22.09.2018 06:00 |

„Haben hohe Inflation“

KV-Verhandlungen: Tauziehen um reales Lohnplus

Wegen hoher Inflation bleibt in den meisten Jahren wenig echte Einkommenssteigerung, dazu wird die Konjunktur flauer - Zündstoff für die anlaufenden KV-Verhandlungen.

Mit der Metallindustrie fing diese Woche der Reigen der Kollektivvertragsverhandlungen für sehr viele unselbstständig Beschäftigte an. Und die Metaller sind auch gleich ein gutes Beispiel, wie „heiß“ diese werden dürften. Im Vorjahr hat sich die Branche auf satte 3 Prozent KV-Plus geeinigt. Bei aktuell über 2 Prozent Inflation bleibt den Mitarbeitern dennoch nur eine reale Einkommenssteigerung von mageren 0,9 Prozent. Das entspricht zufällig dem für heuer erwarteten Schnitt über alle Wirtschaftszweige (siehe Grafik).

Inflation höher als in Deutschland
„Wir haben eine besonders hohe Inflation, die konstant etwas über der Deutschlands ist. Seit 2000 sind die realen Löhne je Arbeitsstunde bei uns im Schnitt trotz teilweise recht hoher Abschlüsse nur 0,7 Prozent gestiegen“, merkt Thomas Leoni vom Wifo an. Zur Stärkung der Kaufkraft sollten die Bezüge daher stärker wachsen als die Teuerung, so der Experte. Weiters erwartet er, dass die Produktivität über alle Branchen heuer knapp 1 Prozent (bei den Metallern gut 4 Prozent) zulegen dürfte, was ebenfalls Platz für ein Einkommensplus ergibt.

Weiterer Streitpunkt ist die Konjunktur
Sonderfall sind „kleine“ Bezüge, die laut Statistik sogar reale Einbußen hatten. Leoni: „Grund ist, dass viele Betroffene nicht ganzjährig durchgehend beschäftigt sind. Der Hebel ist dort also weniger die Lohn-, sondern die Arbeitsmarktpolitik durch kontinuierliche Beschäftigung durch bessere Qualifikation.“ Streitpunkt ist sicher auch die Konjunktur. Sie brummt jetzt, wie die Gewerkschaft betont, wird sich aber zunehmend abschwächen, warnen die Betriebe. Die Unsicherheit sei daher größer als zuletzt. Unterm Strich sieht Experte Leoni „einen lohnpolitischen Spielraum ähnlich wie im letzten Jahr, doch das Thema Arbeitszeit wird sicher bestimmender“.

Christian Ebeert, Kronen Zeitung

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