Mo, 24. September 2018

„Krone“-Gespräch

22.08.2018 07:00

Josh. - Der Mann hinter dem Sommerhit des Jahres

Egal ob aus dem Radio, den Boxen beim Moto-GP in Spielberg oder bei Hochzeiten und Partys - dieser Sommer kommt in Österreich nicht ohne „Cordula Grün“ aus. Der Top-Hit des bislang noch unbekannten Wieners Josh. könnte die Tür zu einer neuen, großen Karriere weit aufstoßen. Wir haben uns mit dem 32-Jährigen Vollblutmusiker getroffen, um Leben, Wirken und Hittauglichkeit zu rekapitulieren.

Ein paar Klavierakkorde, etwas Gitarre, ein sanft akzentuiertes Schlagzeug, eine grüne Puppe und die kratzige Stimme mit deutsch-wienerischem Idiom genügten, um mitten in Wien den Sommerhit des Jahres zu erschaffen. „Cordula Grün“ nennt sich der Track von Johannes Sumpich alias Josh., der seit Mitte Juni in den Formatradios landesweit auf- und abgespielt wird und alle Generationen zu begeistern weiß. Die nackten Zahlen sprechen dabei Bände: Nummer eins auf iTunes, Top-50 auf Spotify, Nummer eins in den Ö3-Hörercharts und zwei Monate nach Veröffentlichung mehr als zwei Millionen Klicks auf YouTube. Nicht schlecht für jemanden, der in Interviews gerne betont, dass er immer schon einmal einen Song über eine Frau und eine Farbe machen wollte.

Realität und Fiktion
„Warum das so ist, weiß ich gar nicht. Da waren irgendwelche Synapsen in meinem Gehirn, die sich das zusammenreimten“, lacht Josh. im Gespräch mit der „Krone“, „ich kann nicht einmal genau sagen, warum die Worte Cordula und Grün vorkommen. Es hätte auch genauso gut sein können, dass der Produzent die Idee dämlich findet und alles abdreht - glücklicherweise passierte das Gegenteil.“ Grob dreht sich „Cordula Grün“ um eine nicht erwiderte Liebe, verstärkt durch einen fintenreichen Text und ein zeitgemäßes Video des kundigen Regisseurs Georg Blume. „Natürlich zeige ich in dem Song Facetten von mir und gebe etwas her. Eine tatsächliche Cordula-Grün-Geschichte gab es in meinem Leben aber nicht. Ich finde es viel schöner, Dinge im Alltag zu beobachten und mich davon inspirieren zu lassen. Ganz ohne persönliche Erlebnisse geht es aber natürlich nicht.“

Der mit den beiden Songwritern Martin Kromar und Florian Cojocaru von Echopilot geschriebene Hit fußt - ganz im Gegensatz zur landläufigen Meinung - laut Josh. keinesfalls auf der einfachen Ausrichtung mit eingängiger Schlagseite. „Ich setze mich nicht hin und komponiere zwanghaft Kompliziertes, das hat mir noch nie Spaß gemacht. Das Arrangement der Nummer ist aber nicht so einfach und klassisch gestrickt - es passiert gar nicht so wenig.“ Dass „Cordula Grün“ ganz gut klingen würde, davon war der 32-Jährige von Anfang an überzeugt. Ein Erfolg in dieser Intensität ist aber trotzdem nicht planbar. „Wenn ja, dann würde ich ja ausschließlich Hits schreiben“, lacht er, „anfangs fanden die Leute in meiner direkten Umgebung den Song gut. Dann denkst du schon, dass es auch auf breiter Ebene funktionieren könnte. Und selbstverständlich habe ich Ö3 wahnsinnig viel zu verdanken, denn nur wenn die Leute einen Song hören und kennenlernen dürfen, können sie entscheiden, ob sie ihn mögen oder nicht.“

Am Boden bleiben
In den Charts hat Josh. dann sogar internationale Kaliber wie Shawn Mendes, Ariana Grande oder Ed Sheeran hinter sich gelassen. Das macht natürlich Lust auf mehr - aber nicht zu jedem Preis. „Man muss aufpassen, was man will. Ich bin wahnsinnig glücklich mit diesem Erfolg und bin der festen Meinung, dass alles, was jetzt noch kommt, ein Bonus für mich ist. Ich werde natürlich weiter hart arbeiten, alle Kanäle bedienen und Songs schreiben, aber ich stehe mit beiden Beinen fest am Boden und weiß genau, was Sache ist. Hier war es einfach so, dass alle zur Verfügung stehenden Zahnrädchen wirklich perfekt ineinandergriffen und den Song daher so erfolgreich machten. Eine Garantie für eine Wiederholung gibt es natürlich nicht.“

Mit 32 Jahren kommt der Ruhm für den einstigen IT-Techniker, der seinen Job aufgrund der blühenden Karrierechancen nun gekündigt hat, später als erwartet, was er keinesfalls als Nachteil sieht. „Ich bin schon so ehrlich und sage klar, dass ich den Erfolg auch mit 20 so genommen hätte, denn es gibt auch 18-Jährige, die plötzlich durch die Decke gehen und sehr gut damit umgehen können. Wenn man aber schon einiges erlebt hat, ist es auch einfacher, in bestimmten Situationen ruhiger oder reflektierter zu bleiben. Ich weiß ganz gut, wo ich hingehöre und was ich will. Wenn es dann auch noch Menschen gibt, die das annehmen und mich dabei unterstützen, dann kann ich mich nur geehrt fühlen.“

Clapton und Regener
Musik war Josh. schon in die Wiege gelegt, Gitarrengott Eric Clapton die große Initialzündung. „Als Frühjugendlicher habe ich sein Unplugged-Album geliebt. Als mir meine damalige Gitarrenlehrerin zeigte, dass ich solche Songs auch spielen könne, war ich total motiviert und es ging extrem viel weiter. Ich bin nebenbei ein Riesenfan von John Mayer, liebe auch Wanda und Bilderbuch und bin in die Musik von Leon Bridges gerutscht. Und wie sehr viele Leute, die deutschsprachige Musik machen, stehe ich total auf Sven Regener von Element Of Crime. Die Art und Weise wie er tiefromantische Liebesgeschichten ohne Kitschfaktor schreibt, ist einzigartig. Auch wenn es nicht jedermanns Sache ist, beeindruckt mich das extrem.“

Dass Regener auch ein gesellschaftskritischer und politischer Geist ist, beeindruckt auch Josh., dient ihm aber nicht als Inspirationsquelle für die eigene Karriere. „Ich würde mich der Thematik nicht verschließen, aber da müsste ich schon Lust darauf haben. Derzeit interessieren mich eher Alltagsbeobachtungen und Zwischenmenschliches. Ich will aber nicht stehenbleiben, sondern immer weitermachen. Wie die Beatles, die sind dahingehend legendär. Egal, ob du die frühen Rock’n’Roll-Nummern hörst, “Let It Be„ oder das progressive Spätwerk - alles klingt anders, aber immer nach den Beatles.“

Live & Album
Ob sich Josh. in eine solche Richtung bewegt, wird man spätestens Anfang 2019 hören - dort ist nämlich die Veröffentlichung seines Debütalbums geplant. Davor kann man ihn am 26. September im Wiener B72 und bei noch nicht näher definierten Terminen quer durch Österreich live sehen. „Die Bühne ist mein eigentliches Zuhause“. Alle Infos und Termine unter www.joshsmusik.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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