Mo, 17. Dezember 2018

„Krone“ war vor Ort:

26.09.2018 12:00

Im „Wolfsland“ wird’s nie mehr werden, wie es war!

„Erschießen“ - diese Forderung gab’s beim „Krone“-Lokalaugenschein im „Wolfsland“ an der Grenze zwischen Mühl- und Waldviertel in Liebenau, Weitersfelden, St. Leonhard oder Langschlag (NÖ) oft. Mit den hier sesshaft gewordenen Wölfen hat niemand Freude. Alleine draußen spielende Kinder sieht man kaum.

„In Brüssel, Wien und Linz entscheiden die hohen Herren. Aber die sind weit weg von der Realität. Wir sind es, die mit dem Wolf leben müssen“, sagt etwa Gerhard Stellnberger aus Weitersfelden, der eine Herde Mutterkühe samt Kälbern hat. „Da kommen Ideen, dass wir eben die Zäune höher machen sollen - und eingraben, damit sich der Wolf nicht durcharbeiten kann. Das ist unfinanzierbar und ruiniert die Landschaft. Wenn das kommt, sperre ich zu. Andere auch“, so der Mühlviertler.

Vier Schafe gerissen
„Bei uns wurden vier Schafe gerissen, wir waren die Ersten, bei denen der Wolf war. Unsere Schafe erhalten die Kulturlandschaft, sie sind mehr Hobby als Einnahmequelle“, wissen auch Erika und Gerhard Kernstock aus Langschlag (NÖ) nicht, ob der Betrieb trotz des Wolfes weiterbetrieben werden kann.

„Krone“-Grafik
Derzeit sind es fünf Isegrime, die sich an der Grenze als Rudel angesiedelt haben. Sie reichen, dass in der Gegend wieder die Angst umgeht. Wie groß der Nahrungsbedarf des Wolfs ist, zeigt die „Krone“-Grafik.

Nur noch in Begleitung wird draußen gespielt
„Mein Hund bleibt jetzt draußen, hat einen großen eingezäunten Auslauf bekommen. Unser Nachbar ist froh, er hat Schafe“, sagt Martina Weilguny aus der Liebenauer Ortschaft Monegg, wo der Wolf viermal von der Familie Käferböck gesichtet wurde - zweimal vom erst zehnjährigen Elias, der im Interview die Begegnungen schildert.

Eltern lassen Kinder nicht alleine zum Schulbus
„Draußen alleine spielen, das darf unser kleiner David nicht mehr“, sagt Opa Josef Weilguny. „Viele Eltern lassen Kinder nicht alleine zum Schulbus gehen“, weiß Vize-Bürgermeister Manfred Eckl, der für Liebenau die nun erlaubte Vergrämung von Wölfen durchgesetzt hat - die Vorstufe zum legalen Abschuss eines „Problemwolfs“. Bis dahin müssen sich Wölfe vor den nicht selten genannten „vier S“ fürchten: „Schauen, Schießen, Schweigen, Schaufeln“.

„Krone“-Interview: „Ich hab’ auch ein bisschen Angst“
Viermal tauchte ein Wolf schon unmittelbar beim Haus von Familie Käferböck in Liebenau auf. Der zehnjährige Elias sah ihn zweimal.

„Krone“:Du hast schon zweimal einen Wolf gesehen.
Elias: Ja, einmal auf der Weide, wo unsere Hochlandrinder sind. Und einmal ging er vorm Haus den Hang hinunter.

„Krone“:Bist du dir sicher, dass es nie ein Hund war?
Elias: Ganz sicher. Meine Mama und mein Papa haben auch schon jeweils einmal einen Wolf gesehen. Er war auch auf der Weide, nachdem gerade ein Kalb zur Welt gekommen ist.

„Krone“:Viele sagen, dass der Wolf eh nichts tut.
Elias: Ich weiß nicht, aber ich hab’ ehrlich gesagt schon ein bisschen Angst.

„Krone“:Was hat sich für dich im Alltag verändert?
Elias: Ich gehe nicht mehr alleine in den Wald und schaue mich öfter um. Meine Mama begleitet mich in der Früh zur Busstation, die ist 600 Meter entfernt. Sonst bin ich da einfach alleine hingegangen. Oberhalb wohnen auch noch andere Kinder, wir warten oft, dass wir zusammen zum Bus gehen.

„Krone“:Jetzt im Herbst und Winter wird’s nochmal anders, wenn es später hell wird.
Elias: Da ist es in der Früh stockdunkel. Und wenn man weiß, dass da Wölfe unterwegs sind, ist das nicht lustig.

Markus Schütz, Kronen Zeitung

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