf aufmerksam, dass Redakteure immer mehr Aufgaben übernehmen müssten, was sich negativ auf die Qualität der Inhalte auswirke - und das sei ja der Kern jedes Medienprodukts. Die Onlineberichterstattung einer Wochenzeitung ergänze einen Printbeitrag, hier könne man ein Thema tiefer behandeln. Die Arbeit einer Redaktion könne ein Algorithmus niemals ersetzen, daher investiere man lieber in Ersteres.

Schmitt: „Likes“ und „Shares“ sind neue Währung in der Branche
Richard Schmitt, Chefredakteur von krone.at, setzt ebenfalls auf Inhalte. Dazu zählt auch eine bessere Verschränkung von Print und Online. Wie die anderen Zeitungsmacher hält er die Millennials für eine wichtige Zielgruppe. Diese Altersgruppe könne man aber nicht mit der klassischen Zeitung locken. „Wir müssen nicht Print so umbauen, dass wir Politik für einen 14-Jährigen erklären, sondern die Online-Artikel so interessant gestalten, dass wir auf Facebook damit Erfolg haben.“ Reaktionen auf Social Media seien für ihn „die neue Währung“, der digitale Auftritt einer Medienmarke sei das Gateway für junge Leser.

Die Qualität der Inhalte steht auch für ihn im Fokus: „Man muss den Journalisten wieder mehr Raum geben, um zu recherchieren“, betonte Schmitt. Redakteure sollten „draußen bei den Leuten sein“. Dazu werde man bei krone.at das „Storytelling neu aufsetzen“.

Miriam Krammer
Miriam Krammer

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