Di, 16. Oktober 2018

Nava Ebrahimi:

25.09.2018 08:00

Literarische Karriere begann mit Umzug nach Graz

Sie kam wie aus dem Nichts und eroberte von Graz aus die Literaturwelt: Seit 2012 lebt die deutsch-iranische Autorin Nava Ebrahimi in der Murmetropole und hat hier ihren preisgekrönten Debütroman „Sechzehn Wörter“ geschrieben. Eine Begegnung mit einer Autorin, die weiß, wie es sich anfühlt, zwischen den Stühlen der Kulturen zu sitzen.

Nava Ebrahimi wurde in Teheran geboren, kam mit drei Jahren nach Köln wo sie auch aufgewachsen ist. Sie machte eine Ausbildung zur Journalistin, war lange Zeit bei der Financial Times tätig, ehe es sie 2012 der Liebe wegen nach Graz zog. „Ich wollte immer Schriftstellerin werden und habe den Umzug dann genutzt, um mir dafür Zeit zu geben.“

Für die literarische Szene in der Stadt blieb sie lange Zeit unsichtbar: „Ich bin nach Graz gezogen und habe geschrieben und geschrieben und geschrieben. Ich hatte gar keine Zeit, mich in der Szene zu vernetzten. Als das Buch veröffentlicht wurde, waren dann viele völlig unvorbereitet, dass es da eine neue Autorin gibt.“

Konfrontation mit der Herkunft
Denn ihr Debütroman „Sechzehn Wörter“ blieb nicht lange unbeachtet: Darin erzählt sie von der jungen iranischstämmigen Deutschen Mona, die nach dem Tod ihrer Großmutter beschließt, ein letztes Mal in den Iran zu fliegen. Die Reise wird für Mona zu einer Konfrontation mit ihrer eigenen Identität und ihrer Herkunft. 2017 erhielt Ebrahimi für den Roman den Österreichischen Buchpreis für das beste Debüt: „Da hatte ich das Gefühl: Jetzt bist du hier angekommen“, sagt sie.

Aufwachsen als Migrantenkind
Das Buch ist keine Autobiografie, aber Ebrahimi hat darin vieles literarisch aufgearbeitet, was sie bewegt und beschäftigt hat: „Es ging mir vor allem darum, zu beschreiben, wie es sich anfühlt, als Migrantenkind mit zwei Identitäten aufzuwachsen. In beiden fühlt man sich zuhause, aber zugleich auch fremd. Und beide Seiten verlangen Treuebekundungen und zweifeln an, dass man so richtig dazugehört.“

Die Struktur des Romans - jedem Kapitel ist ein Wort aus dem Perischen zugeordnet - unterstreicht die Sprache als Schauplatz dieser inneren Konflikte. „Der Wortschatz kann viel über Familien und deren Geschichten erzählen“, sagt Ebrahimi: „Mir ist irgendwann aufgefallen, wie lange ich das persische Wort für Übergepäck schon kenne. Ein Wort, das im Leben eines durchschnittlichen Steirers wahrscheinlich keine große Rolle spielt. Aber bei uns in der Familie war Übergepäck immer Thema - man bringt Verwandten im Iran Dinge mit, die es nur in Deutschland gibt und umgekehrt.“

Mit Worten Brücken schlagen
Nicht alle diese Wörter sind einfach zu übersetzten: „Viele Menschen, die wie ich zweisprachig aufwachsen, übersetzen auch gar nicht, sondern leben zwischen den Sprachen, und die beiden Welten verbinden sich dadurch oft nicht.“ Genau diese Übersetzung lässt Ebrahimi ihre Heldin vornehmen und dadurch vielfältige Brücken schlagen, die den Leser packen.

Als kultureller Brückenbauer zwischen Deutschland und Österreich hat für Ebrahimi übrigens Michael Niavarani gedient: „Er hat mich mit seinem Humor aus der Sicht eines gebürtigen Iraners auf die Besonderheiten von Österreich vorbereitet“, schmunzelt sie: „Als ich dann hier war, habe ich gemerkt, wie deutsch ich bin.“

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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