Sa, 17. November 2018

„Krone“-Interview

08.09.2018 07:07

Ruttensteiner: „Sind in Europa im Niemandsland“

Am 1. August begann für Willi Ruttensteiner ein neuer Lebensabschnitt: Der frühere Sportdirektor des ÖFB übernahm selbige Funktion beim israelischen Fußballverband (das erste Spiel unter Teamchef Herzog ging daneben, alle Infos dazu hier). Wo in den kommenden Jahren viel Arbeit auf ihn wartet. Mit der „Krone“ sprach der 55-Jährige über den Status quo, zog Vergleiche mit Österreich und schwärmte über seine neue Wahlheimat.


Wie schaut ihre erste Zwischenbilanz als Sportdirektor des israelischen Fußballverbandes aus?
Die Motivation im Land ist groß, nicht nur Richtung Nationalmannschaft, sondern auch in Richtung eines israelischen Weges. Wobei: Es hat auch in Österreich über zehn Jahre gedauert. Das ist eine Arbeit, die ich beginnen kann, aber wahrscheinlich nicht zu Ende führen werde. Ich werde nicht meinen gesamten Lebensabend in Israel verbringen.

Welche sind die Unterschiede zu Österreich?
Diese sind in allen Bereichen feststellbar. So dass man richtig merkt, wie viel Positives in Österreich in den vergangenen Jahren geschehen ist. Nicht nur bei Nationalmannschaften, sondern auch bei den Themen Akademie, Talenteförderung, Ausbildung oder Frauenfußball. Auf der einen Seite freut es mich, weil viel Gutes passiert ist. Auf der anderen Seite ist es schon ein bisschen beängstigend, ob man das überhaupt aufholen kann. Denn da steckt sehr viel Arbeit dahinter.

Ihr Vertrag läuft vorerst für vier Jahre bis 2022.
Ja. Wobei man diese Zusammenarbeit beidseitig nach zwei Jahren beenden kann. Du lebst in einer anderen Kultur, einem anderen Land. Da habe ich mir gedacht, die Qualifikation für die EURO 2020 ist ein erster Teil. Wenn es mir und meiner Familie taugt, kann es danach gerne eine Fortsetzung geben. Momentan ist es irrsinnig motiviierend und gefällt mir die Arbeit irrsinnig gut. Ich möchte hier meine Spuren hinterlassen, eines Tages auf eine schöne Zeit zurückblicken.

Wobei bislang die Arbeit fürs Nationalteam im Vordergrund stand.
Ja, sie ist die Visitenkarte eines jeden Landes. Da kann man nicht sagen, man schaut zu und wartet jetzt fünf Jahre, bis man was verändert. Da habe ich gesagt, da muss man unmittelbar etwas machen, ein professionelles Umfeld gestalten. Wir haben jetzt einen Staff mit rund 20 Personen. Mein erster Eindruck ist, dass die Mischung aus israelischem und internationalem Know-how stimmt, Teamchef Andi Herzog macht das sehr geschickt.

Das Nationalteam liegt derzeit in der FIFA-Weltrangliste nur auf Rang 93.
Wir befinden uns im europäischen Niemandsland. In der Spiel-Kreativität und nach vorne sind wir wesentlich besser als es Rang 93 aussagt. Wenn wir aber in der Organisation, in der Zusammenarbeit in der Defensive weiter so agieren wie bisher, ist im internationalen Fußball nichts möglich. Das gilt es zu ändern. Wenn es der Mannschaft gelingt, das Defensivkonzept der neuen Spielphilosophie von Andi Herzog umzusetzen, können wir einiges bewegen.

Wie steht Israel im Nachwuchs-Fußball im Vergleich zu Österreich da?
Die letztjährige, erstmalige Qualifikation von Israels U17 für die Finalrunde war ein großer Erfolg. Wenn du die Qualifikation der letzten zehn Jahre betrachtest, liegt Österreich sehr weit voraus. Auch da ist es ein großer Abstand zur europäischen Spitze.

Woran fehlt es zum Beispiel?
Es gibt ein nationales Zentrum und ein großes Bemühen. Aber Bemühen ist nicht genug, es geht auch um Qualität und Know-how. Das versuche ich reinzubringen. Akademien, wie wir sie in Salzburg, Wien oder Mattersburg vorfinden, gibt es hier nicht. Da liegen in punkto Infrastruktur Welten dazwischen. Auch eine Schülerliga mit über 700 Schulen wie in Österreich gibt es hier nicht. Aber in der Infrastruktur aufzuholen, erfordert Zeit. Das hat auch in Österreich zehn Jahre gedauert.

Wie schauen nun die nächsten Schritte aus?
Es geht jetzt um die Konzeption einer nationalen Philosophie. In diesen israelischen Weg will ich reinschreiben, was die Ziele in den nächsten fünf bis zehn Jahren sind. Da will ich dann die Zustimmung von unserem Verband IFA und der israelischen Regierung, einen nationalen Schulterschluss für eine umfassende Reform. Wenn das gelingt, geht es sofort an die Umsetzung. Allen muss klar sein, dass man in eine Rückkehr an die europäische Spitze wesentlich mehr investieren muss als bisher. Ich bin da zuversichtlich.

Wie ist das Leben in Israel abseits vom Fußball?
Ein Traum. Da im Ausland immer alles von der Sicherheits-Debatte überschattet wird, wissen viele gar nicht, wie schön es etwa in Tel Aviv ist. Ich denke mir oft, wenn ich in der Früh unter Palmen entlang am Meer in die Arbeit fahre, wie schön das Leben ist. Die Lebensqualität ist irrsinnig hoch.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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